HessenMehr als 2.600 Einsendungen für Kür zum "Unwort des Jahres"

Welcher Begriff wird "Unwort des Jahres" 2025? Eine Jury wählt aus mehr als 2.600 Einsendungen aus. Die Kür wirft auch dieses Mal ein Schlaglicht auf die politischen Debatten des Jahres.
Marburg (dpa/lhe) - "Asylwende", "Deal", "Stadtbild" - diese und andere Begriffe haben interessierte Bürger für die Wahl zum "Unwort des Jahres" 2025 vorgeschlagen. Mehr als 2.600 Einsendungen sind für die sprachkritische Aktion dieses Mal eingegangen, aus denen eine Jury aus vier Sprachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern sowie einer Journalistin einen aus ihrer Sicht besonders kritischen Begriff auswählt. Bekanntgegeben wird das "Unwort" am Dienstag (13. Januar).
Die vorgeschlagenen Begriffe stammten auch dieses Mal aus politischen Debatten des Jahres, wie Jury-Sprecherin Constanze Spieß von der Marburger Philipps-Universität Marburg auf Anfrage erklärte: Neben außenpolitischen Entwicklungen, etwa im Ukraine-Krieg, in den USA sowie im Gaza-Konflikt, seien auch Themen aus zahlreichen anderen Politikfeldern vertreten gewesen - von der Migrations-, Sozial- und Wirtschaftspolitik über die Innen- bis hin zur Klimapolitik.
"Asylwende", "Deal", "Stadtbild" - die "Unwort"-Vorschläge
Bereits zuvor hatte die Aktion bekanntgegeben, dass "Asylwende" sowie der von US-Präsident Donald Trump häufig genutzte Ausdruck "Deal" zu den eingesandten Vorschlägen gehörten. Hinzu kommt der Begriff "Drecksarbeit", den Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einem TV-Interview benutzt hatte, als Israel zwölf Tage lang Krieg gegen den Iran geführt und mit den USA zentrale Atomanlagen bombardiert hatte.
Auch den ebenfalls vorgeschlagenen Ausdruck "Stadtbild" hatte der Kanzler verwendet: Im Oktober sagte er, die Bundesregierung korrigiere frühere Versäumnisse in der Migrationspolitik und mache Fortschritte, "aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem". Wer gemeint war, blieb zunächst offen. Später konkretisierte er, Probleme machten jene Migranten, die keinen dauerhaften Aufenthaltsstatus hätten, nicht arbeiteten und sich nicht an die in Deutschland geltende Regeln hielten.
Kür seit 1991
Mit mehr als 2.600 gingen bis Fristende nicht so viele Einsendungen für die "Unwort"-Kür ein wie 2024, als 3.172 Einsendungen zusammengekommen waren. Das "Unwort des Jahres" wird seit 1991 bestimmt. Interessierte können dafür jeweils bis zum Ende eines Jahres Vorschläge einreichen.
Infrage kommen Formulierungen, die aus Sicht der Jury gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind. Mit der Aktion soll für einen angemessenen Umgang mit Sprache sensibilisiert werden.
Bei der Entscheidung kommt es jeweils nicht darauf an, wie häufig ein Wort vorgeschlagen wurde, sondern ob die Kriterien der nach eigenen Angaben institutionell unabhängigen und ehrenamtlich arbeitenden Jury den "Unwort"-Status begründen. Für 2024 war "Biodeutsch" zum "Unwort des Jahres" gekürt worden. Erstes "Unwort des Jahres" war 1991 "ausländerfrei".
Jury betont Notwendigkeit der Aktion
Aus Sicht der Jury zeigte sich auch im vergangenen Jahr, "dass der Gebrauch menschenunwürdiger, diskriminierender oder euphemistischer Ausdrucksweisen in öffentlichen Diskursen nicht nachlässt". Es brauche zivilgesellschaftliche Anstrengungen, um gegen menschenunwürdige und antidemokratische Sprechweisen, verbale Diskriminierung und Irreführung einzutreten, dies sei immer Ziel der Aktion gewesen.
"KI-Ära" zuvor zum "Wort des Jahres" gekürt
Am 5. Dezember hatte die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden den Begriff "KI-Ära" zum "Wort des Jahres" 2025 gekürt. Den zweiten Platz belegte das häufig von US-Präsident Trump genutzte Wort "Deal" vor "Land gegen Frieden" auf dem dritten Platz. Dieser Ausdruck steht für die Forderung, dass die Ukraine Gebietsverluste an Russland akzeptieren muss, um einen Friedensvertrag zu erreichen.
Beim "Wort des Jahres" geht es um Begriffe, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Deutschland nach Ansicht der Jury in einem Jahr sprachlich besonders bestimmt haben.