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Niedersachsen & BremenBahnstrecke zur Küste dicht: Was Urlauber nun wissen sollten

10.07.2026, 04:03 Uhr
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Mitten in der touristischen Hochsaison baut die Bahn wochenlang an einer wichtigen Eisenbahnbrücke in Ostfriesland – das hat massive Folgen für den Reiseverkehr an die Küste und auf viele Inseln.

Emden (dpa/lni) - Wer etwa für einen Sommerurlaub in den kommenden Wochen mit der Bahn an die ostfriesische Nordseeküste oder auf die Inseln verreisen möchte, braucht Geduld und gute Nerven. Mitten in der touristischen Hochsaison baut die Deutsche Bahn an einer Eisenbahnbrücke in Emden – und weil das ein Nadelöhr für viele Bahnverbindungen Richtung Küste ist, fallen Regional- und Fernzüge aus. Was Reisende nun wissen müssen:

Welche Bahnstrecke wird gesperrt und wann?

Es geht um die Bahnstrecke zwischen Leer und Norddeich Mole, der Endhaltestelle an der Nordseeküste. Die Streckensperrung beginnt am Samstag, 18. Juli (0.00 Uhr) und dauert bis Samstag, 8. August (0.00 Uhr). Die dreiwöchige Sperrung fällt damit in die zweite Hälfte der niedersächsischen Sommerferien und in den Beginn der langen Ferien in Nordrhein-Westfalen.

Welche Bahnverbindungen sind von der Sperrung betroffen?

Einschränkungen gibt es sowohl für den Regional- als auch für den Fernverkehr. Zwischen Leer und Norddeich Mole entfallen die Halte in Neermoor, Emden Hauptbahnhof, Emden Außenhafen, Marienhafe, Norden und Norddeich.

Im Regionalverkehr beginnen und enden diese Züge meist in Leer:

  • RE 1 der DB Regio (Norddeich Mole - Hannover) 

  • RE 15 der Westfalenbahn (Emden - Münster)

Im Fernverkehr beginnen und enden diese Züge in Leer:

  • IC-Linie 56 (Norddeich Mole - Emden - Bremen - Hannover - Leipzig)

  • IC-Linie 35 (Norddeich Mole - Leer - Münster - Köln)

Wie kommen Bahnreisende weiter zur Küste und zu den Inseln?

Mit Bussen, die als Schienenersatzverkehr fahren. "Der Buseinsatz basiert auf früheren Erfahrungswerten, und es wird auch die Feriensaison berücksichtigt", kündigt eine Bahnsprecherin auf Anfrage an.

Laut Bahn soll es einen schnelleren, direkten Busersatzverkehr zwischen Leer und Norddeich Mole geben. Außerdem sollen Busse fahren, die an allen Zwischenhalten des RE 1 stoppen – also in Emden, Marienhafe und Norden. Während die Expressbusse zwischen Leer und Küste rund 1 Stunde und 20 Minuten unterwegs sind, brauchen die Busse mit den Unterwegshalten etwa 1 Stunde und 40 Minuten. "Darüber hinaus bieten wir zwei Busse pro Tag und Richtung zwischen Emden Außenhafen und Leer an", teilt eine Bahnsprecherin mit. Die Fahrpläne können auf bahn.de sowie im DB Navigator abgerufen werden.

Auch auf der Emsland-Strecke der Westfalenbahn zwischen Münster und Emden soll es meist ab Leer einen Schienenersatzverkehr geben. Laut Fahrplan fahren einige Ersatzbusse am frühen Morgen und am späten Abend teils auch schon ab Lathen und Papenburg – oder in Gegenrichtung bis dorthin.

Können Fahrräder und Kinderwägen mitgenommen werden?

In den Bussen, die den Regionalverkehr der DB ersetzen, soll die Fahrradmitnahme nur eingeschränkt möglich sein. Fahrgäste mit Kinderwagen und Rollstühlen haben Vorrang. Im Schienenersatzverkehr der IC-Linien können keine Fahrräder transportiert werden, wie die Bahn mitteilt.

Ist der Schienenersatzverkehr an die Inselfähren angepasst?

Ja, das soll so sein. Die Reederei Norden-Frisia, die den Fährverkehr von und zur Insel Norderney betreibt, teilt auf Anfrage mit: "So wie die Planung der Bahn aktuell aussieht, sollte es nicht zu Einschränkungen für unsere Gäste kommen und die Anschlüsse sollten gewährleistet sein." Am Fahrplan der Inselfähren ändere sich nichts.

