HessenMehr häusliche Gewalt und mehr Sexualstraftaten in Hessen

Die Zahl der Straftaten ist in Hessen gesunken, in manchen Bereichen hat es jedoch Anstiege gegeben. Der Innenminister spricht von Licht und Schatten. Was zeigt die Kriminalstatistik 2025 im Detail?
Wiesbaden (dpa/lhe) - Die Gewalt hinter Wohnungstüren und die Zahl der Sexualstraftaten haben in Hessen zugenommen. Auch bei der Gewalt gegen Einsatzkräfte und der Zahl der Straftaten gegen Politiker hat es einen Anstieg gegeben. Insgesamt ist die Kriminalität aber rückläufig, wie Innenminister Roman Poseck (CDU) in Wiesbaden bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 mitteilte. Diese trifft noch keine Aussage über Verurteilungen - manche Fälle können nicht aufgeklärt werden oder enden mit Freisprüchen. Poseck sprach insgesamt von viel Licht und viel Schatten.
376.981 Straftaten wurden im vergangenen Jahr gezählt. Das waren 2,9 Prozent weniger als 2024. Die Aufklärungsquote sank leicht um 0,8 Prozentpunkte auf 61,1 Prozent. Poseck betonte knapp zwei Wochen vor den Kommunalwahlen am 15. März: "Hessen ist und bleibt auch im Ländervergleich ein sehr sicheres Bundesland."
"Häusliche Gewalt ist kein privates Problem"
Bei der häuslichen Gewalt gab es 2025 gleichwohl einen Anstieg um 11 Prozent auf 13.189 Fälle. "Häusliche Gewalt ist kein privates Problem, sondern ein schwerwiegendes Unrecht", sagte der Innenminister. Er verwies auf den erweiterten Einsatz etwa von elektronischen Fußfesseln für Täter und von mehr Videokameras im öffentlichen Raum. Vermutlich hätten die verstärkten Maßnahmen auch mehr betroffene Frauen zu Anzeigen ermutigt.
Die Zahl der Sexualstraftaten in Hessen erhöhte sich um 9 Prozent auf 10.973 Fälle. Als "besonders besorgniserregend" wertete das Innenministerium dabei den Anstieg der Zahl der Vergewaltigungsdelikte um 20,3 Prozent auf 1.143. In 75 Prozent dieser Fälle hatte es bereits eine Vorbeziehung zwischen Opfer und Tatverdächtigem gegeben. Ein Drittel der Verdächtigen stammt laut Landespolizeipräsident Felix Paschek "sogar aus der eigenen Familie".
Die Zahl der versuchten und vollendeten Femizide, also der Tötungen von Frauen, weil sie Frauen waren, bezifferte Innenminister Poseck mit 29 im Jahr 2025 in Hessen. Neun Frauen wurden getötet.
Mehr als 1600 Razzien
Während Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung von Kinderpornografie 2025 in Hessen laut Statistik leicht rückläufig waren, gab es bei den sexuellen Missbrauchsdelikten von Kindern einen Anstieg um 24,5 Prozent auf 1.341 Fälle. Hier habe eine verstärkte Sensibilisierung für dieses Thema zu "einer gesteigerten Anzeigenbereitschaft geführt", erklärte das Innenministerium. 2025 habe es bei dieser Art von Kriminalität mehr als 1.600 Durchsuchungen gegeben: "Dabei wurden mehr als 48 Haftbefehle vollstreckt, knapp 900 Beschuldigte erkennungsdienstlich behandelt und über 15.000 Datenträger sichergestellt."
Aggressionen gegenüber Politikern: Straftaten mehr als verdoppelt
5.303 Polizistinnen und Polizisten in Hessen wurden im Jahr 2025 als Opfer von Gewalt registriert - 246 mehr als im Vorjahr. Bei den Rettungsdiensten stieg die Zahl der Opfer um 13 auf 181 - und bei den Feuerwehren um 8 auf 23.
