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Niedersachsen & BremenWelche Konsequenzen hat die Vogelgrippe-Welle?

04.01.2026, 06:01 Uhr
Die-Gefluegelpest-war-in-den-vergangenen-Wochen-eine-grosse-Belastung-fuer-betroffene-Betriebe

Vogelgrippe-Ausbrüche gab es schon viele in Niedersachsen. Aber keine hatte bislang die Tötung von so vielen Tieren zur Folge, wie es zuletzt notwendig war.

Hannover (dpa/lni) - Die Vogelgrippe ist in den vergangenen Wochen eines der wichtigsten Themen in der niedersächsischen Landwirtschaft gewesen: Insgesamt wurden im Jahr 2025 mehr als 1,7 Millionen Tiere aus Seuchenschutzgründen getötet - das waren so viele Tiere wie noch nie seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen. Der Großteil der Ausbrüche spielte sich zwischen Anfang Oktober und kurz vor Weihnachten ab.

Bei der Frage, welche Lehren daraus zu ziehen sind, kommen von der Landwirtschaftsministerin und dem Landvolk teils unterschiedliche Vorschläge. Fest steht: Niedersachsen ist mit mehr als 100 Millionen gehaltenen Geflügeltieren das Geflügelland Nummer eins in Deutschland - die Folgen dieses Seuchengeschehens treffen das Land härter als andere.

Landvolk will leichteren Bau von neuen Ställen

Der Präsident des Landesbauernverbandes Landvolk, Holger Hennies, ruft die Politik zu Bürokratieabbau auf. "Wir würden es sehr begrüßen, wenn wir wieder mehr Ställe in Regionen bauen dürften, wo die Nutztierhaltung weniger dicht ist", sagte Hennies. Aber solche Vorhaben würden derzeit kaum genehmigt.

Dass vor allem die Regionen mit hoher Tierdichte von Krankheits-Ausbrüchen betroffen seien, liege nicht an der mangelnden Sorgfalt der Tierhalter. "Das ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit - wenn Sie in der Region Hannover nur einen oder zwei Putenställe haben, ist das Risiko, dass die betroffen sind, viel geringer als in Landkreisen mit einer hohen Besatzdichte."

Hähnchenmäster brauchen mehr Stallkapazitäten

"Gerade von den Hähnchenmästern weiß ich, dass sie händeringend neue Ställe bauen wollen, und die bekommen sie gerade im Osten Niedersachsens fast nicht genehmigt", erklärte Hennies. Das Bau- und Immissionsschutzrecht müsse wieder so "schlank" werden, dass der Bau von Ställen wieder möglich werde.

Geflügelbranche steht gut da

Die Geflügelbranche sei der landwirtschaftliche Bereich gewesen, der vor Ausbruch der Geflügelpest im Herbst noch am besten dastand, sagte Hennies. "Weiterhin haben die nicht betroffenen Betriebe gute Marktchancen." Aber für die betroffenen Tierhalter sei die Tierseuche ein emotional und wirtschaftlich sehr belastendes Problem. "Wirtschaftlich ist das in der Regel ein großer Schaden, auch wenn ein Teil versichert ist", sagte Hennies. Es lasse sich aber nicht alles absichern.

Risiken müssen weiter minimiert werden

Die Risikovorsorge müsse sicherlich noch weiter verbessert werden, sagte Hennies. Es sei aber falsch, für die große Verbreitung die moderne Tierhaltung verantwortlich zu machen. Es seien ihm keine Sekundärinfektionen bekannt, sagte der Landvolk-Präsident - das heiße, der Virus sei nicht von Haltung zu Haltung weitergegeben worden.

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) sieht bei den Sicherheitsmaßnahmen auf den Betrieben gegen ein Einschleppen des Virus noch Verbesserungsmöglichkeiten. "Wir müssen schauen, ob wir den Zutritt zu den Ställen weiter begrenzen, Stichwort Fremdarbeitskräfte", sagte die Politikerin.

Höherstufung bei Tierseuchenkasse im Schadensfall?

Es gebe auch die Idee, betroffene Betriebe bei den Beiträgen zur Tierseuchenkasse hochzustufen, ähnlich wie bei der Autoversicherung: "Es ist nämlich auch rückblickend festgestellt worden, dass einige Betriebe in den vergangenen Jahren mehrfach betroffen waren, und andere gar nicht." Grundsätzlich seien die Biosicherheitsmaßnahmen in Deutschland aber auf einem hohen Niveau, erklärte Staudte.

Gefahr der Ansteckung bei anderen Arten

Staudte wies auch auf die latente Gefahr hin, dass sich die Vogelgrippe auch auf andere Arten ausbreiten könne. Sie habe das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) schon vor zwei Jahren gebeten, ein Katzenmonitoring vorzunehmen, weil es in Polen bereits Fälle gegeben habe, wo die Geflügelpest auf Katzen übergesprungen sei.

Perspektivisch halte sie es für notwendig, dass es in einigen Regionen eine geringere Besatzdichte bei Geflügelhaltungen gebe. Durch die Konzentration gebe es zwar auch wirtschaftliche Vorteile, aber auch das Risiko einer Krankheitsübertragung nehme zu. "Resilienz steht eigentlich im Gegensatz zur Effizienz, weil man Risikostreuung und Entzerrung braucht", sagte Staudte.

Quelle: dpa

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