HessenWindmühle hat nach 200 Jahren wieder Flügel

Nach rund 200 Jahren Stillstand sollen sich die Flügel der Windmühle am Gradierbau IV in Bad Nauheim wieder drehen. Wie das aufwendige Projekt umgesetzt wurde.
Bad Nauheim (dpa/lhe) - Ein historisches und zugleich neues Wahrzeichen prägt wieder die Silhouette Bad Nauheims: Die Windmühle am Gradierbau IV hat neue Flügel erhalten. Mit Hilfe eines Autokrans wurden diese erfolgreich an dem Bauwerk montiert, wie Frank Mörler vom Verein Wind- und Wasserkunst Bad Nauheim sagte. Pünktlich zum Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag (26. Mai) soll sich die Windmühle dann offiziell wieder drehen und geschichts- und technikbegeisterte Besucher anlocken.
Der Verein hatte sich in den vergangenen zehn Jahren für den Wiederaufbau der Mühle starkgemacht. Die bisherigen Kosten für das Projekt belaufen sich nach den Worten Mörlers auf gut eine Million Euro und sind ausschließlich über Spenden und eine Zuwendung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz finanziert worden.
Verein arbeitete zehn Jahre auf das große Ereignis hin
Mörler bezeichnete die Montage als einen "Zweijahrhundertmoment": Bei einem Orkan im Jahr 1824 sei die damalige Windmühle zerstört und zwei Jahre später die Flügel entfernt worden – übrig blieb der Mühlenturm.
Nun hat das Bauwerk eine Konstruktion aus zwei massiven, 20 Meter langen und eineinhalb Tonnen schweren Metallruten aus sogenanntem Cortenstahl – einem wetterfesten Baustahl – erhalten sowie ein von einer Tischlerei eigens angefertigtes Holzgitterwerk.
Bis diesen Donnerstag erfolge nun die Endmontage, danach erfolge nachmittags noch eine Schulung, bei der die Teilnehmenden zu "Windkunstmeistern" ausgebildet werden.
Bei zu starkem Wind wird Mühle gebremst
In Zeiten des Klimawandels, der teils auch starke Gewitter und Sturm mit sich bringt, haben die Initiatoren auch die Stabilität der Windmühle im Blick. Ab Windstärke vier werde es kritisch, sagte Mörler, deshalb werde die Mühle in solchen Fällen vorher abgebremst und vorübergehend stillgelegt.
Einst diente die Mühle dazu, die Sole (also salzhaltiges Wasser) in das Gradierwerk zu pumpen, das ursprünglich der Salzgewinnung diente. Künftig soll sie vor allem für Demonstrationszwecke dienen. Geplant sind Führungen sowie eine Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Mittelhessen. Vielleicht ergebe sich auch eine Nutzung für die durch die Windmühle erzeugte Energie - der Verein sei offen für entsprechende Ideen.