Hamburg & Schleswig-HolsteinRegiestar Milo Rau macht der AfD den Theater-Prozess

Ein Projekt mit besonderem Konzept, Umfang und Sendungsbewusstsein beendet das diesjährige Festival am Thalia Theater. Der Schweizer Milo Rau sorgt mit politischem Aktionstheater weltweit für Furore.
Hamburg (dpa/lno) - Ein drei Tage dauernder "Prozess gegen Deutschland" beendet von heute Abend bis zum Sonntag die diesjährigen Lessingtage am Thalia Theater Hamburg. Milo Rau (49), Intendant der Wiener Festwochen und umstrittener Urheber radikaler postdramatischer Bühnenprojekte, bringt dabei erstmals einen seiner theatralen "Prozesse" nach Deutschland. Nicht ein Schauspielensemble mit Textbuch, sondern Experten und Expertinnen, Juristen und Juristinnen verhandeln ein Verbotsverfahren gegen die AfD.
Eingeladen ist etwa die frühere Bundesministerin der Justiz, Herta Däubler-Gmelin (SPD), als Vorsitzende Richterin. Das fiktive Gerichtsszenario wird auch als Video-Livestream auf der Website des Theaters ausgestrahlt. Die Hamburger Lessingtage verstehen sich als politisches Festival und wurden 2010 vom damaligen Thalia-Chef Joachim Lux ins Leben gerufen. In diesem Jahr hat der Theatermacher und designierte Leiter der Berliner Volksbühne, Matthias Lilienthal (56), das Festival kuratiert.