Regionalnachrichten

Nordrhein-WestfalenGemeinsam bei der WM jubeln? Vieles hängt an der Gastronomie

15.04.2026, 04:05 Uhr
In-vielen-Grossstaedten-sind-keine-Grossveranstaltungen-zur-WM-geplant
(Foto: Christoph Soeder/dpa)

Vor zwei Jahren zur Fußball-EM in Deutschland drängten sich die Fans vielerorts vor den Leinwänden. Ein solches Spektakel ist bei der WM nicht zu erwarten. Zudem kann die Uhrzeit ein Problem sein.

Köln/Dortmund (dpa/lnw) - Spezielle Fanmeilen wie an den Spielorten der Fußball-EM 2024 sind bei der anstehenden Weltmeisterschaft nicht in Vorbereitung: Viele Großstädte planen keine kommunale Public-Viewing-Veranstaltung für die Fans. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den zehn größten Städten in Nordrhein-Westfalen ergeben.

In Dortmund hieß es, aktuell gebe es keinen Beschluss für ein städtisches Public Viewing. Bis zum Beginn der Fußball-WM im Juni sei aber auch noch Zeit. In vielen Städten richten sich die Blicke deshalb zumeist auf die Gastronomie, für die das sportliche Großereignis nach Verbandsangaben ein Thema ist.

"Public Viewing wird in der Regel von privaten Veranstaltern organisiert und von den Behörden genehmigt. Eigene Großveranstaltungen der Städte sind eher die Ausnahme. Wir gehen davon aus, dass es auch bei dieser WM so bleibt", sagte Christian Schuchardt, Geschäftsführer des Städtetages NRW.

Herausfordernd bei der in WM in den USA, Kanada und Mexiko ist nach seiner Einschätzung vor allem die Zeitverschiebung: Viele Fußball-Spiele würden erst spät übertragen und enden dann teils deutlich nach Mitternacht.

Wann spielt Deutschland?

Die WM in Nordamerika und damit in anderen Zeitzonen beginnt am 11. Juni. Die drei Gruppenspiele der DFB-Auswahl werden einmal um 19.00 Uhr und zweimal um 22.00 Uhr deutscher Zeit angepfiffen. Andere Vorrundenpartien finden aber erst ab Mitternacht deutscher Zeit oder sogar noch später statt. Das WM-Endspiel beginnt am 19. Juli um 21.00 Uhr deutscher Zeit.

Nachtruhe kontra Begeisterung?

"Die bisherigen Ausnahmen bei der Nachtruhe – meist bis 24 Uhr oder 1 Uhr – stoßen hier an Grenzen. Deshalb kommt es stärker auf Einzelfallentscheidungen vor Ort an", erklärte der Geschäftsführer des Verbandes. Sicherheitsfragen spielten bei der Genehmigung eine zentrale Rolle. Städte würden im Einzelfall sorgfältig abwägen, ob und unter welchen Voraussetzungen Veranstaltungen stattfinden können. Dabei könnten auch zusätzliche Anforderungen an Ordnung und Sicherheit sowie mögliche Mehrkosten eine Rolle spielen, ergänzte er.

Rechnet sich der Mehraufwand?

Nach Einschätzung des Branchenverbandes Dehoga NRW, wird es Angebote in der Gastronomie für Fans geben, Spiele zusammen schauen zu können. Jeder Gastronom werde für sich abwägen, welcher Aufwand sich lohnt - etwa neue Leinwände. Wie erfolgreich die Fußball-WM für die Gastronomie verlaufe, hänge ganz wesentlich vom Turnierverlauf für deutsche Nationalmannschaft ab, sagte ein Sprecher des Verbandes. Je weiter, desto besser seien die Aussichten.

Jubeln im Biergarten?

Im Sommer habe die Außengastronomie einen besonderen Stellenwert. Hier spielten für die Gastronomie die Lärmschutz-Regelungen eine wichtige Rolle.

Wie ist das Verfahren?

Nach dem Immissionsschutzgesetz des Landes gelte zwischen 22.00 und 6.00 Uhr grundsätzlich Nachtruhe, hatte das NRW-Umweltministerium erklärt. Die Kommunen könnten aber in Ausnahmefällen einen Antrag stellen, davon Abstand zu nehmen. Selbstverständlich gelte es auch schutzwürdige Interessen von Anwohnern zu berücksichtigen. Den Kommunen sei es überlassen abzuwägen, denn in jeder Stadt seien die Bedingungen andere. Erfahrungsgemäß wird es zum Lärmschutz einen Erlass des Landes geben.

Liegen schon viele Anträge vor?

In Köln lagen der Stadtverwaltung bis Mitte der vergangenen Woche keine konkreten Anträge auf Public Viewing für den öffentlichen Raum vor. Auch zu Veranstaltungen auf Privatgelände habe es keine Anträge beim Ordnungsamt der Stadt Köln gegeben, erklärte ein Stadtsprecher. Ein ähnliches Bild ergab sich etwa auch in Düsseldorf, Essen, Münster und Bielefeld. In Duisburg hatten bis Mitte vergangener Woche bereits neun Gaststätten und Biergärten Anträge für kleinere Public-Viewing-Veranstaltungen eingereicht, sagte ein Sprecher.

Wird das Ordnungsamt Präsenz zeigen?

In einigen Großstädten beschäftigt sich bereits das Ordnungsamt mit dem Spielplan. So prüft in Köln das Ordnungsamt für die Einsatzplanung, "wie, wo und zu welchen Partien der Außendienst schwerpunktmäßig eingesetzt werden muss." In Düsseldorf ist das ähnlich. "Die Erfahrungen der letzten Meisterschaften zeigen aber, dass sich die Dynamik solcher Wettbewerbe Jahr für Jahr unterscheidet", erklärte eine Sprecherin der Stadt. Mal sei es die Anteilnahme am Erfolg der deutschen oder anderer Nationalmannschaften oder auch mal WM-Trends zu Musikinstrumenten, die zu besonderen Lagen führten.

Quelle: dpa

Regionales