Hamburg & Schleswig-HolsteinTHW Kiel in der Krise – Aufholjagd gegen Nasice nötig

Nach der Pleite in Wetzlar brauchen die "Zebras" dringend einen Heimsieg gegen die Kroaten aus Nasice. Gelingt die Aufholjagd, lebt die Chance auf einen Platz in der nächsten Champions League weiter.
Kiel (dpa/lno) - Nur ein Sieg aus den vergangenen fünf Partien, nur ein Punkt aus den beiden aufeinanderfolgenden Spielen gegen die Bundesliga-Kellerkinder SC DHfK Leipzig und HSG Wetzlar: Handball-Rekordmeister THW Kiel steckt in einer handfesten Krise - und steht vor einem richtungweisenden Heimspiel.
"Wir können den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken, müssen weitermachen", sagte Rechtsaußen Lukas Zerbe nach der 25:33-Klatsche am Samstagabend in Wetzlar. Etwas anderes bleibt den "Zebras" auch nicht. Schon am Dienstag (20.45 Uhr/Dyn) steht das Viertelfinal-Rückspiel in der European League bevor.
"Fans auf unsere Seite ziehen"
Dort müssen die Schützlinge gegen den kroatischen Vertreter RK Nexe Nasice den Drei-Tore-Rückstand aus dem 30:33 im ersten Duell aufholen, um sich für die Endrunde am letzten Mai-Wochenende in Hamburg zu qualifizieren. Nationalspieler Zerbe weiß, dass es dazu Unterstützung bedarf: "Wir wollen und müssen dann den ersten Schritt machen und unsere Fans auf unsere Seite ziehen. Wenn uns das gelingt, bin ich mir sicher, dass wir ins Final Four kommen."
Ein Erfolg im zweitwichtigsten Europapokal im europäischen Vereinshandball ist für den erfolgsverwöhnten THW die letzte Möglichkeit, Saison noch einigermaßen zu retten. Der Sieg am 31. Mai in Hamburg könnte mit einem Startplatz in der Champions League verbunden sein. Sollte der aktuelle Meister Füchse Berlin aber die Königsklasse gewinnen und Liga-Dritter bleiben, würde ein Titelgewinn in der European League dafür nicht genügen.
Aus in der European League könnte Konsequenzen haben
Ein Aus am Dienstag gegen Nasice oder wie im vergangenen Jahr im Halbfinale des Final Four könnte gravierende Konsequenzen haben. Wenn Pokalsieger Füchse Berlin sich als Sieger oder über die Liga erneut für die Champions League qualifiziert, rückt Abstiegskandidat Bergischer HC als Verlierer des nationalen Endspiels in das internationale Geschäft.
Gegen Wetzlar beklagte THW-Coach Jicha "eine Phase mit vielen technischen Fehlern, in der wir überhaupt nicht in den Rückzug kommen". Aus einem 2:3 machten die Mittelhessen innerhalb von zehn Minuten ein 10:3. Sicher hatte der THW personelle Probleme. Außer dem dauerverletzten Emil Madsen waren auch Elias Ellefsen á Skipagøtu, Eric Johansson und Nikola Bilyk nicht mit von der Partie. Dafür standen in Rasmus Ankermann (18 Jahre alt) und Johan Rohwer (19) zwei Jugend-Spieler im Kader. Doch wie schon in den Spielen gegen den VfL Gummersbach (26:34), den TVB Stuttgart (27:32) und den ThSV Eisenach (30:30) kam es zu einem phasenweise Totalzusammenbruch der Systeme.
Johansson gegen Nasice vielleicht wieder dabei
Für das Spiel gegen Nasice gibt es laut THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi ein "positives Fragezeichen", dass zumindest der Schwede Johansson in den Kader zurückkehrt. Und dass die "Zebras" Rückstände drehen können, haben sie schon mehrfach gezeigt. Zuletzt 2024, als nach einem Neun-Tore-Rückstand gegen Montpellier HB aus Frankreich mit einem großen Kampf und einem Zehn-Tore-Heimsieg doch noch der Einzug in der Final Four der Champions League gelang. Gegen die Kroaten müssen nur drei Treffer aufgeholt werden, um die Hoffnung auf einen versöhnlichen Saisonabschluss am Leben zu erhalten.