Hamburg & Schleswig-HolsteinZahl der Stromsperren erneut gestiegen

Wenn Rechnungen für Strom, Wasser oder Gas nicht bezahlt werden, drohen Sperren. Die Energiekosten sind hoch. Und die Zahl derer, denen der Saft abgedreht wird, steigt weiter.
Hamburg (dpa/lno) - Wegen unbezahlter Rechnungen ist Hamburger Haushalten im vergangenen Jahr 6.613 Mal der Strom abgestellt worden. Das geht aus einer Senatsantwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage der Linken in der Bürgerschaft hervor. Damit stieg die Zahl der Stromsperren zum Vorjahr um 468 oder knapp acht Prozent. 2024 war nach Senatsangaben säumigen Strombeziehern 6.145 Mal der Saft abgedreht worden.
Auch die Zahl der Wassersperren stieg 2025 deutlich: von 549 auf 804. Ebenso die Gassperren, die von 41 im Jahr 2024 auf 67 zulegten.
Linke: Zahl der Energiesperren äußerst alarmierend
Die sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Olga Fritzsche, sprach von äußerst alarmierenden Zahlen. Für die Betroffenen bedeuteten die Sperren einschneidende Maßnahmen: "Betroffene können nicht mehr kochen oder heizen, haben kein Warmwasser. Und wenn dann auch noch das Wasser abgestellt ist, kann man nicht mal duschen oder abwaschen - für die meisten von uns ist so eine Notlage unvorstellbar."
Sie verwies auf die weiterhin hohe Zahl der Mahnverfahren, die laut Senatsantwort 2025 allerdings von 369.399 auf 337.883 gesunken ist. Für viele Menschen bedeute ein solches Verfahren "den Beginn eines belastenden Schuldenkreislaufs", sagte Fritzsche. Sie forderte einen "Notfallfonds für Energieschuldner*innen ohne bürokratische Hürden und viel Schnickschnack".
Auch sei es wenig hilfreich, wenn Betroffene in Hamburg im Schnitt fast achtzig Tage auf einen Termin bei einer der anerkannten Schuldnerberatungsstellen warten müssten.
Jersch: Stromsperrenstatistik ist "Horror auf Wiedervorlage"
Der Energieexperte der Linken, Stephan Jersch, nannte die jährliche Statistik "Horror auf Wiedervorlage". Die Energieversorgung sei öffentliche Daseinsvorsorge. "Diese Zahlen zeigen, dass sich hier dringend etwas ändern muss: Energiesperren darf es nicht geben und dazu brauchen wir ein kostengünstiges Grundkontingent für die Energieversorgung."