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HessenUhu-Weibchen bricht Brut ab - keine neuen Küken in Marburg

19.05.2026, 11:55 Uhr
Die-Hoffnungen-auf-erneuten-Nachwuchs-im-Uhu-Nistkasten-der-Marburger-Elisabethkirche-haben-sich-zerschlagen

Im Nistkasten der Marburger Elisabethkirche gibt es dieses Jahr doch keinen weiteren Uhu-Nachwuchs. Warum Weibchen "Lisbeth" die Brut aufgegeben hat und was Fachleute dazu sagen.

Marburg (dpa/lhe) - Die Hoffnung der Uhu-Fangemeinde auf weiteren Nachwuchs im Nistkasten der Marburger Elisabethkirche hat sich zerschlagen: Uhu-Weibchen "Lisbeth" habe die Bebrütung der beiden Eier in den vergangenen Tagen aufgegeben, teilte der Naturschutzbund (Nabu) Marburg mit. Weiterer Nachwuchs sei damit in diesem Jahr nicht mehr erwartbar.

Tausende Interessierte hatten bereits die erste, aus drei flaumigen Küken bestehende Brut des Uhu-Paars über eine Live-Kamera verfolgt. So war auch sichtbar geworden, dass Uhu-Männchen "Hugo" schon bald nicht mehr am Nistkasten erschien, um die kleinen Vögel mit Futter zu versorgen - den Küken drohte der Hungertod.

Sie wurden aus dem Nistkasten geholt und in eine spezialisierte Wildvogel-Aufzuchtstation gebracht. Dort entwickeln sich die kleinen Uhus namens "Juhu 1", "Juhu 2" und "Juhu 3" gut, in einigen Monaten sollen sie ausgewildert werden.

Ungewöhnliches Verhalten von Uhu-Weibchen

Schon bald darauf hatte sich eine neue Brut angekündigt, nachdem "Lisbeth" sich mit einem - mutmaßlich neuen - Partner zusammengetan und vor einigen Wochen zwei weitere Eier gelegt hatte.

Doch am 14. Mai habe "Lisbeth" dann ein ungewöhnliches Verhalten an den Tag gelegt: Sie habe eines der beiden Eier intensiv mit ihrem Schnabel bearbeitet, es anschließend aus dem Kasten transportiert und offenbar "entsorgt", hieß es in der Mitteilung. "Fachleute gehen davon aus, dass Uhu-Weibchen über feine Wahrnehmungen erkennen können, ob sich Embryonen im Ei normal entwickeln oder ob Fehlentwicklungen vorliegen." Dieses Verhalten ist laut Nabu bereits in früheren Beobachtungen dokumentiert und gilt als natürlicher Bestandteil der Brutpflege.

Zwei Tage später habe sich dann angedeutet, dass auch das zweite Ei nicht mehr erfolgreich ausgebrütet werde. Über mehrere Stunden habe "Lisbeth" bei nächtlichen Temperaturen um sechs Grad das Gelege sich selbst überlassen und sich am Tag darauf überwiegend neben dem Ei aufgehalten, anstatt es weiter zu wärmen.

Gentests sollen Identität der Eltern-Tiere klären

Die Projektverantwortlichen halten es für wahrscheinlich, dass sich die Embryonen in den Eiern nicht erfolgreich entwickelt haben. "Uhu-Eltern verlassen ein Gelege in der Regel dann, wenn Eier unbefruchtet sind oder die Entwicklung der Jungvögel im Ei zum Stillstand gekommen ist", so der Nabu.

Über genetische Proben aus Federn und dem hinterlassenen Ei solle nun einerseits die Identität des an der zweiten Brut beteiligten Uhu-Männchens geklärt werden. Außerdem soll so der Nachweis geliefert werden, dass es in der Tat "Lisbeth" war, die nach dem Verlust der ersten kleinen Uhus das Nachgelege produziert hatte - "ein Verhalten, das beim Uhu bislang zwar stets vermutet, aber noch nicht sauber dokumentiert wurde", hieß es.

Uhu-Stream bleibt live

Weil die Hoffnung bestehe, dass das Uhu-Weibchen den Nistkasten weiterhin als Ruhe- und Aufenthaltsplatz nutzt, werde die Übertragung trotz des Brut-Abbruchs vorerst weiterhin online bleiben.

In Vorbereitung sei zudem eine zweite Live-Kamera, die auf einem Institutsgebäude der Marburger Philipps-Universität installiert werden und einen Überblick über das Geschehen im "Lebensraum Kirchturm" bieten soll. Neben Uhus sollen sich darüber beispielsweise auch Dohlen und Fledermäuse beobachten lassen.

Quelle: dpa

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