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HessenMehr Deutschkurse - Hessen baut Sprachförderung aus

06.03.2026, 14:36 Uhr
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40 Millionen Euro überwiegend aus Mitteln der EU stehen für mehr Deutschkurse zur Verfügung. Wer ist die Zielgruppe und was soll damit erreicht werden?

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Mehr Kurse, mehr Träger, bessere Kinderbetreuung: Einwanderer sollen in Hessen einen leichteren Zugang zu Sprachförderung erhalten. Dazu wurde ein neues Förderprogramm mit dem Titel "Sprachkurse Deutsch4U" aufgelegt. Finanziert wird es hauptsächlich aus EU-Mitteln.

Was ist neu bei dem Förderprogramm?

Zur bisherigen Landesförderung von rund 4 Millionen Euro sind nun 36 Millionen Euro EU-Mittel hinzugekommen. Konkret stammt das Geld aus dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF). Das damit 40 Millionen Euro schwere Programm läuft bis Ende Februar 2028.

Das Land konnte dadurch die Zahl der Träger, die die Kurse ausrichten, um 15 auf 83 erhöhen. Es werden auch mehr Kurse angeboten. Mehr Geld steht auch für Kinderbetreuung zur Verfügung. "Damit ermöglichen wir insbesondere Frauen, an den Kursen teilnehmen zu können", sagt die hessische Integrationsministerin Heike Hofmann (SPD).

Was sollen die Sprachkurse erreichen?

Inhaltlich soll es um die spezifischen Bedürfnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gehen: etwa Alltagssituationen zu meistern, Gespräche beim Arzt oder in der Schule, oder Formulare auszufüllen. Auf einem höheren Level können Bewerbungsgespräche geübt werden. Wer eine Deutschprüfung nicht bestanden hat, kann teilnehmen, um sich auf die Wiederholung vorzubereiten.

Teilnehmer eines Kurses des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Frankfurt sagen, sie seien froh, dass sie dank des hessischen Angebots auf dem Niveau B1 weiterüben können. Ohne Sprache sei es sehr schwer, eine Arbeit zu finden, sagt etwa ein Mann aus dem Iran. Er wolle im Büro arbeiten, daher sei es für ihn sehr wichtig, nicht nur sprechen und verstehen, sondern auch korrekt auf Deutsch schreiben zu können.

Welchen Umfang hat das Angebot?

Die Förderung begann bereits vergangenen September, erste Zahlen zeigen, dass es deutlich mehr Kurse gibt: Von Anfang September bis Jahresende nahmen laut Ministerium an 290 Kursen mehr als 4.200 Menschen teil. Beim Vorgängerprogramm waren es im gesamten Jahr 2024 insgesamt 498 Kurse mit 6.717 Teilnehmenden. Zwischen März 2026 und Februar 2027 sind 785 Kurse mit insgesamt 11.000 Teilnehmenden geplant.

Für wen sind die Kurse gedacht?

Teilnehmen können Menschen, die nicht aus der EU stammen und eine Aufenthaltserlaubnis von mindestens einem Jahr besitzen. Ukrainerinnen und Ukrainer können ebenfalls mitmachen, ebenso wie Menschen mit Visum zur Arbeitsplatzsuche als Fachkraft.

Die Kurse sollen das bestehende Angebot etwa an Integrationskursen ergänzen und Menschen erreichen, die darüber hinaus Förderung brauchen. Sie richten sich beispielsweise an Menschen, die auf einen Integrationskurs vorbereitet werden müssten oder einen solchen nicht bestanden oder abgebrochen hätten, erläutert die Ministerin.

Die EU-Förderung sorgt allerdings den Angaben zufolge dafür, dass die Zahl der Berechtigten im hessischen Programm kleiner wurde: EU-Bürger beispielsweise können nun nicht mehr teilnehmen, ebenso Menschen mit einer Duldung in Deutschland.

Gibt es einen Zusammenhang zu Kürzungen auf Bundesebene?

Der Bund finanziert die Integrationskurse, in denen es ebenfalls um Spracherwerb geht, aber auch um die deutsche Geschichte und Kultur. Der Kreis der Menschen, der die Kurse kostenlos besuchen kann, ist auch hier zuletzt eingeschränkt worden: Nur noch Menschen mit "positiver Bleibeperspektive" sollen auf staatliche Kosten teilnehmen können, wie das Bundesinnenministerium unter Minister Alexander Dobrindt (CSU) beschlossen hat.

Die hessische Ministerin ruft den Bund auf, nicht nachzulassen bei der Förderung trotz schwieriger Haushaltslage. Das hessische Förderprogramm sei weit vor der Entscheidung des Bundes beantragt und bewilligt worden, daher bestehe kein Zusammenhang.

Wie sind die Reaktionen auf das Sprachprogramm?

Die Ausweitung des hessischen Programms sei grundsätzlich zu begrüßen, wie Timmo Scherenberg sagt, Geschäftsführer der Hessischen Flüchtlingsrats. Doch dürften nicht die Menschen ausgeschlossen werden, die nun auch keinen Zugang zu den Integrationskursen mehr hätten - etwa Asylsuchende, deren Verfahren noch laufe. Denn dies könne Jahre dauern.

Scherenberg nannte zudem Menschen, die mit einer Duldung in Deutschland lebten. Auch sie bräuchten Deutschkurse. Dass sie teilnehmen dürfen, sei der große Pluspunkt an den bisherigen Deutsch4U-Kursen gewesen.

Dies betont auch Lea Rosenberg vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Dass es mehr Kurse in Hessen gebe, sei zu begrüßen. Das dürfe jedoch kein Argument dafür sein, dass der Bund auf seinen Kürzungen bei den Integrationskursen bestehe.

Quelle: dpa

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