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Nordrhein-WestfalenLebenslange Haft für Raser von Remscheid beantragt

05.05.2026, 15:06 Uhr
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Der Staatsanwalt fordert für den Raser von Remscheid lebenslange Haft wegen Mordes. Die Verteidigung sieht nur fahrlässige Tötung als erwiesen.

Wuppertal (dpa/lnw) - Im Mordprozess gegen den Raser von Remscheid hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für den jungen Mann beantragt. Der 25-Jährige habe den Tod von Menschen in Kauf genommen, als er Vollgas gab, um mit seinem hochmotorisierten Wagen anzugeben, sagte der Staatsanwalt in seinem Schlussvortrag am Wuppertaler Landgericht. Zudem beantragte er lebenslangen Führerscheinentzug.

Durch die Luft geschleudert

Zwei junge Frauen waren 30. April vergangenen Jahres in Remscheid von dem PS-Boliden mit dem betrunkenen 25-Jährigen am Steuer erfasst und durch die Luft geschleudert worden. Der Wagen war beim Anfahren ausgebrochen und auf den Bürgersteig geraten, wo er die zwei jungen Frauen überfuhr. Eine 19-Jährige starb, ihre Freundin überlebte schwer verletzt.

Der deutsche Angeklagte hatte bereits eingeräumt, gefahren zu sein, er bestritt jedoch einen Tötungsvorsatz. Er sei kein Mörder. Eine Blutprobe hatte bei ihm einen Alkoholwert von 1,46 Promille ergeben.

Verteidiger sieht Selbstüberschätzung

Der Staatsanwalt verwies auf zahlreiche halsbrecherische Fahrmanöver des Angeklagten, die auf Videos dokumentiert seien. Seine Rücksichtslosigkeit sei kein Einzelfall gewesen, andere Verkehrsteilnehmer seien ihm egal gewesen. Technische Mängel am Fahrzeug hatten die Sachverständigen nicht festgestellt.

Die Verteidigung widersprach dem Mordvorwurf. Der 25-Jährige habe zwar rücksichtslos gehandelt, aber nicht mit Vorsatz. Vielmehr habe er einen Fahrfehler gemacht, verbunden mit erheblicher Selbstüberschätzung. Er habe geglaubt, den Wagen kontrollieren zu können. Eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung sei angemessen, eine lebenslange Freiheitsstrafe hingegen nicht.

Die Mutter der getöteten Hanna erklärte, sie lebe mit dem bleibenden Schmerz, ihr Kind nicht beschützt zu haben. Die Überlebende sagte, ihr Leben werde nie wieder unbeschwert sein.

"Tickende Zeitbombe"

Videos früherer Fahrten zeigten, wie der 25-Jährige innerorts auf Tempo 151 beschleunigte und auf einer Landstraße auf 217 Stundenkilometer, schilderte der Staatsanwalt. Zwischenzeitlich habe er die PS-Zahl seines Sportwagens von 639 auf 850 steigern lassen. Zum Unfallzeitpunkt seien es über 720 PS gewesen - eine Betriebserlaubnis dafür hatte der Mann nicht.

Autos hätten eine prägende Rolle in seinem Leben eingenommen. Er sei unkontrolliert schnell gefahren, ohne Rücksicht auf Verluste. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis jemand verletzt oder getötet wurde. "Er war eine tickende Zeitbombe", sagte der Staatsanwalt.

Das letzte Wort hatte der Angeklagte: "Ich bereue zutiefst, was ich getan habe. Ich kann es nicht ungeschehen machen, kann Sie nur um Vergebung bitten."

Quelle: dpa

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