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HessenHessen will Kinder besser vor häuslicher Gewalt schützen

07.01.2026, 04:02 Uhr
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Geschlagen, vergewaltigt, getötet – die Zahlen häuslicher Gewalt erschrecken. Meist sind Frauen und Kinder die Opfer. Wie will Hessen ihnen mehr helfen?

Wiesbaden (dpa/lhe) - Angesichts gestiegener Zahlen von registrierten Kindeswohlgefährdungen will Hessen seine jüngsten Bürgerinnen und Bürger mehr vor häuslicher Gewalt schützen. Auch die Bemühungen, Frauen vor Schlägen ihrer Partner oder Ex-Partner zu bewahren, sollen weitergehen.

"Häusliche Gewalt betrifft in unserem Land leider oft Mütter mit Kindern", teilte Justizminister Christian Heinz (CDU) der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden mit. "Wer einmal zuschlägt, der kann es immer wieder tun und schreckt vielleicht auch nicht vor den eigenen Kindern zurück. Wir müssen die Kinder aus den Gewalträumen herausholen."

Weniger Kontakt zum eigenen Kind nach Handgreiflichkeiten?

Daher habe Hessen in die Justizministerkonferenz eine einstimmig angenommene Initiative eingebracht, "die vorsieht, dass Elternteile mit Konsequenzen im Sorge- und Umgangsrecht rechnen müssen, wenn sie handgreiflich werden", erklärte Heinz.

Wegen der besonderen Belastungen von Kindern vor Gericht habe er Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) in einem Schreiben an eine andere frühere hessische Initiative in der Justizministerkonferenz erinnert. Die Ressortchefs hätten demnach ebenfalls einstimmig gefordert, auf die obligatorische zweite Anhörung von Kindern in familiengerichtlichen Beschwerdeverfahren zu verzichten. Darauf dringe auch der Deutsche Richterbund. Minister Heinz betonte: "Kinder sind leider viel zu oft in schlimmen Situationen, die ihren kleinen Seelen schaden."

Gerichtsort weiter weg vom Wohnort?

Er wolle den Schutz von Kindern und Frauen vor häuslicher Gewalt zudem mit einer weiteren Bundesratsinitiative ergänzen. Danach solle in familiengerichtlichen Verfahren etwa der Gerichtsort zugunsten der Opfer frei gewählt werden können, damit der Wohnort für den Täter unklar bleibe.

Überdies wolle er sich im Bundesrat für Verfahrenserleichterungen einsetzen, damit Kinder und Frauen möglichst gar nicht mit Gewalttätern in Kontakt treten müssten. "Der Rechtsstaat muss alles dafür tun, die Opfer und potenziellen Opfer vor Gewalt zu schützen", mahnte Justizminister Heinz.

2024 hatten Hessens Jugendämter 6.620 Kindeswohlgefährdungen registriert - sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Laut dem Statistischen Landesamt hatte die Zahl dieser aktenkundigen Fälle damit seit Beginn ihrer Erhebung 2012 kontinuierlich zugenommen. Für 2025 sind noch keine Gesamtzahlen bekannt.

Justizminister betont Erfolge der elektronischen Fußfessel

Heinz verwies auch auf die Erfolge der elektronischen Fußfessel nach dem spanischen Modell zum Schutz vor häuslicher Gewalt. Seit ihrem ersten Einsatz vor einem Jahr in Hessen sei hier kein Übergriff mehr bekanntgeworden.

Dabei erhalten neben den Gewalttätern auch gefährdete Frauen - freiwillig - einen Tracker. Nähern sich Aggressor und Opfer einander, wird ein mehrstufiger Alarm ausgelöst. Zudem hat das Opfergerät einen Panikknopf.

Im November 2025 hat auch das Bundeskabinett einen entsprechenden deutschlandweiten Gesetzentwurf beschlossen - auf Basis einer hessischen Bundesratsinitiative.

Erste Catcalling-Beauftragte

Obendrein verwies Heinz auf die seinem Ministerium zufolge bundesweit erste Beauftragte für die Verfolgung von Catcalling-Straftaten bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Gemeint ist damit etwa sexuell anzügliches Rufen oder Gestikulieren gegenüber Frauen.

"Jeder in unserem Land kann sich sicher sein: Wir werden Frauen auf allen Ebenen vor Gewalt und Übergriffen schützen", betonte der Justizminister. Mitte 2026 "werden wir gemeinsam mit der Catcalling-Beauftragten eine erste Bilanz ziehen und nötigenfalls weitere Maßnahmen ergreifen".

Quelle: dpa

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