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HessenHitze setzt Kommunen unter Druck - mehr kühle Zufluchtsorte?

30.06.2026, 15:04 Uhr
Die-Anpassung-an-Hitzewellen-ist-zur-wichtigen-Aufgabe-fuer-Hessens-Kommunen-geworden

Wetterextreme wie die Rekordhitze der vergangenen Woche stellen Hessens Kommunen vor Herausforderungen. Welche Maßnahmen jetzt diskutiert werden.

Mühlheim/Main/Frankfurt/Gießen (dpa/lhe) - Straßenschäden, mancherorts Wassermangel und Rettungsdienste teils am Limit - die Rekordhitze hat Hessens Städte und Gemeinden auf die Belastungsprobe gestellt. Auch wenn sich Land und Kommunen mit Hitzeaktionsplänen rüsten, haben die Extrem-Temperaturen gezeigt, dass die Zeit drängt. Was hat die Hitzewelle offengelegt - und welche Lösungen werden diskutiert?

Notunterkünfte im Gespräch

"Hitze in diesem Ausmaß ist ein Stresstest für viele Teile kommunaler Infrastruktur", erklärte der Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, David Rauber. Neben Schäden an Straßen und Brücken verwies er auch auf Belastungen für Beschäftigte und Kunden in kommunalen Einrichtungen - von Kitas über Büchereien bis hin zu den Rathäusern.

Insgesamt seien die Kommunen "den Umständen entsprechend gut" durch die Hitze gekommen, erklärte Rauber. Zugleich werde geprüft, was zusätzlich zur Anpassung an Hitzewellen nötig sei. Dazu gehörten Überlegungen, mehr kühle Aufenthaltsorte als eine Art Notunterkünfte zu schaffen.

"Das ersetzt aber nicht die Eigenverantwortung der Leute, auf sich aufzupassen, viel zu trinken oder von Arbeitgebern, Einrichtungen und Unternehmen, Belastungen durch Hitze in ihren Einrichtungen möglichst gering zu halten", so Rauber.

Risiko von Vegetationsbränden ein Fokus

Auch die Gefahr von Vegetationsbränden steige und sei ein Thema für die Kommunen. Hier sei die Vorsorge gestärkt worden, erklärte Rauber. Auch Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) mahnte, anhaltende Hitze und Trockenheit ließen die Gefahr von Wald- und Vegetationsbränden deutlich steigen.

"Entscheidend ist, dass unsere Kommunen und ihre Feuerwehren bestmöglich ausgestattet sind", so Poseck. Das Land Hessen unterstütze sie deshalb mit erheblichen Mitteln. Allein über die Brandschutzförderung seien das im vergangenen Jahr mehr als 21 Millionen Euro gewesen.

Notfallrettung in Frankfurt "im Ausnahmezustand"

In Frankfurt hatte die Notfallrettung am Hitze-Wochenende deutlich mehr zu tun und schon vorab Kapazitäten erhöht. Am Samstag und Sonntag seien jeweils mehr als 500 Rettungsdiensteinsätze angefallen, sagte Direktor Markus Röck von der Branddirektion. "Im Durchschnitt verzeichnen wir rund 350 Rettungsdiensteinsätze pro Tag."

Auch am Montag lagen die Zahlen demnach über dem, was man mit vorgeplanten Einsatzkräften leisten könne. Es sei gelungen, die hohen Zahlen in Kooperation bestmöglich aufzufangen. "Aber wir müssen es ganz deutlich sagen: Die Notfallrettung ist im Ausnahmezustand." Technisch und personell komme man derzeit an Grenzen.

Und wie blickt man auf künftige Hitzewellen? Natürlich ziehe man Schlüsse aus diesem Wochenende, sagte eine Sprecherin. Die Stadt versuche, möglichst gut zu planen und etwa mehr Einsatzwagen vorzuhalten. Aber man appelliere auch an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger. "Sie können uns helfen, indem sie gut auf sich achten, indem genug getrunken wird, indem aktiv kühle Orte aufgesucht werden."

Zudem solle der Notruf wirklich nur in lebensbedrohlichen Notfällen gewählt werden. Von der Stadt Frankfurt hieß es auf Anfrage mit Blick auf das Ziel einer klimaresilienten Stadt: "Aus der aktuellen Hitzewelle nehmen wir vor allem mit, dass Umsetzungsgeschwindigkeit und räumliche Priorisierung noch wichtiger werden."

Straßenschäden auch in Gießen

Auch in Gießen kam es durch die Hitze zu Straßenschäden, wie ein Sprecher sagte. Die Stadt hatte beim Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe wie Rüsselsheim und Hanau eine Rote Karte bekommen. Nennenswerte Brände seien nicht bekannt; zu medizinischen Notfällen könne er nichts sagen.

Gießen mit seinen fünf Stadtteilen sei dicht besiedelt und kompakt bebaut und stehe auch deshalb weniger günstig im Hitze-Check da als andere Städte. Für Abkühlung sorgten in der Innenstadt mehrere Trinkwasserbrunnen, die rege genutzt würden und auch Menschen ohne festen Wohnsitz zur Verfügung stünden. Ein "Cooler Stadtplan" weise zudem auf kühle Orte hin - vom Botanischen Garten bis zu bestimmten Kirchen.

Frischluftzufuhr nicht zubauen

Zum Hitzeschutz dient auch das Pflanzen von Bäumen - diese würden bei der Gestaltung kommunaler Straßen bereits seit Jahrzehnten mitgedacht, erklärte Rauber. "Straßenbegleitgrün heißt das schon lange im Bürokratendeutsch. Ich denke schon, dass Städte und Gemeinden in Hessen oder auch Deutschland da schon länger mehr tun als in vielen anderen europäischen Ländern."

Beim Wohnungsbau sieht Rauber Zielkonflikte. In vielen Kommunen gebe es Nachfrage nach Wohnungen. Lange sei die Antwort darauf Nachverdichtung gewesen - also Aufstockung bestehender Gebäude oder Bauen in zweiter Reihe. Das gehe im Zweifel zulasten von Grün, etwa wenn Gärten bebaut würden.

Nachverdichten könne also durchaus zulasten von Licht und Luft im Bestand gehen und zur Aufheizung der Innenstädte beitragen, sagte Rauber. "Von daher ist nicht gesagt, dass die Erweiterung von Ortschaften um Baugebiete immer falsch ist, denn nicht selten wird so die Hitzeinsel Innenstadt zumindest nicht noch heißer." Entscheidend sei, dass die Frischluftzufuhr in bebauten Bereichen nicht zugebaut werde.

Quelle: dpa

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