Hamburg & Schleswig-HolsteinWesthagemann: Hamburgs Industrie zu Gaseinsparungen bereit
Es kommt zwar wieder russisches Gas durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1. Aber wie lange und wie viel, ist ungewiss. Gaseinsparungen schaffen Sicherheit. Hamburgs Unternehmen könnten das im Notfall tun, sagt der Wirtschaftssenator.
Hamburg (dpa/lno) - Hamburgs große Industrieunternehmen sind zu deutlichen Gaseinsparungen bereit. In Gesprächen habe man ihm zugesagt, den Gasverbrauch im Notfall um ein Viertel zu drosseln, wenn die Versorgungslage dies erfordere, sagte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) am Donnerstag dem Sender NDR 90,3. Er sei positiv überrascht von der Bereitschaft "seitens der Industrie und der Wirtschaft, doch Einsparungen relativ schnell vornehmen zu können in Höhe von 25 Prozent." Wenn dies auch im privaten Sektor in diesem Umfang möglich wäre, "dann hätten wir eine größere Sicherheit falls die Gasliefermengen sich nicht so einstellen wie wir sie benötigen", sagte er.
Trotz des Wiederanlaufens der russischen Gaslieferungen über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 warnte die Handelskammer Hamburg vor Unsicherheiten. "Uns wurde - und wird - aber deutlich vor Augen geführt, wie unzuverlässig russische Gaslieferungen sind", sagte Vizepräses Astrid Nissen-Schmidt am Donnerstag. Sie forderte stärkere bundesweite Anstrengungen, Deutschlands Gasspeicher aus anderen Quellen zu befüllen. "Auch Hamburgs Senat ist gefragt, Lösungen für eine nachhaltige Energieversorgung des Standorts, ohne einseitige Abhängigkeit, zu finden und umzusetzen." Hamburgs Wirtschaft sei bereit, "durch Energiesparmaßnahmen den Gesamtbedarf zu senken".
Dies sei jedoch nicht überall möglich. "Niemand soll im Winter in seiner Wohnung frieren. Jedoch müssen wir uns im Klaren darüber sein, dass wegen Gasmangels stillgelegte Produktionen in bestimmten Industriezweigen nicht wieder angefahren werden und unwiederbringlich verloren sein können."