Regionalnachrichten

Niedersachsen & BremenDas spricht für und gegen den Klassenerhalt von Werder

05.04.2026, 12:14 Uhr
Die-Choreografie-vor-dem-Leipzig-Spiel

Verletzungssorgen, hartes Restprogramm, Kritik an der Führung: Werder steht unter Druck. Doch es gibt auch Hoffnung für den norddeutschen Traditionsclub im Abstiegskampf.

Bremen (dpa/lni) - Werder Bremen muss im Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga weiter zittern. Nach dem 1:2 (0:1) gegen RB Leipzig bleibt das Punktepolster auf den Relegationsrang dünn. Was spricht also bei noch sechs ausstehenden Spielen gegen und für den Klassenverbleib?

Das spricht dagegen ...

  • Verletzungspech 

Das notgedrungene Comeback von Amos Pieper in der Startelf durch den kurzfristigen Verletzungsausfall des erst jüngst wieder genesenen Innenverteidigers Karim Coulibaly stand symptomatisch für die Probleme in dieser Saison. Pieper kam zu Beginn der zweiten Hälfte unglücklich nach einem Kopfballduell auf dem Boden auf und musste ausgewechselt werden. Der 28-Jährige klagte wohl über Schwindel, eine genaue Diagnose steht noch aus.

"Sicherlich tut uns das weh", sagte Profifußball-Geschäftsführer Clemens Fritz über die Misere. Er habe sich die Verletzungshistorie in den vergangenen Jahren angeschaut. "So extrem war es noch nicht", stellte er klar.

Der Ausfall vieler wichtiger Spieler wie von Niklas Stark (muskuläre Probleme), Keke Topp sowie Mitchell Weiser (beide Kreuzbandriss) zwingt Trainer Daniel Thioune immer wieder zum Improvisieren.

  • Kritik an Transferentscheidungen

Sportchef Fritz musste sich zuletzt viel Kritik gefallen lassen. Ihm werden Transferflops wie der des jüngst nach Knie-Operation überraschend ins Training zurückgekehrten Leih-Profis Victor Boniface angelastet. Gerade ein Torjäger fehlt den harmlosen Norddeutschen, die Offensive gehört zu den torärmsten der Liga. Auch für einen peinlichen Leihspieler-Irrtum in der Transferabteilung der Bremer musste Fritz öffentlich geradestehen.

Die deutliche Kritik des seit mehreren Monaten verletzten Leistungsträgers Weiser während des Leipzig-Spiels unterstrich die Unzufriedenheit um den Club. "Es ist schon so, dass im letzten Sommer viele Sachen passiert sind, die für mich fragwürdig waren", sagte er bei Sky. Es seien Spieler gegangen, denen man nun nachtrauern würde. Diese Entscheidungen sind laut Weiser "ein bisschen fahrlässig" gewesen. "Das müssen wir jetzt irgendwie schaffen, aufzuarbeiten und zu verbessern für nächstes Jahr", fügte er hinzu.

Ein deutlicher Seitenhieb in Richtung Fritz. Der kündigte an, die aus seiner Sicht unverständlichen Weiser-Aussagen intern aufzuarbeiten. Werder-Chef Klaus Filbry hatte Fritz zuletzt erneut den Rücken gestärkt. Fans initiierten vor einigen Monaten eine digitale Petition, die eine außerordentliche Mitgliederversammlung zur Bewertung der Amtsführung von Fritz zum Ziel hatte. Die überwiegend anonymisierte Online-Unterschriftensammlung passe aber nicht mit der Satzung zusammen, teilte der Club mit.

  • Anspruchsvoller Saison-Endspurt

Das Restprogramm hat es in sich. Im nächsten Spiel reisen die Bremer zum direkten Konkurrenten 1. FC Köln (Sonntag, 15.30 Uhr/Sky), am 18. April kommt es zum Nordderby mit dem HSV. Eine Derby-Pleite wie in der Hinrunde könnte die Moral weiter schwächen. Zumal in den letzten vier Spielen in Stuttgart, Hoffenheim und Dortmund drei Teams aus den aktuell Top fünf der Tabelle warten.

Das spricht dafür ...

  • Mannschaftliche Geschlossenheit

Die Bremer haben nach dem vergeigten Start unter dem neuen Trainer Thioune von den vergangenen fünf Partien drei gewonnen. Gegen Top-Club Leipzig hielten die Bremer vor allem in der ersten Hälfte gut mit. "Es muss uns Mut geben, dass wir gegen einen Top-Club auf Augenhöhe gespielt haben", sagte Romano Schmid bei Sky.

Und auch sonst steht die Mannschaft trotz der Verletzungsmisere und Kritik offensichtlich geschlossen zusammen. "Unsere Mannschaft ist auch absolut darauf eingestellt und nimmt die Situation auch an", versicherte Clemens Fritz mit Blick auf die bedrohliche Lage. Er habe "eine absolute Überzeugung von unserer Mannschaft", meinte er weiter. "Wir haben die Qualität im Kader, auch wenn das immer wieder gesagt wird, dass wir es nicht hätten."

  • Situation der anderen

Werder dürfte davon profitieren, dass die beiden Tabellenletzten abgeschlagen sind. Die Heidenheimer stehen als Schlusslicht zwölf Punkte entfernt, die Wolfsburger sind nach dem 3:6 in Leverkusen weiter sieben Zähler zurück. Aktuell ist Bremen vor allem dem Relegationsrang gefährlich nah.

  • Frischer Wind durch Youngster

Schon in Berlin erzielte der junge Patrice Covic (18) sein erstes Tor. Gegen Leipzig belebte der spät eingewechselte Salim Musah die Offensive und erzielte den späten Anschlusstreffer - und damit sein erstes Ligator beim dritten Einsatz. Der Jungprofi profitierte auch von der Verletzungsmisere.

"Wir trauen ihm einiges zu. Er hat eine enorm hohe Qualität, ist sehr, sehr talentiert und darüber hinaus auch einer, der charakterlich absolut top ist", sagte Fritz über den in der Jugend der Bremer ausgebildeten 20-Jährigen. Die von Fritz beschriebene "Unbekümmertheit" Musahs könnte dem abstiegsbedrohten Club noch guttun.

Quelle: dpa

Regionales