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HessenInsulin gespritzt? Pfleger wegen versuchten Mordes angeklagt

19.06.2026, 13:32 Uhr
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(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Sechs Heimbewohner erleiden einen gefährlichen Blutzuckerabfall. Verantwortlich soll ein ehemaliger Pfleger sein. Der Mann schweigt zu den Vorwürfen - jetzt ist Anklage gegen ihn erhoben worden.

Bad Vilbel/Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Er soll mehreren Bewohnern eines Pflegeheims im Wetteraukreis ohne medizinische Notwendigkeit Insulin gespritzt und sie so in Gefahr gebracht haben - jetzt ist Anklage gegen einen 38-jährigen ehemaligen Pfleger erhoben worden. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wirft dem Mann versuchten Mord, versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Der Fall weckt Erinnerungen an ähnliche Taten in der Vergangenheit.

Insgesamt werden dem Deutschen aus dem Wetteraukreis sechs Taten zur Last gelegt, die er zwischen Juli und September 2025 begangen haben soll. Dabei soll er vier Heimbewohnerinnen im Alter zwischen damals 83 und 86 Jahren sowie einem 88-jährigen Bewohner ohne medizinische Indikation Insulin verabreicht haben.

Das führte laut Staatsanwaltschaft bei den Opfern zu einem Abfall des Blutzuckers. "Die Verabreichung von Insulin an eine gesunde Person ohne exogenen Insulinbedarf kann als potenziell lebensbedrohlich eingeschätzt werden", erklärte die Staatsanwaltschaft.

Beschuldigter hat sich bislang nicht geäußert

Die Vorfälle, die sich alle in einem Pflegeheim in Bad Vilbel abgespielt haben sollen, waren nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft über eine Ärztin aufgedeckt worden. Zunächst war die Staatsanwaltschaft von zwei weiblichen Opfern im Alter von seinerzeit 84 Jahren ausgegangen, doch bestand bereits damals der Verdacht, dass der Beschuldigte durch eine "unsachgemäße Behandlung" für weitere Vorfälle verantwortlich sein könnte, wie es seinerzeit von der Behörde hieß.

Zur Motivlage des Mannes könnten derzeit keine Angaben gemacht werden - auch weil der 38-Jährige zu den Vorwürfen schweigt. Die Anklageschrift gegen ihn umfasst 42 Seiten. Zu seiner Person und zur Frage, ob der Mann vorbestraft ist, machte der Sprecher keine Angaben.

Ein Opfer war demenzkrank

In vier Fällen soll der Angeschuldigte nach der Gabe von Insulin selbst den Notruf gewählt haben, sodass eine ärztliche Versorgung der Betroffenen erfolgen konnte. Daher wirft ihm die Staatsanwaltschaft hier gefährliche Körperverletzung vor. In zwei weiteren Fällen, in denen er das nicht tat, steht der Vorwurf eines versuchten Tötungsdelikts im Raum.

In einem Fall könnte es sich laut Staatsanwaltschaft um einen versuchten Mord aus Heimtücke handeln, denn eine 84 Jahre alte Frau sei wegen einer Demenzerkrankung arg- und wehrlos gewesen. Das habe der Mann bewusst ausgenutzt.

Der 38-Jährige war im vergangenen September in seiner Wohnung im Wetteraukreis festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Nun muss das Frankfurter Landgericht entscheiden, ob es zum Prozess kommt.

Immer wieder schwerwiegende Fälle in Deutschland

Delikte, bei denen Pfleger Patientinnen und Patienten in Lebensgefahr gebracht oder sogar getötet haben, gab es in Deutschland in der Vergangenheit immer wieder. Zuletzt sorgte etwa der Fall eines Pflegers für Erschütterung, der im November vergangenen Jahres in Aachen wegen zehnfachen Mordes verurteilt wurde.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Mann während seiner Nachtschichten in einer Klinik in Würselen schwer kranken Menschen eigenmächtig überhöhte Mengen an Beruhigungsmitteln verabreicht - teils in Kombination mit Schmerzmitteln und teilweise auch mehrfach. Auslöser sollen ein persönliches Störgefühl und eine eigene Vorstellung von Ordnung gewesen sein.

Der Pfleger selbst hatte die Vorwürfe im Prozess zurückgewiesen. Er habe keine Medikamente mit dem Ziel verabreicht, Leben zu verkürzen, hatte er in einer Aussage erklärt. Wie die Staatsanwaltschaft Aachen Anfang dieses Jahres bekanntgab, laufen gegen den Mann zudem neue Ermittlungen wegen einer hohen Zahl weiterer "Verdachtsfälle".

Quelle: dpa

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