Sachsen-AnhaltFreie Theater in Sachsen-Anhalt fordern Planungssicherheit

Die freie Theaterszene in Sachsen-Anhalt fordert mehr Sichtbarkeit und stabile Förderungen. Trotz guter Besucherzahlen bleibt die finanzielle Situation vieler Ensembles angespannt.
Halle (dpa/sa) - Spiel, Spaß und Spannung fühlen sich an diesem Abend federleicht an. Das Publikum lacht, applaudiert und geht begeistert mit. Für den Moment scheint alles unbeschwert. Hinter den Kulissen sieht die Realität vieler freier Theater in Sachsen-Anhalt jedoch deutlich anders aus. Trotz hoher Besucherzahlen und kultureller Bedeutung fehlt nach Einschätzung des "Landeszentrum Freies Theater Sachsen-Anhalt" (LanZe) die Sichtbarkeit und öffentliche Wahrnehmung, dazu kommen unsichere Förderbedingungen.
Freie Theater bemängeln fehlende Außendarstellung
Kritisiert wird unter anderem die Außendarstellung. "Auf der Internetseite der Staatskanzlei gibt es nur eine knappe Erwähnung, der Landesverband ist nicht verlinkt und über Förderentscheidungen oder Auszeichnungen wird kaum informiert", sagt LanZe-Leiterin Maria Gebhardt. "Immerhin prägen rund 70 freie Theater sowie professionelle Einzelkünstlerinnen und Einzelkünstler die Theaterlandschaft des Landes."
Als größte Herausforderung nennen die Akteurinnen und Akteure unzureichend ausgestattete Spiel- und Probenräume. Zudem fehlten Festivals, die Produktionen der freien Szene größere Aufmerksamkeit und Reichweite verschaffen könnten. Die Gesamtfördersumme des Landes für 2025 beziffert Gebhardt auf 821.380 Euro, im Jahr 2024 waren es 789.162 Euro.
Zwar verfüge die Szene kaum über eigene Aufführungsstätten. Steigende Kosten würden aber auch über die Mietpreise einer Veranstaltung umgelegt. "Hier spüren die freien Theater den Druck und kürzen leider zumeist an den eigenen Honoraren."
Planbare Förderung würde Arbeit erleichtern
Gleichzeitig erreichten die freien Theater im Jahr 2024 rechnerisch rund 155.000 Zuschauerinnen und Zuschauer in Sachsen-Anhalt. Für viele Ensembles bleibt vor allem die fehlende Planungssicherheit ein Problem. Andrea Martin vom Theater Apron Halle berichtet, dass ihr Ensemble zuletzt nur eine statt zwei beantragter Förderungen erhalten habe. Unterstützung komme zwar auch von Sponsoren aus der Stadt Halle, doch die Finanzierung bleibe schwierig.
"Man weiß erst sehr spät, wann die Förderung kommt und hat keine Garantien, obwohl man vorher schon Ausgaben hat. Wir würden uns eine längerfristige, jahresübergreifende Förderung wünschen", sagt Martin. Zwar gebe es beim Land bereits eine zweijährige Basisförderung, solche Programme müssten aber ausgebaut werden. "So hangelt man sich immer von einem Projekt zum anderen. Wir haben es leider noch nicht geschafft, in diese Basisförderung hineinzukommen."
Beim traditionellen Sommertheater von Apron Halle ist die Situation dagegen positiv. "Wir sind mit den Besucherzahlen sehr zufrieden", sagt Martin. Das Ensemble spielt seit rund 20 Jahren vor einem festen Stammpublikum. Die Besucherzahlen sind trotz wetterabhängiger Bedingungen stabil geblieben, zudem wurden die Eintrittspreise konstant gehalten. Eine eigene feste Spielstätte fehlt jedoch.
Auch das Insel Theater Magdeburg sieht sich mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Geschäftsführerin Anne Struve verweist auf eine hohe Publikumsakzeptanz: Das Theater hat im vergangenen Jahr 135 Vorstellungen gespielt und eine Auslastung von 93 Prozent erreicht. Eine öffentliche Förderung erhält das Haus nicht. "Wir haben großes Glück, dass das Publikum weiter zu uns kommt", sagt Struve. Sie hofft sehr, dass das Theater eine Zukunft hat.
Fördermittel besser verteilen
Beim Theater der Tiefe in Elbingerode ist die Situation besonders angespannt. Theaterleiterin Julia Schmidt kritisiert, dass sich die prozentuale Verteilung der Fördermittel unter den freien Theatern verschlechtert hat. Das Ensemble muss bereits im zweiten Jahr ohne Landesförderung auskommen.
"Wir spielen alle selbstständig an verschiedenen Orten und finden uns in Sachsen-Anhalt immer nur zum Spielen zusammen. Man kann nicht nur von einem Theater leben", sagt Schmidt. Für die aktuelle Saison ist der Spielbetrieb gesichert. Langfristig kann es aber passieren, dass die Waldbühne Altenbrak nicht mehr bespielt wird und man sich auf kleinere Spielorte konzentrieren muss.
"Momentan suchen wir nach Lösungen. Es gibt die Idee, neben der Waldbühne in Altenbrak auch in anderen Orten zu spielen", sagt Schmidt. Voraussetzung dafür sei jedoch eine verlässlichere Unterstützung durch das Land.