Mecklenburg-VorpommernBürgermeisterwahlen in MV Dämpfer für AfD

Taugen vier Bürgermeisterwahlen ein knappes halbes Jahr vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern als Stimmungstest? Ein Wissenschaftler meint: durchaus.
Schwerin (dpa/mv) - Die AfD ist nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Wolfgang Muno der große Verlierer der Wahlen zum Oberbürgermeister von Schwerin und zu den Bürgermeistern von Wismar, Anklam und Ueckermünde. "Durch Umfragen und zuletzt durch Wahlerfolge verwöhnt, ist die angekündigte große blaue Welle für die Rechtsaußenpartei bei den Bürgermeisterwahlen in vier Städten im Nordosten ausgeblieben", sagte Muno nach dem Wahlsonntag.
"Die Kandidaten der Partei haben es nicht in die Stichwahl in Schwerin geschafft, auch nicht in Ueckermünde, in Anklam krachend verloren." In Wismar kam die AfD-Kandidatin Manuela Medrow zwar in die Stichwahl, aber mit über 20 Prozentpunkten Rückstand auf den SPD-Kandidaten Frank Junge. "Das ist schon mehr als deutlich", so der Wissenschaftler von der Universität Rostock. "Die Chancen in der Stichwahl sind sehr gering."
"AfD zumindest in Städten nicht mehrheitsfähig"
Es zeige sich, dass die AfD zumindest in Städten nicht mehrheitsfähig sei und zudem keine Kandidaten gehabt habe, die mobilisieren konnten. Die Ergebnisse wertet er als Dämpfer für die AfD vor der Landtagswahl am 20. September.
In der Landeshauptstadt herrscht vielfach Erleichterung, dass die AfD-Kandidatin Petra Federau den Einzug in die Stichwahl verpasst hat. Sie landete knapp auf Platz drei. Am 26. April treffen nun der CDU-Kandidat Sebastian Ehlers und die SPD-Politikerin Mandy Pfeifer aufeinander. Pfeifer ist auch Kandidatin der Linken.
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) schrieb noch am Wahlabend auf Instagram: "Schwerin hat sich gegen die AfD entschieden." Mit Blick auf die Stichwahl in zwei Wochen rief sie zur Wahl von Pfeifer auf - sie sei die "kompetenteste, erfahrenste und ehrlichste Bewerberin".
"Schwache AfD-Kandidatin in Schwerin"
Von einem durchwachsenen Ergebnis für seine Partei sprach der AfD-Landesvorsitzende und Schwesig-Herausforderer zur Landtagswahl, Leif-Erik Holm. Man habe sich mehr erhofft, selbst angesichts der Tatsache, dass es für die AfD in größeren Städten "etwas schwieriger" sei, teilte er mit. Medrows Einzug in die Stichwahl in Wismar nannte er "sehr erfreulich". In einer Pressekonferenz zum 100-Tage-Landesprogramm seiner Partei sagte Holm am Montag in Schwerin, Bürgermeisterwahlen und Landtagswahlen könnten nicht miteinander verglichen werden. Bei Bürgermeisterwahlen gehe es stark um Personen.
Nach Munos Einschätzung hatte die AfD mit der Landtagsabgeordneten Petra Federau eine schwache Kandidatin ins Rennen geschickt. Bei der OB-Wahl 2023 in Schwerin war Holm angetreten - und hatte es prompt in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Rico Badenschier (SPD) geschafft.
Größere Chance für Holm
Der Politikwissenschaftler ist überzeugt, dass Holm zumindest gute Chancen gehabt hätte, wieder die Stichwahl zu erreichen. "Aber er hat die Kandidatur anscheinend gescheut und bleibt lieber in Berlin, ohne Verantwortung in der Opposition." Leif-Erik Holm ist Bundestagsabgeordneter.
Auch bei der Landtagswahl am 20. September tritt Holm lediglich als Direktkandidat im Schweriner Wahlkreis von Manuela Schwesig an. Er steht nicht auf der Landesliste der AfD. Er bleibt also in Berlin, wenn er in der direkten Auseinandersetzung gegen die Ministerpräsidentin unterliegt.
Katrin Sass wirbt für CDU-Kandidat
Die CDU feierte den Ausgang der ersten Wahlrunde. Der Landesvorsitzende Daniel Peters, der ebenfalls im Herbst bei der Landtagswahl Ministerpräsidentin Schwesig herausfordert, erklärte: "Das Ergebnis zeigt, dass die CDU in großen Städten ausgesprochen erfolgreich sein kann." Es sei Zeit für einen politischen Wechsel an der Stadtspitze. Für Ehlers hatte sich vor der ersten Wahlrunde unter anderem Schauspielerin Katrin Sass ausgesprochen.
Angetreten waren sieben Kandidaten, die um die Nachfolge des Ende 2025 vorzeitig als OB zurückgetretenen Badenschier buhlten. Badenschier hatte neun Jahre an der Spitze der knapp 100.000 Einwohner zählenden Landeshauptstadt gestanden. Er war unter anderem wegen schwerwiegender Differenzen mit der Stadtvertretung vorzeitig gegangen.
Bürgermeisterwahlen fanden auch in Wismar, Anklam und Ueckermünde statt. In der Hansestadt Wismar erhielt der SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Junge 42,1 Prozent der Stimmen und trifft in der Stichwahl am 26. April auf die AfD-Kandidatin Manuela Medrow, die auf 20,9 Prozent kam.
Anklam: Amtsinhaber deklassiert AfD-Bewerber
In Anklam, wo nur zwei Kandidaten angetreten waren, siegte Amtsinhaber Michael Galander (Initiativen für Anklam /IfA) mit 72,1 Prozent. Sein einziger Herausforderer Jörg Valentin von der AfD kam auf 27,9 Prozent. Der 56-jährige Galander steht bereits seit 2002 an der Verwaltungsspitze der rund 12.000 Einwohner zählenden Stadt im Landkreis Vorpommern-Greifswald.
In 8.800 Einwohner zählenden Ueckermünde kommt es zur Stichwahl zwischen den beiden Einzelbewerbern Karsten Berndt und Tino Spiegelberg. Berndt bekam am Sonntag 33,8 Prozent der Stimmen, Spiegelberg 20,9 Prozent, wie die Stadtverwaltung mitteilte.
Vor der Wahl hatte es in Ueckermünde mehrere Zwischenfälle gegeben, die Polizei ermittelt. Ein Kandidat berichtete von Knallgeräuschen, die er als Schüsse gegen ihn wertete. Ein anderer Kandidat war wiederholt von Sachbeschädigungen betroffen. Im Umfeld einer Podiumsdiskussion mit den Bürgermeister-Kandidaten wurde die Seitenscheibe eines Polizeiautos mit einem Stein eingeworfen.