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Niedersachsen & BremenPolitik-Stillstand verdüstert Aussichten für Agrarbranche

13.01.2026, 14:29 Uhr
Unklare-politische-Rahmenbedingungen-verunsichern-viele-Landwirte-die-daher-notwendige-Investitionen-aufschieben-daher-sind-die-Zukunftserwartungen-der-Branche-eher-verhalten-heisst-es-im-Konjunkturbarometer-Agribusiness

Viel verändert sich gerade in der Landwirtschaft: Ernährungsgewohnheiten ändern sich, Nachhaltigkeit wird wichtiger. Aber Aufbruchstimmung ist kaum zu spüren - was auch an der Politik liegt.

Hannover (dpa/lni) - Ob in der Ernährungswirtschaft oder in der Landtechnik: Die deutsche Agrarbranche steht vor einer eher ungewissen Zukunft. Sich ändernde Ernährungsgewohnheiten böten zwar Wachstumschancen, aber politischer Stillstand sorge für ungünstige Rahmenbedingungen, heißt es in dem Konjunkturbarometer Agribusiness 2026, das von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zusammen mit der Universität Göttingen erstellt und vorgestellt wurde.

Als Beispiel führte der Göttinger Wissenschaftler Stefan Seifert den Trend zu funktionalen Lebensmitteln an, also Lebensmittel, die auch einen Gesundheitsnutzen versprechen, etwa bei pflanzenbasierten Proteinen oder Ballaststoffen. Die Frage sei, ob Landwirte in Deutschland von Anbau und Produktion profitieren könnten.

Eher negative Zukunftserwartung

Zwar gebe es entsprechende positive politische Ziele, was sich etwa in der Eiweißpflanzenstrategie oder der Ackerbaustrategie zeige. "Wir sehen aber auch die mangelnde tatsächliche Unterstützung durch politische Rahmenbedingungen", sagte Seifert.

Insgesamt herrsche in der Ernährungswirtschaft daher eine eher negative Zukunftserwartung, negativer als in der übrigen gewerblichen Wirtschaft, erklärte Seifert. Darüber dürften auch die auf den ersten Blick passabel wirkenden Umsatzzahlen nicht hinwegtäuschen.

Umsatzplus von 3,5 Prozent

Insgesamt erzielte die deutsche Agrarbranche mit Ernährungswirtschaft und Landtechnik im vergangenen Jahr laut Prognose mit 299 Milliarden Euro einen um 3,5 Prozent höheren Umsatz als 2024. Allerdings war 2024 vom Umsatz her kein gutes Jahr. Und die Umsatzsteigerungen 2025 seien vor allem preisgetrieben.

Die Ernährungsindustrie setzte 240 Milliarden Euro um. Den größten Anteil daran hatten den Angaben zufolge die Fleischwirtschaft (51 Milliarden Euro) und die Milchwirtschaft (43 Milliarden Euro). Es bleibe abzuwarten, wie sich die Branche angesichts des Mercosur-Abkommens mit den südamerikanischen Ländern entwickeln werde, sagte Seifert. Auch wenn es frühestens 2027 in Kraft treten werde, seien für dieses Jahr schon Anpassungen zu erwarten.

Stillstand bei politischen Entscheidungen

Auch in der Fleisch- und in der Milchbranche erschwere die Politik mit unklaren Rahmenbedingungen Anpassungen an den Markt, sagte Seifert. Er verwies auf den Stillstand bei der Weiterentwicklung der Haltungskennzeichnungspflichten, was zu einer Verunsicherung bei den Landwirten führe, trotz entsprechender Nachfrage seitens der Verbraucher.

Auch im Milchbereich seien Investitionen im Bereich Nachhaltigkeit notwendig. "Ebenso wie in der Fleischwirtschaft sehen wir auch hier bei der Politik einen Mangel an klaren Signalen, wohin die Reise gehen soll." Die Konsequenz sei, dass notwendige Investitionen aufgeschoben würden, sagte Seifert.

Quelle: dpa

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