Niedersachsen & BremenLandeskirche lässt Missbrauch durch Ex-Diakon aufarbeiten

Bis zu 50 Taten soll ein früherer Diakon begangen haben: Nun lässt die Landeskirche Hannovers den Fall wissenschaftlich untersuchen. Auch mögliche Versäumnisse innerhalb der Kirche stehen im Fokus.
Hannover (dpa/lni) - Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers lässt Fälle sexualisierter Gewalt durch einen ehemaligen Diakon wissenschaftlich aufarbeiten. Seit dem 1. Juni laufe dazu eine externe Studie, teilte die Landeskirche mit. Der frühere Diakon war Ende 2002 vom Landgericht Hannover zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und elf Monaten verurteilt worden.
In dem damaligen Verfahren ging es nach Angaben der Landeskirche um verschiedene Konstellationen sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen sowie um die Verbreitung pornografischer Schriften. Der Mann war demnach von 1989 bis 2002 in verschiedenen Gemeinden der Landeskirche in der Kinder- und Jugendarbeit tätig.
Fall mit den meisten Betroffenen innerhalb der Landeskirche
Nach früherer Berichterstattung soll es um bis zu 50 Taten an verschiedenen Betroffenen gegangen sein. Der Landeskirche seien bis heute nicht alle betroffenen Personen namentlich bekannt. Nach bisheriger Kenntnis sei es wegen des vermuteten Ausmaßes der Fall mit den meisten Betroffenen innerhalb der Landeskirche.
Die Studie soll klären, wie die Landeskirche organisatorisch mit sexualisierter Gewalt und Betroffenen umging. Besonders untersucht werden sollen Verantwortlichkeiten und Bedingungen, die die Taten in der Kinder- und Jugendarbeit ermöglicht, begünstigt oder nicht verhindert haben könnten. Zudem sollen Schlussfolgerungen für Aufarbeitung, Prävention und Intervention gezogen sowie weitere Formen der Anerkennung des Unrechts entwickelt werden.
Institut will in den kommenden Monaten einen Aufruf veröffentlichen
Durchgeführt wird die auf 24 Monate angelegte Untersuchung vom Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München. Geplant sind Interviews und die Analyse von Dokumenten. Das Institut will in den kommenden Monaten einen Aufruf veröffentlichen, der sich unter anderem an Betroffene, Mitarbeitende der Landeskirche und Zeitzeugen richtet.