HessenKonflikt zwischen Radfahrern und Fußgängern: Helfen Verbote?

Man könne sich oft nicht mehr in Ruhe bewegen, sagt der Fußgängerverband über die Situation in Frankfurter Parks. Wie sehen Radfahrer das? Und wie könnte eine Lösung aussehen?
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Radfahrer auf dem Bürgersteig, Radfahrer in der Fußgängerzone, Radfahrer im Park: Es wird mehr geradelt als früher - auch an Stellen, an denen viele Menschen zu Fuß unterwegs sind. Der Fußgängerverband Fuss e.V. in Frankfurt beklagt deswegen, es sei inzwischen häufig unmöglich, ungestört zu Fuß zu gehen. Der Verband fordert eine Beschränkung des Radverkehrs.
"Grünanlagen müssen dem Fußverkehr vorbehalten sein", heißt es in einem Papier mit Forderungen Vereins an die Stadtpolitik. In großen Parks könnten zum Durchqueren in Ausnahmefällen einzelne Wege für den Radverkehr freigegeben werden - der Fußverkehr müsse aber Vorrang haben und Radfahren müsse rücksichtsvoll und im Fußverkehrstempo erfolgen. Vorzugsweise müssten für Radfahrer separate Wege ausgeschildert werden.
Fußgänger an den Rand gedrängt
"Die Radfahrer meinen, die Mitte der Wege gehöre ihnen und am Rand können die Fußgänger gehen", beschreibt Markus Schmidt vom Fuss e.V. Hessen die Situation. Wenn hier nichts anderes helfe, dann müsse es Verbote geben.
Ein Fußgänger nehme deutlich weniger Platz ein als ein Radfahrer und solle daher Vorrang haben. Dies sehe die Satzung für die Frankfurter Grünanlagen auch vor, Konsequenzen daraus gebe es aber nicht.
Verstöße seien sehr häufig, Fußgänger und Fußgängerinnen wüssten zudem nicht um ihre Rechte. Das gelte auch für Fußgängerzonen. Vor allem ältere Menschen litten unter der Situation, da sie fürchteten, zu stürzen.
Fahrradverband gegen Verbote
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hält Verbote nicht für sinnvoll. "Grünanlagen sind zum Radfahren natürlich auch deswegen beliebt, weil da keine Autos fahren", sagt der Geschäftsführer des ADFC Hessen, Sofrony Riedmann. Parks hätten auch für Radfahrer und Radfahrerinnen eine Erholungsfunktion, Eltern wollten dort mit ihren kleinen Kindern Rad fahren.
Um Konflikte mit Fußgängern und Fußgängerinnen zu vermeiden, müssten geeignete Routen für Radfahrer ausgewiesen werden. In Grünanlagen müsse es bestimmte Wege geben, auf denen geradelt werden könne - oder Alternativrouten um Parks und Fußgängerzonen herum.
"Wenn man gute Alternativen hat, dann reduziert man die Konflikte sehr stark", sagt Riedmann. Denn Radfahrer und Radfahrerinnen, die zügig vorankommen wollten, würden dann nicht den Weg zwischen spazierenden Menschen hindurch wählen.
Kommunen müssten auch darauf achten, dass es keine Lücken in Radwegen gebe, sonst könnten Konflikte auf Gehwegen entstehen, wenn Radfahrer und Radfahrerinnen dorthin ausweichen - was allerdings nicht erlaubt sei.
Gründe fürs Gehwegradeln
Auch die Frankfurter Mobilitätsforscherin Monika Pentenrieder sagt, um Konflikte zu vermeiden, seien ausreichend geeignete Radwege nötig. Gehwegradeln etwa komme zustande, weil unklar sei, wo geradelt werden solle oder weil Radwege fehlten.
Radfahrer wollten zudem möglichst ohne Unterbrechung von A nach B kommen. "Daher fahren sie vielleicht ein Stück über den Gehweg, wenn das schneller geht, als an der Ampel zu warten."
Studien zur Mobilität zeigten einen starken Anstieg beim Zufußgehen, das Rad als Verkehrsmittel sei aber ebenfalls weiterhin sehr beliebt. "Daher ist vielleicht jetzt etwas mehr Druck auf den Rad- und Gehwegen", sagt die Frankfurter Forscherin.
Wo wollen die Städte hin?
Konsequenz müsse sein, mehr Platz zu schaffen - "und da auch beim Auto anzusetzen und den Platz umzuwidmen", sagt Pentenrieder. "Das ist für die Städte nun die Frage, wo sie hin wollen in Sachen Mobilität."
Wenn mehr Radwege geschaffen werden, komme das auch dem Fußverkehr zugute: Gebe es einen gut ausgebauten Radweg um einen Park herum, würden die schnellen Radler sicher diesen nutzen, anstelle durch die Grünanlage zu fahren.
Anliegen von Fußgängern werden mehr beachtet
Städte nähmen bei ihrer Verkehrsplanung zunehmend auch die Perspektive der Fußgänger ein. "Dass in Frankfurt eine Fußverkehrsbeauftragte eingesetzt wurde, ist zu begrüßen. Das ist auch in anderen Städten so, dass jetzt explizit Menschen für den Fußverkehr eingesetzt werden", sagt die Forscherin. Dies sei auch sinnvoll: "Fußverkehr ist die Basismobilität, jeder ist Fußgänger, und sei es auf dem Weg zum Auto."
Die Stadt Frankfurt teilte auf Anfrage mit, man nehme Konflikte zwischen Rad- und Fußverkehr sehr ernst. Wann immer möglich, würden getrennte Wege eingerichtet. Der öffentliche Raum sei allerdings begrenzt. Ein gutes Miteinander könne deshalb auch einmal bedeuten, vom Rad abzusteigen und ein Stück zu schieben.