Nordrhein-WestfalenKölner Priester Meurer mit Mevlüde-Genç-Medaille geehrt

Pfarrer Meurer kämpft seit Jahrzehnten gegen Ausgrenzung und Armut. Jetzt wurde sein unermüdlicher Einsatz für ein friedliches Miteinander mit einer besonderen Medaille ausgezeichnet.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Ein Brückenbauer für Mitmenschlichkeit: Der langjährige Kölner Pfarrer Franz Meurer ist für seine Verdienste um den gesellschaftlichen Zusammenhalt mit der Mevlüde-Genç-Medaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden.
"Sie bauen Brücken zwischen Alteingesessenen und Neuangekommenen, zwischen Christen und Muslimen, zwischen Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten", sagte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) bei der Verleihung. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zunähmen und Menschen immer häufiger gegeneinander ausgespielt würden, sei Meurers Engagement für ein friedliches Miteinander von unschätzbarem Wert.
Landesweit ist der katholische Geistliche vielen Menschen durch die Hörfunkandacht auf WDR 2 bekannt. Meurer wurde 1951 in Köln geboren und 1978 zum Priester geweiht. Seit vielen Jahren prägt er als Pfarrer der Kirchengemeinde St. Theodor und St. Elisabeth in Köln-Vingst und Höhenberg das soziale und gesellschaftliche Leben in den Stadtteilen.
Wüst sagte, in der Gesellschaft werde Hass immer lauter, schriller und präsenter. Von Fremdenfeindlichkeit über Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Queerfeindlichkeit habe Hass viele Gesichter. Einige politische Kräfte im Land schürten den Hass weiter. "Hass ist der größte Feind des friedlichen Zusammenlebens", sagte Wüst. "Hass ist wie ein wachsendes schwarzes Loch, das alles Gute aufsaugt und verschlingt."
Vorbild für Versöhnung: Mevlüde Genç
Die Mevlüde-Genç-Medaille erinnert an die Brandnacht von Solingen am 29. Mai 1993. Damals warfen vier Jugendliche Brandsätze in das Haus der türkischstämmigen Familie Genç. Mevlüde und ihr Mann Durmuş Genç verloren zwei Töchter, zwei Enkelkinder und eine Nichte, 17 Familienmitglieder wurden zum Teil sehr schwer verletzt. Schon kurz nach dem Attentat rief Mevlüde Genç (1943-2022) zur Versöhnung auf und mahnte immer wieder, dass dem Hass Einhalt geboten werden müsse.
Die NRW-Landesregierung stiftete 2018 die Mevlüde-Genç-Medaille für besondere Verdienste um Toleranz, Versöhnung zwischen den Kulturen und um das friedliche Miteinander der Religionen. Im vergangenen Jahr war der Fußballspieler und ehemalige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, Ilkay Gündoğan, ausgezeichnet worden.