HessenSparpläne bei VW: Sorge und Protest im Werk Baunatal

IG Metall und Betriebsrat fordern vom VW-Vorstand eine klare Zukunftsstrategie – die Beschäftigten in Baunatal zeigen sich angesichts neuer Sparpläne zunehmend besorgt und wütend.
Baunatal (dpa/lhe) - Die erneuten Sparpläne des Volkswagen-Vorstands lösen auch im Werk Kassel-Baunatal Besorgnis, Wut und Proteste aus. Vor der Aufsichtsratssitzung zu möglichen Einschnitten bei dem VW-Konzern haben die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat des Werkes im Landkreis Kassel eine außerordentliche Vollversammlung abgehalten. Am frühen Nachmittag etwa versammelten sich nach IG-Metall-Angaben etwa 200 Vertrauensleute, Betriebsräte und Mitarbeiter vor dem Werkstor.
"Die Stimmung im Werk ist sehr angespannt", sagte der Betriebsratsvorsitzende Carsten Büchling am Rande der Veranstaltung. "Viele machen sich Sorgen und sind wütend mittlerweile auf dieses Management, auf diesen Vorstand, weil es keine ordentlichen Informationen gibt."
Schlüssige Zukunftsstrategie statt Sparprogramm gefordert
Die Kommunikation des Konzernvorstands sei ein Desaster. Zudem werde erneut versucht, Standorte gegeneinander auszuspielen, rief Büchling den Teilnehmern zu. Das müsse ein Ende haben. "Im Vordergrund steht, vereint für unsere Zukunft zu kämpfen." Man stehe solidarisch an der Seite aller Kolleginnen und Kollegen, deren Standorte aktuell infrage gestellt würden. "Wir kämpfen, falls es nötig ist, und zwar mit allem, was dann dazugehört", kündigte er an.
"Wir erwarten vom Konzernvorstand eine schlüssige Zukunftsstrategie statt Sparprogramm", erklärte Büchling. "Und wir erwarten auch, dass diese Zukunftsstrategie als allererstes uns als Betroffenen und als den Belegschaften erklärt wird und wieder nicht nur alles über Medien durchgestochen wird und dann nicht dementiert wird, nicht bestätigt wird. Das ist eine Katastrophe, wie in den letzten Wochen kommuniziert wurde, und zwar zu unseren Lasten."
Respekt für Beschäftigte und deren Arbeit
"Wir erwarten von den Vorständen und Managern: Schluss mit dem Kahlschlag in Deutschland. Zukunftsprodukte in deutsche Werke. Langer Atem statt schneller Profit. Mensch statt Marge", sagte der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Nordhessen, Dennis Schindehütte. "Wir fordern Respekt für unsere Arbeit. Wir fordern Respekt vor den Beschäftigten. Wir fordern Respekt vor den Familien, deren Zukunft an diesen Arbeitsplätzen hier hängen."
Büchling erklärte vor der Kundgebung, Medienberichte, denen zufolge der VW-Vorstand planen könnte, die Komponententochter des Konzerns in eine eigene Gesellschaft auszulagern, schürten die Ängste im Werk Baunatal zusätzlich. Das würde auch das Komponenten-Werk in Baunatal betreffen. "Das bringt uns natürlich in eine sehr, sehr unsichere Situation", sagte er. "Für uns wäre das eine absolute Schwächung in Bezug auf unsere der Durchsetzungsfähigkeit in der Zukunft. Und da muss man auch davon ausgehen, dass die Anzahl der Arbeitsplätze hier drastisch reduziert werden könnte."
Mit etwa 15.000 Mitarbeitern ist das VW-Werk Kassel-Baunatal im Landkreis Kassel das weltgrößte Komponentenwerk des Volkswagen-Konzerns. In dem einzigen VW-Werk in Hessen werden weite Teile des elektrischen Antriebsstrangs hergestellt.
Bundesweite Informations- und Protestveranstaltungen
Anlässlich der neuen Sparpläne hatte die Gewerkschaft IG Metall an allen VW-Standorten bundesweit zu dem Aktionstag aufgerufen. Laut IG Metall handelt es sich nicht um einen Arbeitskampf, sondern um Informations- oder Protestveranstaltungen.
Mit den Protesten reagiert die Gewerkschaft auf jüngste Berichte über verschärfte Sparpläne des Konzerns. Laut "Manager Magazin" will VW seinen Sparkurs deutlich verschärfen: Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht demnach sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.