Nordrhein-WestfalenNach Eklat: Afghanisches Konsulat vergibt Praktikumsstellen

Keine Bezahlung, aber dafür viele Erfahrungen: Damit wirbt das Generalkonsulat von Afghanistan in Bonn um Praktikanten. Das Angebot folgt auf einen vieldiskutierten Personalwechsel.
Bonn (dpa/lnw) - Auch wenn das Amt des Generalkonsuls in Bonn weiter offiziell unbesetzt ist, sucht das Generalkonsulat von Afghanistan dort ab sofort Praktikanten. Das teilte es auf seiner Webseite mit. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.
In Bonn war es im vergangenen Herbst zu einem Eklat rund um das Personal des Generalkonsulats gekommen. Nach der Machtübernahme der islamistischen Taliban in Afghanistan hatte Berlin die Einreise von zwei mutmaßlichen Taliban-Diplomaten erlaubt, von denen einer in Bonn arbeiten soll. Der bisherige Bonner Generalkonsul Hamid Nangialay Kabiri ist inzwischen nicht mehr im Einsatz, die Belegschaft hatte aus Protest die Arbeit niedergelegt.
Offiziell erkennt Deutschland die in Afghanistan regierenden Taliban nicht an, führte jedoch zuletzt - zumindest auf technischer Ebene - Gespräche mit Vertretern der Islamisten, um weitere Abschiebungen von Straftätern nach Afghanistan zu erleichtern.
Ein Beamter als "Konsul" akkreditiert
Aus dem Auswärtigen Amt heißt es dazu nun, einer der damals eingereisten Beamten sei als "Konsul" am afghanischen Generalkonsulat in Bonn akkreditiert. Jedoch sei das nicht gleichzusetzen mit der Bezeichnung des Generalkonsuls, dem die Leitung des Konsulats unterliege. Diese Position sei den Angaben nach auch weiterhin nicht besetzt.
Zu der Stellenanzeige äußerte sich das Auswärtige Amt auf Anfrage zunächst nicht. Auch das afghanische Generalkonsulat in Bonn stand für Rückfragen bisher nicht zur Verfügung.
Gesucht werden Praktikanten - und Praktikantinnen
Bewerben können sich laut Stellenausschreibung Studierende und Hochschulabsolventen, aber auch andere Interessierte, die "praktische und berufliche Erfahrung in einer diplomatischen Vertretung" sammeln wollen. Das sei in verschiedenen Bereichen wie Passdiensten, Informationstechnologie, aber auch Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation möglich. Das Praktikum ist den Angaben nach unbezahlt.
Potenzielle Praktikanten dürfen sich unabhängig von ihrer Nationalität bewerben, solange ein gültiger Aufenthaltsstatus in Deutschland vorliegt. Wünschenswert seien lediglich ein naher Wohnort und verschiedene Sprachkenntnisse zum Beispiel in Englisch oder den in Afghanistan üblichen Sprachen Dari und Paschtu.
In der Ausschreibung werden explizit auch "Bewerberinnen" angesprochen. Auch das Bewerbungsportal ermöglicht es, ein weibliches oder diverses Geschlecht anzugeben. Allerdings ist die Chancengleichheit in Stellenanzeigen rechtlich verpflichtend.
Frauen und Mädchen werden seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan 2021 systematisch unterdrückt. Der Zugang zu höherer Bildung und zu vielen Berufen wird ihnen verwehrt.