Nordrhein-WestfalenNachwuchslage bei Hausärzten in Westfalen-Lippe schwierig

Bei der Arztdichte ist die Region Westfalen-Lippe nach neuen Zahlen vergleichsweise schwach aufgestellt. Und bei Hausärzten sieht die Nachwuchslage laut Kassenärzte-Vereinigung nicht rosig aus.
Dortmund (dpa/lnw) - Die Nachwuchslage bei Hausärztinnen und Hausärzten in Westfalen-Lippe ist laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) schwierig. "Uns fehlen 200 Hausärzte, um flächendeckend von einer hundertprozentigen Versorgungsquote sprechen zu können", sagte der Vorstandsvorsitzende der KV Westfalen-Lippe, Dirk Spelmeyer, auf dpa-Anfrage. Rund 40 Prozent der Hausärzte seien älter als 60 Jahre. "Das zeigt die Dringlichkeit des Nachwuchsproblems", betonte die KVWL in Dortmund.
Bei der gesamten Arztdichte liegt Westfalen-Lippe (WL) laut Bundesarztregister weit hinten. Verglichen wurden - Stand 31. Dezember 2025 - alle 17 KV-Regionen: Das sind 15 Bundesländer und in NRW die zwei unterteilten KV-Bereiche Nordrhein und Westfalen-Lippe (WL).
Demnach kommen knapp 208 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in WL. Das ist vorletzter Platz vor Brandenburg. Bei den Hausärzten sind es 61 Medizinerinnen und Mediziner pro 100.000 Einwohner - das bedeute Schlusslichtposition.
Laut KV sind Praxen in WL besonders leistungsfähig
Die vergleichsweise niedrige Arztdichte besteht laut KVWL schon seit Jahren in Westfalen-Lippe, es gebe aber dennoch eine gute ambulante Versorgung, hieß es. Die Praxen in Westfalen-Lippe seien "deutlich leistungsfähiger, behandeln unter dem Strich mehr Patienten."
Auch wenn rund 200 Allgemeinmediziner fehlten, seien in WL so sie viele Hausärztinnen und Hausärzte wie nie zuvor in der Versorgung. "Und wir hatten auch noch nie so viele Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung zur Fachärztin und zum Facharzt für Allgemeinmedizin wie aktuell." Allerdings: Auch in Westfalen-Lippe seien jüngere und ältere Ärztinnen und Ärzte häufiger in Teilzeit tätig. Besonders der Nachwuchs achte auf "zeitgemäße" Arbeitsbedingungen.
"Das Modell Einzelkämpfer mit 60-Stunden-Woche hat, wie in anderen Berufsgruppen auch, ausgedient", schilderte Spelmeyer mit Blick auch auf größere Gemeinschaftspraxen oder Medizinische Versorgungszentren. "Wir müssen uns als Gesellschaft von dem Bild lösen, dass die vertragsärztliche Versorgung ausschließlich im direkten Arztkontakt vor der eigenen Haustür stattfinden kann." Auch Themen wie Digitalisierung in der Medizin würden künftig eine zunehmende wichtige Rolle spielen.
Die Bundespolitik habe in den vergangenen Jahren vielen Problemen in der ambulanten Versorgung nicht die dringend nötige Aufmerksamkeit geschenkt. monierte die KVWL.