Hamburg & Schleswig-HolsteinSchlaglöcher – ein teurer Winter für die Kommunen im Norden

Der stetige Wechsel von strengem Frost und Tauwetter hat den Straßen im Norden stark zugesetzt. Viele sind mit Schlaglöchern übersät. Der ADAC fordert, nicht nur kurzfristig zu handeln.
Kiel (dpa/lno) - Das langanhaltende kalte Winterwetter hat die Straßen deutlich stärker geschädigt als in den Vorjahren. Das erklärte Rainer Pregla, der Sprecher des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) in Schleswig-Holstein. Städte und Gemeinden haben in den kommenden Wochen viel zu tun, um die zahlreichen Schlaglöcher zu beseitigen.
Die Straßenmeistereien seien schon dabei, die größten Schäden mit Kaltasphalt auszubessern und so die Schäden einzudämmen, sagte Staatssekretärin Susanne Henckel (CDU) vom schleswig-holsteinischen Verkehrsministerium in Kiel. Klar sei schon jetzt, dass die Reparaturarbeiten angesichts des langen und harten Winters vergleichsweise teuer werden dürften.
"Unsere 22 Straßenmeistereien ziehen aber erst Bilanz, wenn der Winter vorüber ist", erklärte Henckel. Im März könne es auch noch zu einer Fortsetzung des Wechsels aus Frost und wärmeren Tagen kommen. Voraussichtlich könne man die Schäden erst Ende März genau einschätzen.
"Maximalbelastung" für die Straßen
Dieser stetige Wechsel zwischen strengem Frost und Tauwetter sei eine "Maximalbelastung für die Straßendecken" gewesen, sagte Jörg Bülow, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages (SHGT). Für die Kommunen sei es ein großer Aufwand, die notwendigen Reparaturen vorzunehmen. "Das geht nur Stück für Stück, wir müssen um etwas Geduld bitten", sagte er.
Zusätzliches Personal stehe den Gemeinden für diese Aufgaben nicht zur Verfügung. Die meisten Kommunen würden die Arbeiten ihren Bauhöfen übertragen, andere würden auch Straßenbaufirmen beauftragen. Eine Schätzung, was die Beseitigung der Schäden kosten werde, könne er nicht abgeben, sagte Bülow.
Der ADAC nennt als Grund für die Schäden vor allem den häufigen Wechsel zwischen Plus- und Minusgraden. Dringe Regen- oder Schmelzwasser in Risse und vorgeschädigte Stellen der Fahrbahn ein, gefriere es und dehne sich aus. Der Asphalt werde von innen aufgesprengt. Beim nächsten Tauwetter entstünden so Hohlräume unter der Oberfläche, die durch den Verkehr eingedrückt werden, so bilden sich Schlaglöcher.
ADAC: Kurzfristige Reparaturen sind nicht nachhaltig
Besonders betroffen seien kommunale Straßen, die Schäden würden bundesweit in die Milliarden gehen. "Kurzfristige Reparaturen sind notwendig, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Mit Kosten von bis zu 200 Euro pro Schlagloch stellen sie jedoch keine nachhaltige Lösung dar", sagte ADAC-Sprecher Pregla. Ohne ein systematisches Erhaltungsmanagement werde jeder Winter die Probleme weiter verstärken.
In der Landeshauptstadt Kiel sind nach ADAC-Angaben 65 Prozent des 712 Kilometer langen Straßennetzes über 35 Jahre alt und ohne grundlegende Sanierung am Ende ihrer Lebensdauer. Ende 2024 habe der Sanierungsstau bei 549 Millionen Euro gelegen. "Selbst unter optimalen Bedingungen können jährlich nur etwa 18 Kilometer Straße grundhaft saniert werden. Der Substanzverfall schreitet damit schneller voran als die Erneuerung", sagt ADAC-Sprecher Pregla.
In Lübeck habe fast die Hälfte des 700 Kilometer umfassenden Straßennetzes einen hohen Sanierungsbedarf, bei einem Drittel werde er als dringend eingestuft. Auch hier habe der Winter die Lage verschärft. Fraglich sei, ob die von der Stadt Lübeck bekanntgegebenen Investitionen für die Sanierung der Straßen in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro fürs laufende Jahr ausreichen, so der ADAC.