Niedersachsen & BremenBald Bruchmeisterinnen? Gremium entscheidet über Schützenamt
Hannover (dpa/lni) - Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) und Schützenpräsident Paul-Eric Stolle wollen das Amt der Bruchmeister für Frauen öffnen. Für die repräsentative Aufgabe auf dem Schützenfest der Landeshauptstadt dürfen bislang nur Männer vorgeschlagen werden. Das Reformvorhaben stößt aber auch auf Kritik. Ein ehemaliger Bruchmeister hat eine Online-Petition zur "Rettung der Tradition" gestartet. Am Nachmittag diskutiert der sogenannte Verwaltungsrat mit Mitgliedern aus Kommunalpolitik und Schützenwesen über den Antrag. Ob bereits eine Entscheidung getroffen wird, ist noch unklar.
"Frauen auszuschließen passt nicht mehr in unsere moderne, aufgeschlossene Zeit", sagte Hannovers Schützenpräsident Stolle der dpa. "Wir Sportschützen möchten uns öffnen, für alle, die Spaß und Freude daran haben - egal welcher Glaubensrichtung oder sexueller Orientierung." Das zehntägige Schützenfest in Hannover ist nach Angaben des örtlichen Schützenverbandes das weltgrößte. Es soll in diesem Jahr vom 1. bis 10. Juli stattfinden.
Im Mittelalter sorgten die städtischen Bruchmeister bei Festen für Ordnung und ahndeten Verstöße. Heute handelt es sich um ein zeitaufwendiges Ehrenamt, das von der Stadt vergeben wird. Die vier Bruchmeister müssen während des zehntägigen Fests Urlaub nehmen, um von mittags bis nachts in Frack und Zylinder aufzutreten. Sie sollen ledig, unbescholten und "von gutem Charakter" sein. Voraussetzung ist zudem, einem hannoverschen Schützenverein anzugehören.