Niedersachsen & BremenDeutsche Messe setzt auf neue Vorstände und Masterplan

Weniger Fläche und weniger Besucher: Die Deutsche Messe sucht angesichts großer Herausforderungen einen Weg in die Zukunft.
Hannover (dpa/lni) - Die Deutsche Messe stellt sich angesichts schwieriger Zeiten im internationalen Messegeschäft neu auf und nimmt dabei auch die Zukunft ihres Geländes in Hannover in den Blick. Messe-Chef Jochen Köckler bleibt Vorstandsvorsitzender, bekommt aber zwei weitere Vorstände an die Seite, wie das niedersächsische Wirtschaftsministerium mitteilte. Das Führungstrio soll das Unternehmen strategisch neu ausrichten und einen langfristigen Masterplan entwickeln.
Niedersachsens Wirtschaftsminister und Aufsichtsratschef Grant Hendrik Tonne (SPD) sprach von einem "tiefgreifenden Wandel" der Branche. Das Messegeschäft sei wirtschaftlich "enorm herausfordernd", zugleich gebe es Chancen für starke Standorte wie Hannover.
Ziel sei es, den Standort zu sichern, Arbeitsplätze zu erhalten und den Ruf der Messe national wie international zu festigen. "Das Wohl der Messe ist immer eine zentrale landespolitische Angelegenheit gewesen und sie ist es nach wie vor", sagte der Minister. Das Land Niedersachsen hält 50 Prozent der Anteile an der Deutschen Messe.
Hannover Messe schrumpft deutlich
Aushängeschild der Messegesellschaft ist die Hannover Messe, die zuletzt mit einem deutlichen Rückgang bei Besuchern und Ausstellern zu kämpfen hatte. In diesem Jahr kamen rund 110.000 Besucher. 2027 soll die weltweit bekannte Industrieschau nur noch vier statt bislang fünf Tage dauern.
2019 habe die Hannover Messe noch mehr als 200.000 vermietete Quadratmeter umfasst, sagte Tonne. In diesem Jahr seien es nur noch etwas mehr als 80.000 Quadratmeter gewesen. "Und das auch nur dank einer wirklichen Kraftanstrengung aller Beteiligten, um das zu organisieren."
Nun müsse die Messe neue Veranstaltungen nach Hannover holen, um zusätzliche Besuchergruppen anzusprechen und das Gelände besser auszulasten, sagte Tonne. Ein Beispiel sei die Verteidigungs- und Sicherheitsmesse DSEI Germany, die im kommenden Jahr erstmals auf dem Gelände stattfindet. Das zeige, "dass Hannover neue Formate kann".
Neue Köpfe für den Neustart
Es brauche ein nachhaltiges und selbsttragendes Geschäftsmodell. "Das haben wir derzeit so nicht, und deswegen braucht es dort eine Verstärkung und auch eine Konzentration darauf", sagte Tonne. Trotz des größten Messegeländes in Deutschland spiele Hannover wirtschaftlich derzeit nicht in einer Liga mit Standorten wie Frankfurt, München oder Düsseldorf. Deshalb gebe es kurzfristigen Handlungsbedarf.
Dafür holt die Messe zwei neue Manager in die Führung. Holger Feist gehört seit Anfang Mai zum Vorstand und soll neue Geschäftsfelder entwickeln sowie die Digitalisierung vorantreiben. Ab dem 18. Mai kommt Konstantin Kühl hinzu. Er soll den Masterplan für die Messe erarbeiten. Der Vorstandsvorsitzende Jochen Köckler soll sich weiter um das klassische Messegeschäft kümmern.
Kein Investor in Sicht
Nach Angaben von Tonne soll der Masterplan die Zukunft des gesamten Messegeländes in den Blick nehmen. Dabei gehe es unter anderem um den künftigen Bedarf an Hallen und Flächen, mögliche neue Nutzungskonzepte sowie Themen wie Modernisierung, Flexibilität und Energieeffizienz. Auch die Frage, welche Bereiche langfristig womöglich nicht mehr benötigt werden, müsse beantwortet werden.
Über mögliche neue Investoren wird inzwischen ebenfalls gesprochen. Einen strategischen Partner für die Deutsche Messe, wie ihn CDU-Fraktionschef Sebastian Lechner zuletzt ins Spiel gebracht hatte, schloss Tonne nicht grundsätzlich aus. Ein solcher Investor müsse allerdings zur Ausrichtung und zum Selbstverständnis des Unternehmens passen. "So etwas gibt es bisher nicht, um das auch deutlich zu sagen."