Hamburg & Schleswig-HolsteinMehr Kinder verunglücken auf Schleswig-Holsteins Straßen

94 Menschen starben 2025 bei Verkehrsunfällen in Schleswig-Holstein – acht mehr als im Vorjahr. Besonders betroffen: Pedelec-Fahrer und Kinder. Was der neue Verkehrssicherheitsbericht noch zeigt.
Kiel (dpa/lno) - Besorgniserregende Entwicklung auf Schleswig-Holsteins Straßen: Im vergangenen Jahr sind 1.366 Kinder bei Unfällen verletzt worden. Das waren 9,3 Prozent mehr als im zum Jahr zuvor, wie Innenministerin Magdalena Finke (CDU) bei der Vorstellung des Verkehrssicherheitsberichts sagte. "Kinder können das Fahrverhalten der Erwachsenen nicht beeinflussen. Sie vertrauen uns und sie sind auf unsere Vernunft und Verantwortung angewiesen."
Die Zahl der Unfälle, an denen 2025 Kinder beteiligt waren, stieg im Vergleich zu 2024 um 8,8 Prozent auf 1.305. Leicht verletzt wurden 1.281 Kinder. Das entspricht einem Anstieg um 11,1 Prozent. Die Zahl der schwer verletzten Kinder sank um 12,5 Prozent auf 84. Wie 2024 kam ein Kind im Straßenverkehr ums Leben.
Hauptsächlich verunglücken Kinder als Mitfahrende. Deren Zahl stieg von 439 Fällen im Vorjahr auf 523. "Dass immer noch zu viele Kinder nicht oder nicht richtig gesichert im Auto sitzen, ist schlicht unverantwortlich", sagte Finke. "Ganz gleich, wie kurz die Strecke ist." In 952 Fällen stellte die Polizei bei Kontrollen fest, dass Kinder unzureichend oder gar nicht angeschnallt wurden – etwa 30 Prozent mehr Fälle als 2024.
Mehr Menschen sterben
Wie aus dem Verkehrssicherheitsbericht hervorgeht, kamen im vergangenen Jahr 94 Menschen bei Unfällen ums Leben. Das waren acht mehr als 2024, aber weniger als der Zehn-Jahres-Durchschnitt (99 Tote). "Hinter jedem Verkehrstoten steckt ein trauriges Schicksal und eine Familie, die mit diesem schrecklichen Verlust weiterleben muss", sagte Finke.
Im Gesamtüberblick waren die Zahlen leicht rückgängig. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 89.855 Unfälle – 198 weniger als 2024 (minus 0,2 Prozent). Die Zahl der Verletzten ging um 0,9 Prozent auf 15.403 Betroffene zurück. Darunter waren 1.816 Schwerverletzte, deren Zahl etwas deutlicher abnahm (minus 3,6 Prozent). Besonders positiv war die Entwicklung unter jungen Fahrerinnen und Fahrern: In der Altersgruppe von 18 bis unter 25 Jahren gab es im Vorjahresvergleich 6,1 Prozent weniger Verletzte.
Polizei besorgt über Pedelec-Unfälle
Sorgen bereitet der Polizei vor allem die Entwicklung der Pedelecs. Das sind Räder mit Elektromotor zur Tretunterstützung, die mit bis zu Tempo 25 unterwegs sind. "Wir haben hier im vergangenen Jahr wie auch in den Vorjahren auch wieder einen deutlichen Anstieg der Anzahl der Verkehrsunfälle und auch der Verunglückten festzustellen", sagte der Leitende Polizeidirektor im Landespolizeiamt Torge Stelck.
Insgesamt starben 2025 sieben Menschen, als sie mit einem Pedelec unterwegs waren. Innerorts waren das die häufigsten Opfer. Sechs Menschen starben auf Fahrrädern, fünf bei Autounfällen. Außerorts starben 38 Insassen eines Wagens und 14 Menschen auf Motorrädern.
Während die Zahl der Verkehrsunfälle mit herkömmlichen Fahrrädern ohne Elektroantrieb 2025 um 5,2 Prozent auf 3.421 Fälle zurückging, stieg die Zahl der Pedelec-Unfälle im Vergleich zum Vorjahr um 14,6 Prozent auf 1.877 Unfälle. Verletzt wurden dabei 1.772 Menschen, was eine Zunahme um 12,7 Prozent bedeutet. Darunter waren im vergangenen Jahr 1.499 leicht und 266 schwer verletzte Menschen. "Jede dritte verunfallte Person war über 65 Jahre alt. Bei den Schwerverletzten lag ihr Anteil sogar bei 47 Prozent", sagte Finke.
E-Scooter-Unfälle seit 2020 verzehnfacht
Einen drastischen Anstieg verzeichnete die Polizei bei den sogenannten E-Scootern. "Wir stellen zwischen 2020 und 2025 eine Verzehnfachung der Unfälle mit diesen Fahrzeugen fest", sagte Stelck. 2025 wurden 930 Verkehrsunfälle mit E-Scootern registriert – mehr als 35 Prozent mehr als im Jahr zuvor (688). Die Dunkelziffer dürfte höher sein. 799 Menschen wurden dabei im vergangenen Jahr verletzt (2024: 607), darunter waren 81 Schwerverletzte (2024: 68).
"Wir haben bei den Elektro-Kleinstfahrzeugen, also den E-Scootern und den Elektrorollern, bei mehr als der Hälfte der Unfälle als Ursache eine falsche Straßenbenutzung oder Alkohol und Drogen am Lenkrad als Ursache festgestellt", sagte Stelck. "Alkohol und Drogen an sich betrachtet sind bei jedem sechsten Unfall ursächlich mit diesen Fahrzeugen und damit mehr als bei allen anderen betrachteten Teilbereichen in unserer Verkehrsstatistik."
Alkohol bleibt auch insgesamt weiter eine häufige Unfallursache. "Glücklicherweise, wenn wir die gesamte Verkehrslage betrachten, nicht in dem Umfang wie bei den E-Scootern, aber mit einem Anteil von sechs Prozent der festgestellten Unfallursachen immer noch signifikant", sagte Stelck. Die Zahl der Unfälle mit mindestens einem Beteiligten unter Alkoholeinfluss sank 2025 um 1,7 Prozent auf 1.237 Fälle. Die Zahl der Unfälle, bei denen eine Person unter Einfluss anderer Drogen stand, stieg dagegen um 12,7 Prozent auf 284 Unfälle. Die Zahl der dabei Verletzten stieg um 22 Prozent auf 105.
"Wir haben, was die Erklärungsansätze angeht, dazu noch kein klares Bild", sagte Stelck. Es sei möglich, dass die Verbreitung von Drogen sowie der Konsum zunehme und zugleich das Trennungsvermögen zwischen Konsum und der Verkehrsteilnahme nachlasse. "Das wäre aber spekulativ", sagte er.
Denn bei Kontrollen seien weniger Auffälligkeiten festgestellt worden: 2025 unterbanden Polizeikräfte demnach 3.200 Fahrten wegen des Konsums von Alkohol und anderer Drogen. "Also fast zehn am Tag in Schleswig-Holstein, bei denen Menschen nicht fahrtüchtig durch den Rauschmittelkonsum gewesen sind", sagte Stelck.