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Niedersachsen & BremenWie oft junge Menschen zu Tatverdächtigen werden

30.06.2026, 13:21 Uhr
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Werden Kinder oder Jugendliche kriminell, sorgt das oft für Aufsehen - die Gesellschaft sieht ganz genau hin. Doch die Zahl der Tatverdächtigen und Taten sinkt. Nur nicht überall gleich stark.

Hannover (dpa/lni) - Kinder im Alter unter zehn Jahren werden in Niedersachsen immer häufiger zu Ersttätern. Lag ihr Anteil 2012 noch bei 1,0 Prozent aller Ersttäter, wuchs dieser Anteil bis zum vergangenen Jahr auf 2,4 Prozent, wie das niedersächsische Landeskriminalamt zu einer entsprechenden Statistik mitteilte. Insgesamt wurden junge Menschen im Alter unter 21 im vergangenen Jahr aber seltener kriminell - schaut man allerdings auf Taten wie Körperverletzung oder Raub, fällt der Rückgang weniger stark aus.

Die meisten Tatverdächtigen sind junge Männer

Laut polizeilicher Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr 56.643 Fälle mit jungen Tatverdächtigen aufgeklärt - 9,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der jungen Tatverdächtigen wiederum sank um 4,55 Prozent auf 45.173. Etwa drei Viertel der Tatverdächtigen waren junge Männer. Die Kriminalstatistik bildet laut Landeskriminalamt das polizeilich bekannte Hellfeld ab, ein vollständiges Abbild der Kriminalität bietet sie nicht.

"Der Rückgang der Fall- und Tatverdächtigenzahlen ist erfreulich, aber kein Grund zur Entwarnung", sagte Thorsten Massinger, der Präsident des Landeskriminalamts. "Hinter den Zahlen stehen weiterhin junge Menschen, die früh mit Gewalt in Berührung kommen - als Tatverdächtige ebenso wie als Opfer."

Bei den sogenannten Rohheitsdelikten - wie etwa Körperverletzung oder Raub - sank die Zahl aller jungen Tatverdächtigen unter 21 um 3,4 Prozent auf 15.243. Die Zahl verdächtiger Kinder unter 14 Jahren blieb dagegen den Zahlen zufolge fast gleich. Einen Rückgang gab es bei Messerangriffen: Im vergangenen Jahr wurden 645 junge Verdächtige ermittelt - nach 718 ein Jahr zuvor. Bei Kindern allerdings bot sich ein anderes Bild: Die Zahl stieg leicht.

"Angemessene Reaktionen auf Fehlverhalten" angemahnt

Einen deutlichen Rückgang verbuchten die Ermittler bei Fällen von Diebstahl: Die Zahl der jungen Verdächtigen sank den Angaben zufolge um 12,55 Prozent auf 11.738, beim Ladendiebstahl war der Rückgang sogar noch deutlicher. Auch Taten an Schulen gaben nach - und sanken unter das Vor-Corona-Niveau von 2019.

Tatverdächtige Kinder, Rohheitsdelikte und Gewalt an Schulen müssten besonders aufmerksam beobachtet werden, betonte Tilman Wesely vom Dezernat Forschung, Prävention, Jugend des Landeskriminalamts. Gerade bei Kindern und Jugendlichen brauche es "angemessene Reaktionen auf Fehlverhalten und gemeinsame Anstrengungen in der Prävention". Er sprach sich für eine dauerhafte Zusammenarbeit von Schulen, Jugendhilfe, Justiz, Kommunen und Polizei aus.

Entwicklungen rechtzeitig erkennen

Massinger sagte, die Polizei sei ein wichtiger Teil des Netzwerks, könne aber allein "Jugenddelinquenz allerdings nicht lösen". Es müsse geschaut werden, wo es Hemmnisse zwischen Behörden und Institutionen gebe: "Nur so können wir problematische Entwicklungen bei jungen Menschen erkennen, bevor aus einzelnen Straftaten kriminelle Karrieren werden", betonte er.

Die Ursachen sogenannter Jugenddelinquenz sind laut Landeskriminalamt vielschichtig, Risiken sowie mögliche Schutzfaktoren lägen oft im sozialen Umfeld, in Familie und Schule. Im Kindesalter müssten Konfliktfähigkeit, Umgang mit Emotionen und Frustrationstoleranz erst erlernt werden. Junge Menschen seien leicht beeinflussbar, urteilte die Behörde mit Blick etwa auf soziale Medien.

Quelle: dpa

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