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HessenKaisers Dackelmantel im Museum – Original oder Fälschung?

11.02.2026, 16:20 Uhr
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(Foto: Nicole Schippers/dpa)

Eine Hundedecke mit Goldsaum und Spitzentasche spaltet die Gemüter. Gehörte sie wirklich zum Inventar von Kaiser Wilhelm II.? In Kassel darf jeder miträtseln, woher der Mantel wirklich stammt.

Kassel (dpa/lhe) - Ist es des Kaisers Lieblingsdackel Mantel, oder nicht? Dieser Frage können jetzt Besucher des Hessischen Landesmuseums in Kassel nachspüren. Dort befasst sich die Kabinettausstellung "Erdmann oder Fakeman?" mit der Frage, ob ein angeblicher Mantel des Dachshundes Erdmann, dessen Herrchen Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) war, Original oder Fälschung ist.

Die Landesinstitution Hessen Kassel Heritage (HKH) hatte das umstrittene Exponat im Jahr 2020 - damals noch als sogenannte Museumslandschaft Hessen Kassel - für 4.500 Euro erworben. Doch dann wurden Zweifel an der Echtheit der dunkelblauen Dackeldecke mit goldenem Saum, aufgesticktem Namen "Erdmann" und aufgenähtem Spitzentuch laut.

Und im vergangenen Jahr führte der Bund der Steuerzahler Hessen das Stück in seinem sogenannten Schwarzbuch als Beispiel für Steuergeldverschwendung auf. Es gebe kaum Belege dafür, dass der Mantel vom Kaiserdackel Erdmann stamme, argumentierte er.

Erdmann starb 1901 in Kassel

Der Teckel starb nach Angaben der HKH 1901 in Kassel. Kaiser Wilhelm II. nutzte das in der nordhessischen Stadt gelegene Schloss Wilhelmshöhe regelmäßig als Sommerresidenz. Im Bergpark Wilhelmshöhe, heute Unesco-Weltkulturerbe, ließ er einen Gedenkstein mit der Inschrift "Andenken an meinen treuen Dachshund Erdmann 1890 - 1901 W. II." aufstellen. So viel steht fest. Fraglich aber ist, ob Erdmann den in Rede stehenden Mantel tatsächlich je getragen hat und ob das Textil wirklich aus kaiserlichem Besitz ist.

Der Vorwurf, dass es sich um eine Fälschung handelt, sei Anlass für die Ausstellung gewesen, sagte der kommissarische Leiter der HKH, Justus Lange. "Wir breiten all das aus, was wir zu dem Objekt sagen können", erklärte er. In der Ausstellung werde den Fragen nach Herkunft, Materialität und Entwicklung der Ereignisse auf den Grund gegangen.

"Es sind viele Fragen offen, die können wir auch nicht alle beantworten", räumte Lange ein. "Aber wir geben einiges an Futter und Informationen und laden die Besucherinnen und Besucher ein, sich selbst ein Bild zu machen."

Mantel ist älteren Ursprungs

Dabei soll unter anderem die Einschätzung von Expertinnen und Experten helfen, die zurate gezogen wurde. "Vom kunsttechnologischen Befund her, von den verwendeten Materialien und den Techniken der Stickerei her deutet demnach alles auf eine Entstehungszeit um das Jahr 1900 hin", führte Verena Suchy, Kuratorin der Ausstellung, aus. Eine wichtige Erkenntnis daraus sei schon einmal, dass der Mantel also nicht in jüngster Vergangenheit in fälscherischer Absicht zusammengestückelt worden sei.

Zudem zeige die Decke Gebrauchsspuren auf der Innenseite. Es deute einiges darauf hin, dass der Mantel tatsächlich von einem Hund getragen worden sei. "Das beantwortet aber natürlich noch nicht die Frage, ob wirklich des Kaisers Erdmann in dem Mantel steckte oder vielleicht ein anderer Hund namens Erdmann", betonte Suchy.

Bis zum 12. April können die Besucher am Ende selbst entscheiden, was es mit dem tierischen Textil auf sich hat. Sie sind aufgefordert abzustimmen: Ist es der kaiserliche Dackelmantel, ein Dackelmantel eines anderen Erdmann oder eine moderne Fälschung?

Quelle: dpa

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