Nordrhein-WestfalenHeftiger Protest in Duisburg gegen A59-Ausbau als Hochstraße

Der Bau der neuen A59-Brücke in Duisburg startet – doch starke Proteste begleiten das Projekt. Die Stadt kämpft gegen die geplante Hochstraße - falls kein Tunnel kommt, denkt sie an eine Klage.
Duisburg (dpa/lnw) - In Duisburg regt sich heftiger und parteiübergreifender Protest gegen den geplanten sechsspurigen Ausbau der Autobahn 59 in teilweiser Hochlage. Das Projekt würde eine fast 50 Meter breite Schneise durch die Stadt schlagen, wenn es wie vom Bund vorgesehen in Hochlage errichtet werde, sagte Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) bei einem Termin mit Vertretern fast aller Ratsfraktionen nahe der Trasse.
"Dann sehen manche Menschen wegen der riesigen Schallschutzwände nur noch eineinhalb Stunden die Sonne." Die Stadt werden dagegen "alles tun, was politisch geht und was juristisch geht", sagt Link. Die Stadt fordert eine Tunnellösung, die von der Autobahn GmbH des Bundes aber als zu teuer und zeitaufwendig abgelehnt wird.
Wenn der Bund von seinen Planungen nicht abrücke, würden Stadtspitze und Stadtrat eine Klage prüfen, sagte auch der Stadtentwicklungsbeigeordnete Martin Linne. Eine solche Klage könnte den Bau vermutlich um Jahre verzögern.
Spatenstich als Auftakt für sechsspurigen Ausbau
Am Nachmittag beginnt mit dem symbolischen Spatenstich der Neubau der maroden A59-Brücke. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat sich dazu angekündigt. Der Umbau der Brücke selbst und weiterer Bauwerke über insgesamt 1,8 Kilometer ist dabei völlig unstrittig, wie Link betonte. Im Herbst 2029 soll das erste Teilbauwerk der neuen Brücke nach den Planungen der Autobahn GmbH fertig sein.
Das Projekt ist aber nur der Auftakt für einen deutlich weitergehenden Ausbau der Autobahn in der Ruhrgebietsstadt über 6,7 Kilometer. Die Pläne dazu lehnen viele Bürger und die Stadt vehement ab. Ein Bürgerverein im von den Ausbauplänen besonders betroffenen Ortsteil Meiderich sowie zahlreiche Bürger demonstrierten am Rande des Spatenstichs mit Rasseln, Trommeln und Fanfaren gegen das Projekt.
Aus Sicht der Anwohner droht dem Duisburger Norden eine Autobahn mit einer "Regelbreite" von 46 Meter - teils mit nur zehn Metern Abstand zur nächsten Bebauung und riesigen Schallschutzwänden in den Vorgärten. Anwohner und Stadt kämpfen seit Jahren gegen die Pläne.
"Jahrelanger Protest ignoriert - das ist menschenverachtend"
"Unser Auflehnen seit über sieben Jahren, über 1.400 schriftliche Einwendungen gegen die Hochtrasse (...) – warum wird das in keinster Weise berücksichtigt? Das ist menschenverachtend!", schreibt der Bürgerverein in einem Protestaufruf.
Die Autobahn GmbH des Bundes verweist dagegen auf geplante Lärmschutzmaßnahmen und argumentiert, dass ein Tunnel nicht nur rund 2,3 Milliarden Euro mehr kosten, sondern die Bauzeit auf zwölf Jahre annähernd verdoppeln würde.
Nach einer neueren Machbarkeitsstudie wäre die Nutzung des geforderten Tunnels durch Gefahrgut- und Schwerverkehr auch gar nicht möglich, so die Autobahn GmbH. Dieses Argument lehnt Linne als unzutreffend ab. Es gebe bundesweit zahlreiche Beispiele für solche Tunnel.