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Mecklenburg-Vorpommern "Schlacht im Tollensetal": Touristische Erschließung geplant

Bei der Ausgrabung eines bronzezeitlichen Schlachtfeldes im Tollensetal gefundene Schädel.

(Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dp)

Das bronzezeitliche Schlachtfeld an der Tollense bei Altentreptow gilt als archäologischer Jahrhundertfund. Tausende menschliche Knochen - viele mit Kampfverletzungen - wurden dort entdeckt. Nun gibt es einen Vorstoß, das Ereignis vor Ort erlebbar zu machen.

Schwerin/Altentreptow (dpa/mv) - Mecklenburg-Vorpommern hat eine archäologische Stätte von internationalem Rang: das älteste bekannte Schlachtfeld Europas, mehr als 3000 Jahre alt. Fundstücke vom Ufer der Tollense nahe Altentreptow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) wurden vor einigen Monaten - zusammen mit der Himmelsscheibe von Nebra - im British Museum in London in der Schau "The World of Stonehenge" (Die Welt von Stonehenge) präsentiert. Dass es vor Ort im Tollensetal bislang keinen Hinweis auf die archäologische Stätte, geschweige denn eine touristische Erschließung gibt, ärgert den SPD-Landtagsabgeordneten aus der Region, Thomas Krüger. Doch nun gibt es eine Initiative im Landtag. Am Mittwoch steht sie auf der Tagesordnung der Parlamentssitzung.

Die beiden Regierungsfraktionen SPD und Linke wollen demnach, dass das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege ein Konzept entwickelt, wie der Fundort der "Schlacht im Tollensetal" touristisch erschlossen werden kann. Im Herbst 2023 erwarten die Parlamentarier das Ergebnis.

Die Koalitionäre sprechen in ihrem Antrag von drei künftigen Standorten, an denen Ur- und Frühgeschichte in MV erlebbar gemacht werden soll: Groß Raden, Rostock und das Tollensetal. Bisher gibt es nur das Archäologische Freilichtmuseum mit einem slawischen Burgwall in Groß Raden (Landkreis Ludwigslust-Parchim). In Rostock soll das Archäologische Landesmuseum entstehen. SPD und Linke fordern ein Gesamtkonzept für alle drei Standorte.

Die Linken-Fraktionsvorsitzende Jeannine Rösler verweist auch auf die Naturschönheiten des Tollensetals, das behutsam zu einem touristischen Highlight des Landes weiterentwickelt werden solle. Dafür sei ein gutes Netz an Rad- und Wanderwegen zu knüpfen, betonte sie.

In der Opposition trifft die Idee einer touristischen Erschließung der archäologischen Stätte auf positive Resonanz. Die wissenschaftspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Katy Hoffmeister, sagte: "Es gibt gute Beispiele, wie sowas in anderen Bundesländern funktioniert, beispielsweise die architektonisch sehr gelungene "Arche Nebra" am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra. Ich kann mir sowas sehr gut auch in Mecklenburg-Vorpommern vorstellen." Sie machte zugleich klar: "Aber natürlich kostet so etwas Geld."

In ihrem Landtagsantrag weisen die Koalitionäre darauf hin, dass die Fundstätte bedroht sei. "Die organischen Hinterlassenschaften der Schlacht wurden bislang durch einen Moorkörper geschützt. Dieser Moorkörper fällt durch die Auswirkungen des Klimawandels immer häufiger trocken", heißt es. "Die natürliche Konservierung der Artefakte ist dadurch nicht mehr gegeben." Eine touristische Erschließung der "Schlacht im Tollensetal" müsse den Schutz und Erhalt der Fundstellen berücksichtigen.

Tausende Knochen wurden bisher an einem ehemaligen Flussübergang der Tollense gefunden. Sie konnten mehr als 140 verschiedenen Individuen zugeordnet werden. Warum die Bronzezeit-Menschen dort gewalttätig aufeinanderprallten, ist umstritten. Einige Forscher sind der Ansicht, dass es sich um eine Schlacht verfeindeter Gruppen handelte. Andere halten einen Überfall auf eine Handelskarawane für wahrscheinlicher. Bisher sind keine Schriftquellen bekannt, in denen der Zwischenfall erwähnt wäre.

Quelle: dpa

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