Hamburg & Schleswig-HolsteinKontakt in die Heimat – neuer Ort für Seefahrer in Hamburg

Zwischen Schichtplan und Seemeilen: Ein Ort in der HafenCity bietet Seeleuten im Hamburger Hafen einen seltenen Moment der Pause. Hier können sie Kontakt zu Freunden und Familie halten.
Hamburg (dpa/lno) - Ein kurzer Anruf nach Hause, ein paar vertraute Worte – für viele ist das selbstverständlich. Für die Crewmitglieder der Kreuzfahrtschiffe im Hamburger Hafen ist es oft ein seltener Moment. Die Seafarers’ Lounges wollen genau das bieten. Die Begegnungsstätten wurde 2016 als gemeinnützige Gesellschaft gegründet, getragen von der Deutschen Seemannsmission. Heute wurde eine neue Lounge in der HafenCity eröffnet - nun gibt es drei Standorte im Hafen.
Den Angaben zufolge nutzen jedes Jahr 26.000 Crewmitglieder das Angebot. Das Leben auf See sei geprägt von Enge, langen Arbeitszeiten und Distanz zur Familie. Privatsphäre sei rar, der Alltag oft belastend. Die Lounge setze hier an: kostenloses Internet und Telefon sollen Kontakt nach Hause ermöglichen, dazu kämen Hilfe bei Geldüberweisungen, beim Empfang von Paketen oder einfach ein Gespräch.
Auf 50 Quadratmetern gibt es einen kleinen Shop, für Dinge des täglichen Bedarfs wie Snacks und Hygieneartikel. In einer Sitzecke steht eine Gitarre. Zum Zubereiten von Mahlzeiten und heißen Getränken ist eine Küche vorhanden.
Ehrenamt zwischen Gesprächen und Begegnungen
"Man muss Menschen mögen", sagt John Ritchhart, der seit vielen Jahren ehrenamtlich hilft, der Deutschen Presse-Agentur. Die Motivation teilen viele. 50 Ehrenamtliche gebe es hier.
"Man löst nicht alle Probleme", sagt Co-Geschäftsführer Olaf Schröder, "aber man hilft konkret". Auch Silke Kröger engagiert sich ehrenamtlich. Die Rentnerin erzählt, wie sehr die Seefahrer die Arbeit der Lounge schätzen: "Man spürt Dankbarkeit, aufseiten der Seefahrer, dass sie eben so eine Anlaufstelle haben."
Die Arbeit habe sich verändert, sagen Haupt- und Ehrenamtliche. Wo früher Telefonzellen standen, dominieren heute Smartphones. Dafür sind andere Bedürfnisse gewachsen - Onlinebestellungen, vertraute Lebensmittel, ein Stück Heimat.
Die Lounge bleibe dabei ein kleiner Ort, direkter als große Seemannsclubs, näher an den Menschen. "Eine Comfort Zone", wie Co-Geschäftsführer André Rattay beschreibt. "Wir sehen unzählige Begegnungen, Gespräche und kleine Gesten der Unterstützung."
Ein Ort für Seeleute und ihre Geschichten
Die Erfahrungen seien oft bewegend. Schröder nennt eine sehr emotionale Situation: Ein Crewmitglied habe Geld für die Beerdigung der Mutter überweisen müssen, ohne selbst nach Hause reisen zu können. "Da sitzt man dann ein bisschen ohnmächtig daneben (...) Das sind so Momente, wo man wirklich Gänsehaut bekommt.", sagt er. Diesen Menschen ein wenig Auszeit von ihrer Arbeit und ihrem Alltag zu bieten, das sei ihnen wichtig.
Die neue Lounge in der HafenCity stehe dafür, als ein Bestandteil des Hafens. Ein Ort für Menschen, die die Welt verbinden und dabei selbst oft weit entfernt sind von allem, was ihnen wichtig ist.
Feierliche Eröffnung in Hamburg
Am Freitag war die feierliche Eröffnung der "Seafarers' Lounge". Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) betonte die Wichtigkeit der Aufenthaltsorte für Seemänner: "Denn eng beieinanderzuleben, krank zu sein und dann diese psychische Belastung zu haben und dabei dann in Arbeitsbedingungen zu sein, die eben nicht frei sind (...) das ist schon eine ganz besondere Herausforderung."