Von der Bahn heißt es, mit der Expressbuslinie ohne Zwischenhalt zwischen Leer und Norddeich würden "gute Anschlüsse" zu den Fähren von und nach Norderney hergestellt. "Zusätzlich wird Emden Außenhafen bei den relevanten Schiffsabfahrten in/aus Borkum direkt angebunden", teilt die Bahn weiter mit.

Welche Alternativen gibt es?

Einige Inseln wie Juist und Langeoog haben ihre Sommerurlauber vorab schon über die Streckensperrung informiert. Die Insel Langeoog wies etwa darauf hin, dass Reisende aus Richtung Bremen auch eine direkte Busverbindung, den Ostfrieslandexpress, nach Bensersiel nehmen können. Die zweistündige Fahrt von Bremen an die Küste muss allerdings vorab gebucht werden. Es gibt mehrere Abfahrten pro Tag. Wer nicht mit dem Bus anreisen will, dem bleibt sonst als Alternative Richtung Küste noch das Auto.

Warum muss ausgerechnet jetzt in den Ferien gebaut werden?

Die Emder Eisenbahnbrücke sei seit Jahrzehnten ein wichtiger Bestandteil des Schienenverkehrsnetzes in Ostfriesland, heißt es von der Bahn. "Regelmäßige Wartung und Sanierung sind entscheidend, um die Funktionsfähigkeit und Sicherheit unserer Bauwerke dauerhaft zu gewährleisten", teilte die Bahnsprecherin mit. Nachdem im vergangenen Herbst 2025 ein neuer Antrieb und eine neue Steuerung in die Brücke eingebaut wurden, seien nun weitere wichtige Arbeiten nötig. "Dabei werden tragende Elemente wie die Drehlager sowie diverse Träger an der Brücke teilweise erneuert", heißt es.

Hätte man nicht auch wann anders an der Brücke bauen können?

Der Bauzeitraum von Mitte Juli bis Anfang August sei mit Eisenbahnverkehrsunternehmen, Volkswagen und "nach sorgfältiger Interessenabwägung unter Einbindung der lokalen Stakeholder" abgestimmt und festgelegt worden, heißt es von der Bahn. Eine dreiwöchige Vollsperrung sei für die Bauarbeiten unumgänglich. Unter anderem sei der Zeitraum aufgrund der Betriebsferien bei VW in Emden gewählt worden.

Was bedeutet die Sperrung für die Urlaubsorte an der Küste?

Durch den eingeschränkten Fernreiseverkehr könnten weniger Urlaubsgäste manche Küstenorte und Inseln erreichen, lautet die Sorge von manchen Urlaubsorten in Ostfriesland. Denn gerade NRW und Niedersachsen zählen zu den wichtigsten Herkunftsorten für Touristen.

Sollten Urlauber wegen der Brückensperrung auf ihre Nordseeurlaube verzichten, drohten touristischen und freizeitwirtschaftlichen Betrieben Einbußen, hieß es zuletzt von der Tourismus-Agentur Nordsee.

Die Brückensperrung im Sommer kann Geschäftsführer Mario Schiefelbein nicht nachvollziehen. "Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren an der niedersächsischen Nordseeküste. Jede Einschränkung der Erreichbarkeit trifft nicht nur die Inseln, sondern die gesamte Region - über eine Million Menschen und Tausende Betriebe", sagte er.

Auch die Stadt Emden kann nicht nachvollziehen, warum die Brückensperrung ausgerechnet in die Sommerferien gelegt wurde. Dort fällt in den Zeitraum auch das beliebte Delft- und Hafenfest. Traditions- und Museumsschiffe, die den Binnenhafen ansteuern, sind von der Brückensperrung ebenfalls betroffen.

Die grundsätzlichen Arbeiten an der Brücke seien nicht das Problem, sondern der Zeitraum, teilte ein Stadtsprecher auf Anfrage mit. "Kritisch sehen wir vielmehr, dass trotz unserer Hinweise und der Vorschläge aus der Region letztlich kein größerer zeitlicher Gestaltungsspielraum genutzt werden konnte." Die aktuelle Sperrung zeige erneut, wie groß die Abhängigkeit der Region von der Eisenbahnklappbrücke sei.

Die Bahn widerspricht, dass es keine ausreichenden Absprachen zum Zeitraum der Sperrung gab. "Selbstverständlich wurden im Vorwege Gespräche geführt und gemeinsame Lösungen gesucht", teilt die Bahnsprecherin mit.

Quelle: dpa

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