HessenMehr Platz für Bundeswehr - Pläne in Hessen noch unkonkret

Die Bundeswehr will sich vergrößern - deshalb wird die zivile Nutzung vieler einstiger Militärflächen ausgesetzt. Wie sich das konkret auf betroffene Standorte in Hessen auswirkt, ist noch unklar.
Hanau/Wetzlar/Stadtallendorf (dpa/lhe) - Gut zwei Monate nach Ankündigung des Stopps einer zivilen Nutzung bestimmter ehemaliger Militärflächen auch in Hessen sind die Pläne noch wenig konkret. In mehreren betroffenen Kommunen ist bislang wenig über die genauen Auswirkungen der Pläne bekannt, wie Anfragen der Deutschen Presse-Agentur ergaben.
So hieß es in Stadtallendorf im Landkreis Marburg-Biedenkopf, ein neuer Stand sei bisher nicht bekannt. In der mittelhessischen Stadt soll der Umwandlungsstopp nach früheren Angaben für örtliche ehemalige Flächen für Munitionsdepots und Kraftstoffe der Bundeswehr gelten, für die ursprünglich eine industrielle Nutzung ins Auge gefasst war.
Auch in Wetzlar, wo es nach früheren Angaben um Flächen geht, die direkt im Besitz der Bundeswehr sind und die zurzeit an Dritte vermietet oder verpachtet seien, gibt es nach Angaben eines Stadtsprechers keine neuen Informationen. Es sei unbekannt, um welche Flächen es genau geht und wie groß diese sind.
Bundeswehr hat Planungen noch nicht abgeschlossen
Ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr erklärte, die Planungen seien noch nicht abgeschlossen, so dass zum jetzigen Zeitpunkt keine konkreteren Aussagen zu einzelnen Standorten getroffen werden können. Er bekräftigte, dass die Bundeswehr deutschlandweit insgesamt 200 Liegenschaften als sogenannte "strategische Liegenschaftsreserve" identifiziert habe.
Darunter sind 187 ehemalige militärische Liegenschaften, die sich im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) befinden sowie 13 weitere Liegenschaften, die die Bundeswehr noch betreibt. "Diese 200 Liegenschaften werden nun detailliert geprüft und dabei werden Länder und Kommunen eng mit eingebunden", so der Sprecher. Das bedeute aber nicht, "dass alle 200 Liegenschaften auch tatsächlich in die "strategische Liegenschaftsreserve" beziehungsweise in die Nutzung durch die Bundeswehr überführt werden". Details zur Umsetzung des Moratoriums werde man zu gegebenem Zeitpunkt bekanntgeben.
Kommunen zeigten Verständnis
In Hessen war der Ende Oktober 2025 bekanntgegebene Schritt vielerorts auf Verständnis gestoßen. "In Anbetracht des (russischen) Angriffskrieges auf die Ukraine ist die Entscheidung der Bundeswehr mehr als nachvollziehbar", hatte etwa die hiervon betroffene Bürgermeisterin von Neuental im Schwalm-Eder-Kreis, Sandra Bischoff, mitgeteilt. Ihre nordhessische Gemeinde und der "Patenschaftsverein Siebenbürgen Rumänien" nutzen nach ihren Worten eine ehemalige örtliche Immobilie der Bundeswehr bislang teils als Lagerfläche.
Unklarheit über Zukunft von Hanauer Kaserne
Verständnis für die Entscheidung aus Berlin hatte damals auch Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) geäußert: Eine wachsende Bundeswehr brauche mehr Raum - auch wenn das auf Kosten eines einstigen Militärgeländes in seiner Stadt geschehe, das schon für eine zivile Nutzung vorgesehen war. "Ob und wenn ja, wie und wann die Underwood-Kaserne im Stadtteil Großauheim wieder in eine militärische Nutzung von der Bundeswehr aufgenommen werden könnte, wissen wir Stand jetzt nicht", teilte die Stadt jetzt mit.
Das Bundesverteidigungsministerium habe den Standort besichtigt, hieß es weiter. "Wir gehen davon aus, dass die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft, die mit dem Main-Kinzig-Kreis bis 2028 vertraglich geregelt ist, beibehalten werden kann und danach eine gewerbliche oder ähnliche Nutzung nicht mehr in Betracht kommt."
Hessens Innen- und Heimatschutzminister Roman Poseck (CDU) hatte nach Bekanntwerden der Pläne ebenfalls Verständnis gezeigt: "Unsere Werte, Frieden und Freiheit sind keine Selbstverständlichkeit mehr und stehen weltweit unter Druck", erklärte er. Kriege und Krisen machten dies deutlich. Daher sei der Ausbau der Streitkräfte unerlässlich. "Die Bundeswehr ist ein Garant für unsere nationale Sicherheit", so Poseck. Für die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit seien passende Liegenschaften nötig. Zugleich betont der hessische Heimatschutzminister: "Gleichwohl müssen alle Beteiligten in den Prozess eingebunden und die Interessen der Kommunen berücksichtigt werden."