Hamburg & Schleswig-HolsteinProtest gegen Kürzungen bei Schulbegleitung in Hamburg

Plötzlich keine Schulbegleitung mehr für viele Kinder? Experten warnen vor Folgen der geplanten Umstellung in Hamburgs Schulen. Am Mittwoch wollen Eltern auf die Straße gehen.
Hamburg (dpa/lno) - Aus Protest gegen die geplanten Kürzungen bei der Schulbegleitung inklusiver Kinder im kommenden Schuljahr haben Eltern und Organisationen für Mittwoch zu einer Demonstration aufgerufen. Treffpunkt sei um 16.00 Uhr am Jungfernstieg in der Hamburger Innenstadt, teilten die Veranstalter mit. Eine Petition gegen die Kürzungspläne wurde bereits von mehr als 20.000 Menschen unterzeichnet.
Ziel: Sofortiger Stopp der Neuorganisation der Schulbegleitung
Ziel der Kundgebung sei unter anderem ein sofortiger Stopp der geplanten Neuorganisation der Schulbegleitung und eine vollständige Transparenz gegenüber den Familien über Bewilligung, Umfang und Qualifikation der Schulbegleitung. Zudem sollen Elternvertretungen, Betroffenenverbände und Träger beteiligt werden, bevor Änderungen umgesetzt werden.
Die Schulbehörde hatte in diesem Monat ein Schreiben unter anderem an alle Leitungen der Grund- und Stadtteilschulen sowie Gymnasien und Sonderschulen geschickt. Darin hieß es, da Schulbegleitung eine "nachrangige, helfende Unterstützung und keine Bildungs- und Erziehungstätigkeit" sei, werde künftig pädagogisch beziehungsweise sozialpädagogisch ausgebildetes Personal nur noch in Ausnahmefällen bewilligt.
FSJ-Teilnehmer sollen Betreuung übernehmen
Stattdessen sollen Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) flexibel und bedarfsgerecht eingesetzt werden, um die Kinder auf dem Schulweg und während des Unterrichts zu betreuen. Unbesetzte FSJ-Stellen können den Angaben zufolge künftig auch nicht mehr in Stellenanteile für sozialpädagogische Fachkräfte umgewandelt werden.
Kinder mit den sonderpädagogischen Förderbedarfen Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung erhalten demnach im ersten Jahr künftig gar keine Schulbegleitung mehr. Stattdessen soll es individualisierte Bildungsangebote sowie etwaige außerschulische Unterstützungsmaßnahmen geben. "Soweit nach einem Schulbesuchsjahr mit diesen Maßnahmen keine angemessene Teilhabe gelungen ist, kann Schulbegleitung als nachrangige Hilfe erörtert werden", heißt es in dem Schreiben vom 10. Juni.
Rund 42 Millionen Euro für Schulbegleitung im vergangenen Jahr
Nach Behördenangaben wurde im Schuljahr 2011/12 noch in etwa 460 Fällen eine Schulbegleitung bewilligt. Im vergangenen Schuljahr seien es bereits 3.226 Fälle gewesen, die nun im laufenden Schuljahr noch einmal auf 4.011 gestiegen seien. Die Kosten kletterten demnach von 6,75 Millionen Euro 2014 auf fast 32,6 Millionen Euro 2024 und 42,15 Millionen Euro im vergangenen Jahr.
Insgesamt haben der Schuljahresstatistik zufolge im laufenden Schuljahr 15.606 Schülerinnen und Schüler sonderpädagogischen Förderbedarf. Das seien 7,0 Prozent aller Schülerinnen und Schüler - und rund 1.100 Kinder und Jugendliche mehr als im vorangegangenen Schuljahr.
Scharfe Kritik aus vielen Richtungen
Neben Eltern von Kindern mit einer Behinderung, Sozialverbänden und Trägern kam unter anderem auch von der Gewerkschaft GEW und der Linksfraktion scharfe Kritik. Es besteht unter anderem der Verdacht, dass 30 bis 50 Prozent der Kosten eingespart werden und alle Schulbegleitungs-Fachkräfte wegfallen sollen. Von mehr als 2.000 Stellen ist dabei die Rede. Insgesamt seien bei den Trägern in der Regel 80 bis 90 Prozent Frauen beschäftigt.