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Mecklenburg-VorpommernRiesiger historischer Teppich verlässt seine Vitrine

18.07.2026, 05:32 Uhr
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Einfach Staubsaugen reicht da nicht – der riesige jahrhundertealte Croy-Teppich wird aufwendig gepflegt. Wen zeigt er und mit welcher Auflage wurde er einst der Universität Greifswald vermacht?

Greifswald (dpa/mv) - Eine ungewöhnliche und besonders aufwendige Teppichpflege steht demnächst im Pommerschen Landesmuseum an. 470 Jahre alt und mehr als 30 Quadratmeter groß - der Croy-Teppich ist das größte Exponat des Museums und soll Ende des Monats erstmals seit über 20 Jahren aus seiner Vitrine genommen werden.

"Er wird aufgerollt und in Sicherheit gebracht", erklärte Museumssprecherin Julia Kruse. Anschließend werde eine Restaurierungswerkstatt eingerichtet. "Und dann wird er vor Ort restauriert werden mit mehreren Restauratoren, die nebeneinander sitzen werden und Meter für Meter, Stückchen für Stückchen sich den Teppich vornehmen."

Dazu soll der Teppich, der im Verzeichnis national wertvoller Kulturgüter geführt wird, stückchenweise wieder abgerollt werden. Gäste sollen die Arbeit vom Obergeschoss aus beobachten können. Die untere Ebene des Croy-Saals werde gesperrt, erklärte Kruse. Der Saal sei seinerzeit bei der Planung des Museums wegen der Größe des Teppichs extra mit zwei Stockwerken angelegt worden.

Teppichkunst aus dem 16. Jahrhundert

Nicht nur die Ausmaße sind beeindruckend, sondern auch die Geschichte des Stücks. Geschaffen hat es Mitte der 1550er Jahre der Teppichwirker Peter Heyman, der eine große Werkstatt im Stettiner Schloss leitete. Auftraggeber war der Herzog Philipp I. von Pommern, der in einer Gruppe pommerscher Fürsten auch selbst auf dem Teppich zu sehen ist. Möglicherweise war der Teppich als Geschenk für Johann Friedrich den Großmütigen von Sachsen gedacht und verblieb nur deshalb in Pommern, weil dieser 1554 starb.

Der Teppich zeigt das Bekenntnis des pommerschen Fürstenhauses zur Reformation. Nicht der Kaiser, sondern Martin Luther ist auf der Kanzel als höchste Autorität dargestellt. Davor sind zwei Fürstengruppen zu sehen: pommersche und sächsische. Auftraggeber Philipp I. hatte 1536 Maria von Sachsen geheiratet. Luther hatte die Predigt gehalten. Sachsen und Pommern galten als Hochburgen der Reformation.

Derartige Wandteppiche gehörten laut Pommerschem Landesmuseum an den europäischen Renaissancehöfen zur Herrschaftsrepräsentation. Weltweit sei kein vergleichbares Stück aus der Mitte des 16. Jahrhunderts überliefert.

Ungefähr zwei Jahre Herstellungszeit

Verwendet wurden für das Stück Fäden aus Leinen, Schafwolle und Seide. Die Farben wurden den Angaben zufolge in erster Linie aus Pflanzen gewonnen. Dazu kamen Fäden aus echtem Gold und Silber.

Die Teppichknüpfer verwendeten laut Museum sogenannte Kartons, auf denen im Maßstab eins zu eins die Konturen und die Grenzen der Farbflächen genau festgelegt waren. Sie lagen demnach unter dem entstehenden und noch durchsichtigen Teppich. Da auf der Rückseite gearbeitet wurde, mussten die Vorlagen spiegelverkehrt gezeichnet sein.

Der Teppich wurde zudem gewirkt und nicht gewebt. Das heißt, die horizontalen Fäden verlaufen nicht über die gesamte Breite, sondern immer nur bis zum Rand der jeweiligen Farbfläche. Diese Arbeit sei äußerst zeitaufwendig. Heymans Werkstatt habe ungefähr zwei Jahre für den Croy-Teppich gebraucht.

Auflage zum Feiern

Seit 2005 wird der Croy-Teppich dauerhaft im Pommerschen Landesmuseum ausgestellt. Seinen Namen hat der Teppich von Herzog Ernst Bogislaw von Croy. Dieser vermachte den Teppich einst der Universität Greifswald verbunden mit der Auflage, alle zehn Jahre eine Gedenkfeier für seine 1660 verstorbene Mutter und die Pommernherzöge abzuhalten. Nachdem das Croy-Fest zu DDR-Zeiten ausgesetzt worden war, wurde die Tradition nach der Wiedervereinigung wieder aufgenommen. Die letzte reguläre Croy-Feier fand laut Kruse 2010 statt. 2020 sei sie wegen der Corona-Pandemie verschoben und später in kleinerer Form nachgeholt worden. 2030 könne die Feier hoffentlich wieder stattfinden.

Die Restaurierung soll schon vorher abgeschlossen sein. "Fertig sein soll der Teppich 2028 zum Jubiläum 900 Jahre Pommern", sagte Kruse. 2028 soll an zwei Missionsreisen des Bischofs Otto von Bamberg nach Pommern 1124 und 1128 erinnert werden, die als Auftakt für die Christianisierung Pommerns gelten.

Dann soll der Teppich auch in einer neuen Vitrine ausgestellt werden. "Es wird nicht so sein, dass der Besucher auf den ersten Blick einen großen Unterschied zu vorher feststellen wird", erklärte Kruse. Es gehe vielmehr darum, sich mögliche fragile Stellen genauer anzuschauen und gegebenenfalls zu sichern.

Quelle: dpa

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