Nordrhein-WestfalenKrankenpfleger schweigt zu Missbrauchs-Vorwürfen

Ein Krankenpfleger soll in zwei Krankenhäusern im Ruhrgebiet zum Teil bewusstlose Patienten sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Jetzt steht der 32-Jährige vor Gericht.
Essen (dpa/lnw) - Nach einer Serie von Sexualstraftaten muss sich ein Krankenpfleger seit Montag in Essen vor Gericht verantworten. Dem 32-Jährigen wird vorgeworfen, in zwei Krankenhäusern in Essen und Dortmund insgesamt fünf Patienten sexuell missbraucht sowie dabei gefilmt und fotografiert zu haben – vier Frauen und einen Mann. Nur das jüngste der zur Tatzeit 14 bis 43 Jahre alten Opfer war laut Anklage bei Bewusstsein. Alle anderen sollen nach zum Teil schweren Operationen noch narkotisiert gewesen sein. Zum Prozessauftakt am Essener Landgericht äußerte sich der Angeklagte aus Dortmund nicht zu den Vorwürfen.
Taten in Essener und Dortmunder Kliniken
Laut Staatsanwaltschaft passierten vier der fünf angeklagten Missbrauchstaten im Uniklinikum Essen. Davon gibt es laut Anklage Videos und Fotos, auf denen die Patienten zu erkennen sind. Zu einer weiteren Tat soll es in einem Dortmunder Krankenhaus gekommen sein. Dort konnte laut Anklage jedoch weder die Klinik noch die Identität des Opfers festgestellt werden.
Einen Teil der angefertigten Fotos und Videos soll der Krankenpfleger einer Bekannten geschickt haben, die ebenfalls angeklagt ist. Außerdem soll er vor, während und nach den Taten mit der 30-Jährigen gechattet haben. Einmal ging es dabei laut Anklage auch um eine mögliche Schwangerschaft einer gerade vergewaltigten Patientin. Dazu soll der 32-Jährige unter anderem die Worte "Ich bin schon schlimm" geschrieben haben.
Aufnahmen im OP und Kinderpornografie
Im Prozess geht es zudem um Fotos, die der Angeklagte von zwei Männern auf dem Operationstisch gemacht haben soll. Einer war bereits verstorben. Zusätzlich sollen auf seinem Handy zahlreiche Kinderporno-Dateien gefunden worden sein.
Der 32-jährigen Mitangeklagten wird vorgeworfen, den Krankenpfleger zum Teil zu den Taten angestiftet zu haben. Auch sie äußerte sich zum Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen.
Laut Staatsanwaltschaft muss im Falle einer Verurteilung des Krankenpflegers auch die anschließende und unbefristete Unterbringung des 32-Jährigen in der Sicherungsverwahrung geprüft werden. Mit Urteilen ist voraussichtlich Ende April zu rechnen.