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Hamburg & Schleswig-HolsteinKonzert fast nur für die Ohren - "Hamburg Musik im Dunkeln"

14.03.2026, 08:52 Uhr
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Für viele werden Konzerte erst durch die großen Video-Leinwände und Lichtshows zu echten Erlebnissen. Wie ist das aber, wenn man die Musik nur hört und fast nichts sieht? Das wird nun ausprobiert.

Hamburg (dpa/lno) - Wie fühlt sich ein Live-Konzert von Anna Depenbusch, Sebastian Krumbiegel, Enno Bunger, Lotto King Karl, Miss Allie oder Rolf Zuckowski an, wenn es dabei fast komplett dunkel ist? Etwa 1.600 Gäste können das am Montagabend in der Hamburger Laeiszhalle erleben. Dort findet das Konzert "Hamburg Musik im Dunkeln" statt. Der Abend, dessen gesamte Einnahmen zugunsten des Dialoghauses Hamburg gehen, soll das Hören in den Mittelpunkt stellen - das Haus wird entsprechend abgedunkelt.

Wie dunkel wird es?

"Auf einer Skala von 1 bis 10 erreichen wir einen Wert von 9. Es ist deutlich dunkler als man es sonst von Laeiszhalle kennt. Aber man muss sich auch nicht tastend durch das Konzerthaus bewegen", sagt Kai Müller von Elbe Entertainment. Er ist verantwortlich für die Umsetzung des Konzerts. "Es wird also schön dunkel - und ein bisschen mystisch", verspricht Müller weiter. So können sich die Gäste voll und ganz aufs Hören konzentrieren - ohne ablenkende Bildschirme, Lichtshows oder Konfettiregen.

Entertainment-Profi Müller kennt das schon aus anderen Shows und aus einem Besuch im Dialoghaus, wo man komplett im Dunkeln Alltagssituationen erleben oder sogar einen Restaurantbesuch im Dunkeln erleben kann. "Es ist beeindruckend, wie sehr man sich auf seine übrigen Sinne verlässt, wenn die anderen nicht da sind."

Und so soll auch am Montag vor allem die Musik wirken. Die Töne, die Stimme - ohne große Ablenkung. Auch die Künstlerinnen und Künstler selbst kommen "mit kleinem Besteck". Ihr Auftritt wird reduziert auf ihre Stimme und ein Instrument.

Prinzen-Sänger hofft auf Nachsicht beim Publikum

Auch sie spielen weitgehend im Dunkeln und hinter einem halbtransparenten Vorhang. Für Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel ist das absolutes Neuland - und das hat ihn direkt neugierig gemacht. Er habe deshalb bei der Anfrage auch sofort zugesagt, sagt er der Deutschen Presse-Agentur.

"Ich bin auch selbst gespannt, ob ich überhaupt die Tasten sehe bei meinem Klavier. Ich spiele ja Klavier und singe dazu und wenn ich die Tasten nicht sehe, bin ich auch erst schon mal ein bisschen gehandicapt." Der 59-Jährige geht davon aus, dass er deshalb bestimmt nicht alle Töne treffe. "Ich glaube schon, dass die Leute das eher verzeihen." Krumbiegel will in der Laeiszhalle auch Lieder aus seinem neuen politisch-optimistischen Album "Kompass" vorstellen, das in zwei Wochen erscheint.

Konzert soll Dialoghaus auch Spenden bringen

Die Sängerinnen und Sänger spielen ohne Gage. Das Geld kommt dem Dialoghaus Hamburg zugute, in dem Ausstellungen und Erlebnisführungen zum Perspektivwechsel einladen. Der gesellschaftliche Auftrag: zur Teilhabe von Menschen mit Behinderung im Alltag und auf dem Arbeitsmarkt beitragen, wie Geschäftsführerin Svenja Weber sagte.

"Das Dialoghaus schafft deshalb Räume, in denen Menschen einander begegnen, und sensibilisiert mit seiner Arbeit für den Alltag von blinden und gehörlosen Menschen. Durch direkte Erfahrungen – etwa in unseren Ausstellungen und Bildungsformaten – entstehen Verständnis, Empathie und neue Handlungsmöglichkeiten für eine inklusive Gesellschaft."

In der Speicherstadt können Menschen die Angebote "Dialog im Dunkeln", "Dialog im Stillen" und "Dinner in the Dark" buchen. Außerdem gibt es Workshops und Bildungsprogramme für Schulen und Unternehmen. Rund 76.000 Menschen haben 2025 das Dialoghaus besucht. Neben den Ticketeinnahmen ist es auf Fördermittel und Spenden angewiesen.

Gebärdendolmetscher begleitet Konzert und Gespräche

Das Konzert - organisiert von Lars Meier vom Verein Mensch Hamburg - soll dem Dialoghaus mehr Sichtbarkeit geben und gleichzeitig zeigen, wie viel Kraft in Kultur und Begegnung steckt, wie Meier der dpa sagt. "Spenden sammeln durch Freude an der Musik ist eine wunderbare Sache. Dass so viele Künstlerinnen und Künstler dafür in der Laeiszhalle auftreten und auf ihre Gage verzichten, ist ein starkes Zeichen."

Die Gespräche mit den Künstlerinnen und Künstlern werden übrigens auch von einem Gebärdendolmetscher übersetzt. Auch soll es noch Überraschungsgäste geben. An der Abendkasse und bei Eventim gibt es noch Tickets.

Quelle: dpa

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