Zu den Angriffen gegen Politiker teilte das Innenministerium mit, die Zahl der Straftaten gegen Mandatsträger habe sich 2025 im Vorjahresvergleich mit einem Anstieg um 107,9 Prozent auf 994 Fälle mehr als verdoppelt. Meist handelte es sich um Beleidigungen, üble Nachreden und Verleumdungen. Es gab aber auch zehn Gewaltdelikte.
Die meisten Opfer waren AfD-Politiker, gefolgt von Kollegen aus CDU, Grünen und SPD. Dem Innenminister zufolge zeigt sich hier, dass sich Teile der politischen Lager "immer unversöhnlicher und auch gewaltbereiter gegenüberstehen". Das Innenministerium hatte kürzlich mit Blick auf die Kommunalwahlen am 15. März eine "Sensibilisierungsveranstaltung" für Lokalpolitiker angeboten.
Mehr politische Kriminalität
2025 nahm somit auch die politisch motivierte Kriminalität in Hessen zu. Die Zahl der Straftaten stieg laut Statistik im Vergleich zu 2024 um 25,1 Prozent auf 5.556. Besonders groß war hier der Zuwachs linksextremer Straftaten um fast 180 Prozent auf 876. Poseck betonte gleichwohl, dass Rechtsextremismus "die größte Gefahr für unsere Demokratie" bleibe. Hier gab es einen Anstieg um 3,8 Prozent auf 2.467 Straftaten - ein Jahresrekord in Hessen.
Ein Rückgang zeigte sich 2025 bei der Straßenkriminalität - sie sank um 3,6 Prozent auf 63.077 Fälle. Poseck verwies auf die im Februar 2024 gestartete Innenstadtoffensive mit verstärkter Polizeipräsenz, Waffenverbotszonen und mehr Videokameras in den Zentren großer Städte in Hessen.
Erfolgreich war laut Innenministerium die sogenannte Allianz Geldautomaten, ein Zusammenschluss von Banken, Politik und Polizei, der bei Geldinstituten etwa für mehr Videoüberwachung, Nebeltechnik und Einfärbesysteme für Geldscheine sorgte. Die Zahl der Sprengungen von Geldautomaten fiel von 24 Fällen im Jahr 2024 auf nur sechs Attacken 2025.
Weniger Jugendkriminalität
Die Jugendkriminalität sank um 11,8 Prozent auf 37.257 Fälle - der niedrigste Wert seit Beginn ihrer digitalen Erfassung 2001. Hierzu trugen laut Ministerium die Häuser des Jugendrechts mit Polizei, Staatsanwaltschaft und Experten unter einem Dach sowie Präventionsprogramme bei.
Auch die Ausländerkriminalität ging zurück. "2023 und 2024 gab es in Hessen mehr nichtdeutsche Tatverdächtige als deutsche Tatverdächtige", erklärte das Innenministerium. "2025 hat sich dieser Trend wieder umgekehrt." Minister Poseck sagte: "Hier wird auch deutlich, dass die Migrationswende wirkt." Die Flüchtlingszahlen seien gesunken, die Zahlen der Abschiebungen und freiwilligen Ausreisen gestiegen.
Kriminalität als buchbare Dienstleistung
Steigerungen gab es in Hessen bei den Fallzahlen von antisemitischen Straftaten, Wohnungseinbrüchen und Cybercrime. Die Organisierte Kriminalität blieb konstant - allerdings mit zunehmenden buchbaren Dienstleistungen ("violence as a service"). Beispielsweise konnten nach den Angaben junge ausländische Auftragstäter für Brand- und Sprengstoffanschläge zur Einschüchterung von Konkurrenzbanden angeworben werden. Rückgänge registrierte die Polizei bei der Rauschgiftkriminalität - vor allem wegen der Teillegalisierung des Cannabis-Konsums 2024.