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Hessen"Wie eine Zeitkapsel" - Kelten-Gräber in Nidderau entdeckt

30.06.2026, 13:17 Uhr
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Archäologen stoßen in Nidderau auf acht keltische Gräber mit reichen Beigaben aus der Eisenzeit. Sie könnten spannende Erkenntnisse über das Leben der Menschen vor 2.400 Jahren liefern.

Nidderau (dpa/lhe) - Eine archäologische Entdeckung in Nidderau bietet neue Einblicke in die faszinierende Welt der Kelten: Bei den Vorbereitungen für die Erweiterung eines Gewerbegebiets ist dort ein keltisches Gräberfeld entdeckt worden. Der Kreisarchäologe des Main-Kinzig-Kreises, Claus Bergmann, stellte die Funde vor Ort an der Grabungsstätte vor - derzeit werden dort noch zwei der insgesamt acht rund 2.400 Jahre alten Bestattungen freigelegt. Von den Funden versprechen sich die Wissenschaftler vor allem Erkenntnisse über das soziale Leben der Menschen in jener Zeit.

Hintergrund der Entdeckung waren archäologische "Routinegrabungen" als Vorbereitung für die Baumaßnahmen. Da es in der Nachbarschaft bereits bekannte archäologische Fundstellen gibt – so auch direkt in Nidderau ein weiteres bekanntes Gräberfeld – war der künftigen Bebauung nach Angaben des Landkreises nur unter der Auflage vorheriger archäologischer Ausgrabungen zugestimmt worden.

Bronzeschmuck, Lanze und Schwert

Tatsächlich entdeckten die Fachleute zu Beginn der Untersuchungen einige Vorratsgruben und Spuren ehemaliger Holzhäuser aus dem 8. Jahrhundert vor Christus, also der beginnenden Eisenzeit. Dies sei angesichts der Vielzahl vergleichbarer Denkmäler im Rhein-Main-Gebiet noch kein ungewöhnliches Ergebnis gewesen.

Erst vor wenigen Tagen und kurz vor dem eigentlich geplanten Grabungsende kamen dann die reich ausgestatteten Gräber ans Licht. Die Experten vermuten, dass es sich um mehrere Frauengräber handelt. Sie enthielten kostbaren Schmuck aus Bronze. "Vor allen Dingen ein Grab stach heraus: Dem wohl männlichen Verstorbenen hatte man neben einem Gefäß auch Schmuck, eine Lanze und ein Schwert mitgegeben", hieß es in einer Mitteilung.

Für die Fachleute sind solche Funde immer wieder ein besonderer Moment, wie Kreisarchäologe Bergmann beschrieb. Eine solche Bestattung freizulegen sei wie ein Blick in eine "Zeitkapsel" - man komme der bestatteten Person bei dieser Arbeit sehr nah und frage sich natürlich, wie es ihr zu Lebzeiten ging und wie genau sie gelebt habe. Für die in dem Gräberfeld in Nidderau begrabenen Menschen nehmen die Archäologen anhand der reichen Beigaben von einem gewissen Wohlstand aus.

Bergung im Block

Größtenteils wurden die Bestattungen in Blöcken geborgen. Dabei handele es sich um ein heute übliches Vorgehen, sobald die Fachleute den Eindruck haben, dass Fundstätten besonders wertvolle Gegenstände oder organische Reste wie Textil- oder Lederfasern enthalten könnten, erläuterte der für den Main-Kinzig-Kreis zuständige Bezirksarchäologe Hardy Prison. Mit der Blockbergung werde die Arbeit in die Werkstatt verlagert und könne so unter kontrollierten Bedingungen stattfinden – das nehme auch den bei Bauprojekten üblichen Zeitdruck.

Hessenweit gibt es zwar laut Prison einige vergleichbare Grabfelder, doch die jetzt in Nidderau gefundenen Gräber wiesen relativ reiche Beigaben auf. "Das ist jetzt nicht das Niveau des Glaubergs, der Fürsten vom Glauberg, aber das ist etwas darunter sozusagen angesiedelt und hilft uns dann auch wieder natürlich mehr über die Sozialstruktur und die Lebensweise dieser Zeit zu erfahren", so Prison. Am etwa 20 Kilometer entfernten Glauberg im Wetteraukreis war vor 30 Jahren die weltberühmte Sandstein-Statue eines Keltenfürsten entdeckt worden. Der Fund gilt als archäologische Sensation.

Zeitgenossen des Keltenfürsten vom Glauberg?

Einige der in Nidderau beerdigten Personen könnten nach Einschätzung der Fachleute noch zur selben Zeit wie der Keltenfürst vom Glauberg gelebt haben. Das Gräberfeld werfe Fragen etwa danach auf, wie die Menschen seinerzeit außerhalb des von Nidderau etwa 20 Kilometer entfernten Glaubergs lebten und welches Verhältnis zu der dort ansässigen keltischen Elite bestand.

Um die Epoche zu verstehen, bedürfe es auch der Untersuchung weiterer, vielleicht nicht so reich ausgestatteter Gräber. "Mit der Entdeckung des Friedhofs von Nidderau ist die Archäologie der Kelten in Hessen wieder einen wichtigen Schritt weitergekommen", hieß es in der Mitteilung.

Gleich mehrere Funde in den vergangenen Wochen

Erst Mitte Juni war im Museum Keltenwelt ein rund 2.700 Jahre alter bronzener Armring präsentiert worden, den eine zwölfjährige Schülerin zufällig an einer Wiese im Büdinger Stadtteil Aulendiebach entdeckt hatte. Über die Schule des Mädchens fand dieser schließlich den Weg in das Museum. Zuvor hatte hessenArchäologie den erstmaligen Fund eines keltischen Fürstengrabs im Taunus bekannt gemacht. Dieses wurde bei archäologischen Erkundungen im Zuge von Bauarbeiten für einen Solarpark nahe Bad Camberg entdeckt.

Quelle: dpa

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