Hamburg & Schleswig-HolsteinProzesse wegen Vergewaltigung künftig vor Spezialkammern

Prozesse um Vergewaltigungen sind oft besonders kompliziert. Viele Opfer sind von der Tat traumatisiert. Hamburg richtet nun auf solche Fälle spezialisierte Strafkammern ein.
Hamburg (dpa/lno) - Anklagen wegen schwerer Sexualstraftaten sollen am Hamburger Landgericht künftig vor spezialisierten Strafkammern verhandelt werden. Zum 1. Januar bekamen sieben Große Strafkammern diese Spezialzuständigkeit, wie die Justizbehörde mitteilte. Die Vorsitzenden Richter sollen vor allem ihr Fachwissen im Umgang mit traumatisierten Zeuginnen und Zeugen einbringen.
Senatorin Anna Gallina (Grüne) wies darauf hin, dass es für Opfer von sexueller Gewalt hoch belastend sein könne, vor Gericht auszusagen. Die Erfahrung, das Wissen und die Empathie der Richter und Richterinnen gebe den Opfern einen geschützten Raum vor Gericht. "Gleichzeitig kann die Spezialisierung die gerichtliche Aufarbeitung von Sexualdelikten weiter verbessern und die Verfahren effizienter machen", erklärte Gallina.
Mit der Spezialisierung reagiere das Landgericht auf die wachsenden rechtlichen und gesellschaftlichen Anforderungen und Herausforderungen im Sexualstrafrecht, sagte Landgerichtspräsidentin Birte Meyerhoff. Die Justizbehörde unterstützt die Kammern mit einem Fortbildungsangebot, das vor allem psychologische, rechtliche und vernehmungstechnische Themen des Sexualstrafrechts aufgreift.
In den vergangenen beiden Jahren ist die Zahl der angezeigten Vergewaltigungen, sexuellen Nötigungen oder sexuellen Übergriffe in Hamburg gestiegen. Nach der vorläufigen polizeilichen Kriminalstatistik für 2025 wurden von Januar bis November 315 Fälle gemeldet. Das sind 33 mehr als im Vorjahreszeitraum, was einem prozentualen Anstieg um 11,7 Prozent entspricht. Für das Jahr 2024 wies die Kriminalstatistik einen Anstieg der Vergewaltigungen um 8,8 Prozent aus.