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Nordrhein-WestfalenMordprozess: Raser-Auto war frisiert

27.02.2026, 13:16 Uhr
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Todesdrohung gegen Zeugin und ein frisiertes Auto: Im Mordprozess um die getötete 19-Jährige werden immer mehr brisante Details bekannt. Die Staatsanwaltschaft hat neue Ermittlungen eingeleitet.

Wuppertal (dpa/lnw) - Der Sportwagen, mit dem eine junge Frau in Remscheid getötet wurde, war manipuliert. Er habe statt der zugelassenen rund 640 PS auf dem Prüfstand eine Leistung von 727 PS gemessen, sagte ein Sachverständiger in dem Mordprozess am Wuppertaler Landgericht aus. Die Veränderung sei nicht eingetragen gewesen, womit die Betriebserlaubnis erloschen sei.

Woher die höhere Leistung kommt, sei ohne weitergehende Analyse nicht zu sagen. Es seien Eingriffe in die Software oder den Motor denkbar. Er habe auch Veränderungen an der Auspuffanlage festgestellt, sagte der Sachverständige. Dabei sei es aber wohl nur um den "Sound" gegangen.

Unterdessen wurde bekannt, dass eine Ex-Freundin des Angeklagten mit dem Tode bedroht worden sein soll: Wenn sie gegen den Angeklagten vor Gericht aussage, werde man ihr in den Kopf schießen. Die Frau sagte trotzdem aus. Man habe wegen der Drohung aber Ermittlungen eingeleitet, sagte ein Sprecher der Wuppertaler Staatsanwaltschaft. Es gehe um versuchte Anstiftung zur Falschaussage.

Der Unbekannte habe offenbar verhindern wollen, dass die Frau aussagt, vom Angeklagten bei einem Streit mit dem Auto angefahren worden zu sein.

Für den Tod verantwortlich

Der Angeklagte (25) hat bereits gestanden, für den Tod einer 19-Jährigen verantwortlich zu sein. Er habe angetrunken mit seinem Auto angeben wollen. Das sei leichtsinnig und rücksichtslos gewesen, aber ein Mörder sei er nicht. Bei der Tat war noch eine zweite Frau mit dem Wagen erfasst und schwer verletzt worden.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte der Unternehmer-Sohn bei dem Versuch, mit seinem Wagen zu driften, bereits nach einer Sekunde die Kontrolle verloren und trotzdem weiter beschleunigt statt zu bremsen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Deutschen Mord, versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung, ein verbotenes Autorennen mit Todesfolge und Straßenverkehrsgefährdung vor. Zudem werden ihm fünf Fälle illegaler Autorennen zwischen 2022 und 2024 zur Last gelegt.

Durch die Luft geschleudert

Beide Frauen wurden von dem PS-Boliden am 30. April vergangenen Jahres in Remscheid erfasst und durch die Luft geschleudert. 1,46 Promille Alkohol wurden später im Blut des Unfallfahrers festgestellt.

Der Wagen sei beim Anfahren ausgebrochen, auf den Bürgersteig geraten und habe zwei junge Frauen erfasst, hieß es. Die 19-Jährige starb wenige Tage später an schweren Kopfverletzungen. Eine 17-Jährige überlebte schwer verletzt.

Quelle: dpa

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