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Niedersachsen & BremenBischof sieht Beschäftigung mit Missbrauch als Daueraufgabe

10.01.2026, 05:02 Uhr
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Das Thema gehört nicht zu den Akten, sondern muss im Bewusstsein bleiben: Das ist für den Bischof von Osnabrück eine wichtige Lehre aus dem Skandal um sexuellen Missbrauch in der Kirche.

Osnabrück (dpa/lni) - Der katholische Bischof von Osnabrück, Dominicus Meier, will das Bewusstsein für den Skandal um sexuellen und geistlichen Missbrauch in seinem Bistum wachhalten. "Wir haben regelmäßig Gespräche mit den Betroffenen, die müssen zu Wort kommen", sagte Meier der Deutschen Presse-Agentur dpa. Notwendig sei eine gute Erinnerungskultur, die zur Auseinandersetzung mit den Ursachen des Missbrauchs führe: "Das Thema ist nicht abgearbeitet."

Das Bistum Osnabrück setze auf eine unabhängige Monitoring-Gruppe, die den Aufarbeitungsprozess begleite, sagte Dominicus. Hinzu komme ein Ombudsmann, der für den Kontakt zu den Betroffenen zur Verfügung stehe und eine unabhängige Beauftragte. Sprecherin der Monitoring-Gruppe ist die Opferschutzbeauftragte des Landes NRW und frühere niedersächsische Justizministerin Barbara Havliza (CDU).

Diskussionen über Umgang mit Beschuldigten

Die Bistumsleitung mische sich nicht ein in diese Arbeit. Das entlaste auch ihn als Bischof, sagte Dominicus. Denn in dieser Position sei er in einem ständigen Rollenkonflikt: "Ich kann einen solchen Prozess nicht moderieren, wenn ich selbst auch involviert bin."

Mit dem Betroffenenrat werde weiter diskutiert, wie in den Kirchengemeinden, in denen ein Priester beschäftigt war, der sich des Missbrauchs schuldig gemacht hat, mit dem Thema umgegangen werden könne. Wichtig sei Transparenz bei Personalentscheidungen. "Wir müssen bei Personalveränderungen immer informieren, wenn es an einem Ort einen Fall gegeben hat."

Thema unter Mitarbeitern wach halten

Man müsse sich auch darauf einrichten, dass es in den Gemeinden Gruppierungen gebe, in denen ein beschuldigter Priester in hohem Ansehen gestanden habe, während andere ihn ablehnten. "Eine weitere wichtige Frage ist, wie kann man in diesen Gemeinden, wo es wirklich Täter gegeben hat, das Thema weiter wach halten?", sagte der Bischof.

Niemand solle den Eindruck haben, es werde etwas vertuscht oder unter den Teppich gekehrt. Um schnell und angemessen auf Vorwürfe reagieren zu können, habe das Bistum einen Schutzprozess eingerichtet, in dem Ansprechpersonen und Abläufe klar geregelt seien.

Es gehe aber nicht nur um Missbrauch. "Es kommt immer noch zu Irritationen bei dem Thema Distanz und Nähe", sagte Dominicus. Es gebe Verhaltensweisen, die die einen nicht als anstößig empfänden, aber andere erschreckten. "Auf solche Fälle weisen wir in einer breit angelegten Präventionsarbeit hin."

Alle Mitarbeiter des Bistums müssten sich regelmäßigen Schulungen stellen. Die Teilnahme werde auch in der Personalakte festgehalten. "Wir halten nach, dass die Schulungen gemacht werden", sagte Dominicus.

Quelle: dpa

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