Nordrhein-WestfalenEin Fest für die Augen und ein riesiger Baum aus Licht

Der Gasometer in Oberhausen inszeniert einen Mythos: den Wald. Zu sehen gibt es knorrige Bäume, schillernde Tiere - und die wohl größte Indoor-Lichtskulptur der Welt.
Oberhausen (dpa/lnw) - Von der Wurzel bis in die Baumkrone leuchtet, blinkt und pulsiert es. 35 Meter hoch ist der alte, knorrige Baum. Unbeweglich steht er da - doch Millionen kleiner Lichter machen anschaulich, wie viel Leben in den Wurzeln, dem Stamm und den Blättern steckt.
Der Baum ist die wohl größte Indoor-Lichtskulptur der Welt - und der Höhepunkt der neuen Ausstellung im Gasometer Oberhausen, die am Freitag beginnt. Mit "Mythos Wald" will der Gasometer an die Erfolge der vergangenen Jahre anknüpfen. Die zurückliegenden Ausstellungen haben ein Millionenpublikum in den alten Gasspeicher gelockt und den Gasometer gerade für Familien zu einem Ausflugsziel gemacht.
Bäume faszinieren viele Künstler
Unter dem Baum aus Licht in Oberhausen können die Besucher es sich in Sitzsäcken gemütlich machen und zu der eigens komponierten Musik beobachten, wie sich der Baum im Laufe der Jahreszeiten bei Wind und Wetter verändert. Es blitzt, es stürmt, Lebensenergie strömt von den Wurzeln durch die Äste in das Blattwerk.
"Bäume sind Lebewesen. Sie atmen, sie pflanzen sich fort, sie ernähren sich und haben einen unglaublich komplexen Stoffwechsel", sagt Michael Mondria vom österreichischen Medienkunst-Netzwerk Ars Electronica Solutions, das den Baum aus Licht geschaffen hat. Von außen sieht man normalerweise nichts davon. Deshalb sei es eine faszinierende Arbeit gewesen, die Abläufe in einem Baum sichtbar werden zu lassen.
Metergroße Fotografien setzen den Wald in Szene
Um die Lichtinstallation herum sind die Ausstellungsmacher ihrem Konzept der vergangenen Jahre treu geblieben: Auf zwei Etagen hängen herausragende Fotografien, teils mehrere Meter groß.
Sie zeigen mystische Wälder, knorrige Eichen, leuchtende Fliegenpilze und schillernde Insekten. Es gehe darum, die atemberaubende Schönheit der Wälder in Deutschland und auf der ganzen Welt zu zeigen, sagt Kuratorin Jeanette Schmitz.
Mit der aufgehenden Sonne um die Welt
In einer Klang-Installation gehen die Besucher auf die Reise mit dem Sonnenaufgang: Chris Watson, ein Spezialist für Naturklangaufnahmen, hat auf fünf Kontinenten den Klang der erwachenden Wälder bei Tagesanbruch aufgenommen.
Zwölf Minuten lauschen die Besucher den Rufen von Tieren, die gerade von den ersten Sonnenstrahlen geweckt werden. Ein Besuch von "Mythos Wald" hat auf jeden Fall auch etwas Meditatives.
Ausstellung wirkt durch Schönheit und Emotionen
Die Ausstellung will nicht oberflächlich sein und zeigt auch die Zerstörung von Lebensräumen und die Bedeutung der Bäume als Lunge der Erde. Aber in erster Linie wirkt "Mythos Wald" über die Ästhetik der Natur, über die Schönheit von Farben, Licht und Klang.
Dabei gibt auch der in den 1920er Jahren erbaute Gasometer der Ausstellung einen ganz eigenen Charakter. Alles ist hier eine Nummer größer als anderswo - schließlich befindet man sich in einem der größten Gasbehälter Europas. 1988, nach dem Niedergang der Schwerindustrie, wurde das weithin sichtbare Wahrzeichen der Region stillgelegt und schließlich umgebaut.
Heute gilt der 100 Meter hohe Innenraum als die größte Ausstellungshalle in Europa. Zuletzt war dort im Rahmen der Schau "Planet Ozean" auf einer 40 Meter hohen Leinwand eine animierte Unterwasserwelt zu sehen. 1,5 Millionen Besucher kamen. Davor hatte eine mit 70 Millionen Pixeln animierte riesige Erdkugel mehr als 1,3 Millionen Besucher angezogen.
Schnellerer Einlass mit Online-Ticket
Die Ausstellung "Mythos Wald" öffnet am Freitag für das Publikum und ist zunächst bis zum 30. Dezember 2026 geplant. Gerade zu Beginn dürfte es erfahrungsgemäß voll werden am Einlass. Wer seine Eintrittskarte vorab online kauft, kommt schneller in die Ausstellung. Auch mit der Ruhrtopcard kann man direkt zum Einlass gehen und muss nicht vorher noch ein Ticket kaufen.
Übrigens ist der Gasometer im Winter nicht beheizt und im Sommer nicht klimatisiert. Man sollte sich also entsprechend der Außentemperaturen anziehen.
Wer die Ausstellung besucht, kann auch auf die 117,5 Meter hohe Aussichtsplattform des Gasometers steigen - mit einem Rundumblick über das Ruhrgebiet und den Rhein-Herne-Kanal.