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HessenFrühlingsboten: Störche starten in die neue Brutsaison

01.03.2026, 04:03 Uhr
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Mit dem Frühling beginnt in Hessen die Brutsaison der Störche – begleitet von lautem Klappern und Nestkämpfen. Warum immer mehr Vögel auch im Winter bleiben.

Wetzlar (dpa/lhe) - Der Frühling klopft in Hessen an - und mit ihm kehren die Störche in ihre Brutgebiete zurück. "Die Storchen-Saison ist eröffnet", sagte Bernd Petri, Ornithologe des Nabu Landesverband Hessen. Im März werde es hoch hergehen in der Storchenwelt. Denn die Vögel klapperten und kopulierten in den kommenden Wochen. Auch gebe es viele Nestkämpfe. "Störche sind häufig brutorttreu, jedoch keineswegs partnertreu", erläuterte Petri.

Im April beruhige sich die Lage. "Dann weiß jeder: Das ist mein Nest, das ist meine Partnerin oder mein Partner." Es folge eine ruhigere Phase, in der Eier gelegt und gebrütet werden. "Die Bebrütung dauert ungefähr einen Monat, das Aufziehen der Jungstörche dann noch einmal zwei Monate", erklärte der Experte. "Ab Anfang Juni werden die ersten Jungstörche ausfliegen, die letzten irgendwann im Juli."

Hunderte Störche blieben über Winter in Hessen

Rund 750 Weißstörche hätten in dieser Saison in Hessen überwintert, davon 500 am größten hessischen Überwinterungsplatz bei Büttelborn im Landkreis Groß-Gerau. "Im Vergleich zum Vorjahr gab es scheinbar keine Zunahme an Winterstörchen bei uns", sagte Petri. Im Laufe der vergangenen Jahre aber sei die Zahl der Tiere, die auch in der kalten Jahreszeit in Hessen bleiben, durchaus gestiegen.

"Das hat zum einen etwas mit den milderen Wintern zu tun, vor allem aber mit der Nahrungsverfügbarkeit", erläuterte Petri. Die Vögel nutzten als Nahrungsquelle zunehmend Bioabfall und Müll auf Deponien oder in Kompostierungsanlagen. Störche seien Nahrungsopportunisten. "Sie nehmen einfach das, was sie kriegen können und partizipieren an den Essensresten der Menschen." In der Folge zogen sie auf dem Weg in die Brutgebiete nicht mehr gen Süden, sondern häufig einfach von Deponie zu Deponie.

Dabei würden die Tiere auch Phasen, in denen sie nicht viel Futter finden, ohne Probleme überstehen. "Der Storch muss nicht jeden Tag fressen. Er kann auch mal hungern für ein paar Tage. Das ist kein Problem", sagte Petri. Auf keinen Fall sollte man die Vögel füttern. Auch Kälte und Schnee könnten den Störchen nichts anhaben. "Das macht ihnen gar nichts. Sie haben ja einen sehr guten natürlichen Daunenmantel."

Zahl der Störche in Hessen steigt stetig

Der Bestand an Störchen in Hessen nimmt stetig zu. So gab es laut Petri im vergangenen Jahr 1.563 Brutpaare. "Das war eine Zunahme von 164 Brutpaaren im Vergleich zum Jahr 2024 mit 1.399 Brutpaaren." In den vergangenen 30 Jahren sei eine jährliche Zuwachsrate von 10 bis 20 Prozent zu verzeichnen gewesen. Topgebiet sei das hessische Ried. Auch die Radenhäuser Lache bei Kirchhain zähle zu den Hauptbrutgebieten.

Mit einer Anzahl von 7,4 Vögeln auf 100 Quadratkilometern hat Hessen laut Petri die höchste Storchendichte in ganz Deutschland. Die mit Abstand meisten Brutpaare leben dem Experten zufolge im Landkreis Groß-Gerau (406), gefolgt vom Wetteraukreis (243) und dem Main-Kinzig-Kreis (184).

Störche nisten gern auf Strommasten

Die wachsende Zahl der Störche bringe aber auch Probleme mit sich, erklärte Petri. So bauten die Vögel ihre Nester zunehmend auf Strommasten. "Besonders in Südhessen nisten sehr viele Störche auf Hochspannungsmasten. Das führt zu Millionenschäden."

Das Nistverhalten der Vögel könne zu Stromausfällen führen, wenn sich etwa überhängendes Nistmaterial entzündet. Und für die Störche selbst stellten Stromleitungen eine erhebliche Gefahr dar. Durch Stromschläge oder Kollisionen würden häufig Tiere zu Tode kommen.

Quelle: dpa

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