Nordrhein-WestfalenFamilienbericht: Frauen treten beruflich kürzer als Männer

Erstmals seit elf Jahren beleuchtet ein Bericht wieder die Lage der Familien in NRW. Ein Jahrzehnt der Krisen von Corona bis zu Kriegen hinterlässt auch Spuren im Familienleben.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt in Nordrhein-Westfalen eine zentrale Herausforderung vor allem für Frauen. Nach wie vor treten Frauen beruflich kürzer als Männer, wie aus dem neuen Familienbericht der schwarz-grünen Landesregierung hervorgeht.
Bei den Männern ist die Wochenarbeitszeit im zuletzt erfassten Jahr 2024 demnach leicht auf durchschnittlich 39 Wochenstunden gesunken. Gleichzeitig ist bei den Müttern der Umfang ihrer Erwerbstätigkeit zuletzt etwas angestiegen und liegt jetzt bei durchschnittlich 27 Stunden pro Woche. Die Wochenarbeitszeit von Müttern ist damit aber weiterhin deutlich geringer als die von Vätern.
Kinderbetreuung werde immer noch zum großen Teil von Frauen gestemmt, auch wenn sie gleich viel arbeiteten wie Männer, sagte NRW-Familienministerin Verena Schäffer (Grüne). An Werktagen wendeten Mütter doppelt so viel Stunden für Kinder und Haushalt auf wie Väter.
Die meisten Familien schätzen dem Bericht zufolge ihre Lage als gut ein, obwohl sie sich belastet sehen durch Krisen, wirtschaftliche Unsicherheit, Armutsrisiken und ungleiche Teilhabechancen.
Jede zweite Familie mit Migrationshintergrund
Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen lebten 2024 gut 2,55 Millionen Familien, darunter knapp 1,8 Millionen Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind. Etwa die Hälfte der insgesamt rund 18 Millionen Menschen lebt in einer Familie. Fast jede zweite Familie mit Kindern unter 18 Jahren in NRW (49 Prozent) hatte 2022 einen Migrationshintergrund. Das waren zusammen rund 895.850 Familien
Familienleben ist dabei vielfältiger denn je. Neben Ehepaaren mit Kindern gehören Alleinerziehende, nicht verheiratete Lebensgemeinschaften, Patchworkfamilien und Regenbogenfamilien fest zur gesellschaftlichen Realität.
Jeder zehnte Elternteil ohne Schulabschluss
Dem Bericht zufolge hat jede zehnte Mutter oder jeder zehnte Vater in Familien mit minderjährigen Kindern keinen Schulabschluss. Fast ein Drittel der Väter oder Mütter hat keinen beruflichen Abschluss.
Mit dem neuen Familienbericht legt die Landesregierung erstmals seit 2015 eine ausführliche wissenschaftliche Bestandsaufnahme der Lebenslagen von Familien in NRW vor. Erstellt hat den Bericht das Deutsche Jugendinstitut (DJI) im Auftrag des Familienministeriums. Grundlage sind unter anderem amtliche Statistiken, Sonderauswertungen des Statistischen Landesamts, Daten aus DJI-Studien sowie landespezifische Befragungen und Erfahrungen aus landesweiten Familiendialogen.