Regionalnachrichten

Mecklenburg-VorpommernFünf Jahre Großbrand - wie weiter in Alt Tellin?

27.03.2026, 05:34 Uhr
Zehntausende-Tiere-verendeten-2021-beim-Brand-in-Alt-Tellin

Zehntausende Tiere verendeten 2021 beim Großbrand in der Schweinezuchtanlage in Alt Tellin. Naturschützer sind weiterhin unzufrieden mit Brandschutz in Ställen.

Alt Tellin (dpa/mv) - Fünf Jahre nach dem Großbrand in der Schweinezuchtanlage in Alt Tellin ist dort nach Angaben öffentlicher Stellen Tierhaltung kein Thema mehr. "Der Wiederaufbau der Sauenanlage ist durch die Betreiber gegenüber der Genehmigungsbehörde nicht weiter thematisiert worden", heißt es vom Schweriner Agrar- und Umweltministerium. Auch Bürgermeister Frank Karstädt sagt, die Gemeinde habe die Zusage, dass es auf dem Gelände keine Tierzucht mehr geben soll.

Am 30. März 2021 war die Stallanlage in Alt Tellin im Landkreis Vorpommern-Greifswald abgebrannt. Flammen und Rauch breiteten sich rasend schnell aus, Zehntausende Tiere verendeten. Bei dem Großfeuer waren knapp 50.000 Schweine, das Gros davon Ferkel, verendet. Menschen wurden nicht verletzt. Nur etwa 1.300 Tiere konnten gerettet werden.

Die Brandursache konnte laut Staatsanwaltschaft nicht zweifelsfrei geklärt werden, die Ermittlungen wurden eingestellt. Den Schaden hatten Ermittler auf 40 Millionen Euro geschätzt.

Die Sauen- und Ferkelaufzuchtanlage sei zurückgebaut, hieß es vom Agrarministerium. "Es sind Änderungen/Erweiterungen der bestehenden Biogasanlage im Gespräch." Dabei gehe es auch um Flächen der ehemaligen Tierhaltung. Der Betreiber plant demnach die Biogasanlage um eine Biogasaufbereitung zu erweitern. Ein entsprechender Änderungsantrag solle demnächst beim zuständigen Landesamt eingereicht werden. Karstädt sagte, es gebe etwa die Idee, Gas in das örtliche Netz einzuspeisen.

BUND MV: "kann jederzeit wieder passieren"

Unterdessen besteht weiterhin ein Gerichtsverfahren, das sich mit der Genehmigung der ursprünglichen Anlage befasst. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und eine Bürgerinitiative hatten gegen die immissionsschutzrechtliche Zulassung von 2010 geklagt. 2017 gab es bereits eine Verhandlung. Das Verfahren sei bislang nicht entschieden, erklärte nun ein Sprecher des Verwaltungsgerichts Greifswald. Eine Fortsetzung des Verfahrens sei "noch nicht absehbar".

"Das kann jederzeit wieder passieren", sagt BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag mit Blick auf die damalige Brandkatastrophe. Brandabschnitte seien viel zu groß und weiterhin könnten nach geltenden Regeln Ställe nach 30 Minuten Feuerlast einstürze. Die Politik wolle dies mit Blick auf die Baukosten nicht ändern, so ihr Vorwurf.

Minister verweist auf Richtlinie von 2024

"Die Brandkatastrophe in Alt Tellin war ein schockierendes Ereignis", sagte der Schweriner Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Es habe zu einer intensiven Diskussion zum Brandschutz in Tierhaltungsanlagen geführt. "Natürlich war der Brandschutz auch vorher bereits geregelt, allerdings nicht in einer zusammenfassenden Richtlinie." Er verwies auf eine entsprechende 2024 eingeführte Richtlinie. Ziel sei es gewesen "Regelungsbereiche auf Schwachstellen zu überprüfen".

Die höheren Anforderungen an den Brandschutz in Schweineanlagen seien aber auch mit höheren Kosten verbunden. Die Grenze für die Förderung von Investitionen in Stallanlagen sei deswegen von 2 auf 2,5 Millionen Euro erhöht worden.

"Mit der Nutztierstrategie 2030 hat sich MV zur Tierhaltung bekannt", betonte Backhaus. "Tierhaltung gehört zur Landwirtschaft. Deshalb wollen wir auch weiterhin die Rahmenbedingungen für die Rinderhaltung, die Geflügelhaltung, aber auch für die Schweinehaltung verbessern." Bauliche und immissionschutzrechtliche Anforderungen dürften nicht so weit verschärft werden, dass sich Tierhaltung nicht mehr wirtschaftlich betreiben lässt.

Quelle: dpa

Regionales