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Hamburg & Schleswig-Holstein Zwei Dichter und eine Epoche: Barock bei Grass und Kehlmann

Die Fassade des Museums Günter-Grass-Haus ist zu sehen. Foto: Markus Scholz/Archivbild

(Foto: Markus Scholz/dpa)

Die Schriftsteller Grass und Kehlmann haben sich in ihren Werken mit der Barockzeit beschäftigt. In einer Ausstellung steht das Lübecker Grass-Haus beide Sichtweisen einander gegenüber. Dabei geht es vor allen Dingen um die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges.

Lübeck (dpa/lno) - Der Kampf um Glaube und Macht im Europa des 17. Jahrhunderts steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung, die von Montag an im Günter-Grass-Haus in Lübeck zu sehen ist. Unter dem Titel "Grass, Kehlmann und die Welt des Barocks" werden Günter Grass' Erzählung "Das Treffen in Telgte" und Daniel Kehlmanns Roman "Tyll" einander gegenüber gestellt.

"Die Ausstellung wagt einen Ritt durch die Jahrhunderte und führt die Besucher vom Dreißigjährigen Krieg über die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die Zeit des syrischen Bürgerkrieges", sagte Museumsleiter Jörg-Philipp Thomsa am Freitag. Deshalb sei neben Bildern des zerbombten Dresden 1945 und des im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten Magdeburg auch ein Foto der zerstörten syrischen Stadt Aleppo zu sehen.

Im Zentrum des Ausstellungsraumes steht ein barocke Tafel, auf der sich Blumen, Früchte, Alltagsgegenstände und erlegte Tiere zu einem üppigen Stillleben gruppieren. "Wie im Barock üblich finden sich hierin viele Anspielungen auf Vergänglichkeit und Tod, wie Insekten und Totenschädel", sagte Kuratorin Adeline Henzschel.

Historiker gehen von rund sechs Millionen Menschen aus, die in Deutschland durch den Dreißigjährigen Krieg und seine mittelbaren Folgen wie Hunger und Seuchen starben. Das entspricht etwa einem Drittel der damaligen Bevölkerung.

In seiner 1947 entstandenen Erzählung "Das Treffen in Telgte" lässt Grass Barockdichter wie Andreas Gryphius (1616-1664)und Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1621-1676) in dem kleinen Ort bei Osnabrück zusammentreffen. In Kehlmanns Roman "Tyll" zieht der Narr Tyll Ulenspiegel durch das vom Krieg verwüstete Land. Der Autor beschwört dabei das Bild eines schrecklich-schönen Welttheaters herauf, in dem jeder nur seine Rolle spielt.

Die Ausstellung zeigt unter anderem Originalmanuskripte beider Autoren und gibt Hintergrundinformationen zu den Werken und ihren Autoren. Eröffnet wird sie am Montag (19.30 Uhr) im Theater Lübeck. Kehlmann wird mit Thomsa über die Barockzeit und seinen Roman "Tyll" sprechen. Die Schauspielerin Christiane Paul wird aus "Das Treffen in Telgte" lesen.

Pressemitteilung der Lübecker Museen

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