Nordrhein-WestfalenWarnstreik angelaufen: Viele Busse und Bahnen fallen aus

Wer mit Bus und Bahn zur Arbeit möchte, sollte umplanen: Ein großer Teil des Nahverkehrs kommt am Freitag zum Erliegen. Verdi ruft zum Ausstand, Tausende folgen dem Aufruf.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Nordrhein-Westfalens Nahverkehr wird bestreikt. Der Arbeitskampf sei wie geplant angelaufen, sagte der Branchenkoordinator von Verdi NRW, Lukas Frew, am Freitagmorgen. "Es ist überall losgegangen." Er geht von einer ähnlich hohen Beteiligung wie bei dem ersten Warnstreik im laufenden Tarifkonflikt am 2. Februar aus. Damals hatten nach Angaben von Verdi circa 12.000 von gut 30.000 Beschäftigten ihre Arbeit niedergelegt. Erneut werden mehr als 30 kommunale Verkehrsunternehmen bestreikt, die den größten Teil von NRW abdecken.
Zahlreiche Busse sowie Straßen- und U-Bahnen dürften ausfallen. Regionalzüge und S-Bahnen fahren hingegen ganz normal, sie sind nicht Teil der Warnstreiks, der den ganzen Freitag und ganzen Samstag andauern soll und erst in der Nacht zu Sonntag endet. Auch Nachtbusse, die am Sonntag um kurz nach Mitternacht fahren und noch zur Spätschicht zählen, dürften ausfallen.
"Die Beschäftigte sind entschlossen und stehen zusammen, sie wollen ein vernünftiges Angebot der Arbeitgeber bekommen", sagte Gewerkschaftssekretär Frew. "Dafür setzen sie ein Ausrufezeichen." Die Arbeitsplätze in der Branche müssten attraktiver gemacht werden, damit sich junge Leute für diese Berufe entscheiden und der Personalmangel gelindert werden kann. Es geht um Bus- und Straßenbahn-Fahrer sowie um Beschäftigte in den Werkstätten und Leitstellen sowie in der Verwaltung.
Lange Liste an betroffenen Städten
Die Liste der Städte, die von den Arbeitsniederlegungen betroffen sind, ist lang. Unter ihnen sind Bonn, Köln, Düsseldorf, Essen, Münster, Krefeld, Herne, Gelsenkirchen, Bochum, Castrop-Rauxel, Moers, Wesel, Gütersloh und Bielefeld. Zu den wenigen Ausnahmen gehören Aachen, Paderborn und Neuss, deren Kommunalbetriebe nicht unter den aktuell verhandelten Tarifvertrag fallen.
Wuppertal fällt zwar darunter, gestreikt wird dort aber trotzdem nicht: Man möchte dort die dortigen Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen der Schwebebahn nicht beeinträchtigen, daher drückt Verdi gewissermaßen ein Auge zu.
Die Intensität der Arbeitsniederlegungen dürfte unterschiedlich ausfallen: Während das am Niederrhein tätige Unternehmen Niag im Rückblick auf vergangene Arbeitsniederlegungen von einer Ausfallquote von etwa 10 Prozent berichtet, rechnet das in Dortmund tätige Unternehmen DSW21 nun mit einem Stillstand des Nahverkehrs.
Arbeitgeber und Gewerkschaft noch weit auseinander
Bei der ersten Verhandlungsrunde waren die Positionen von Verdi und von den Arbeitgebern noch weit voneinander entfernt. Verdi fordert, die Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich um zwei Stunden auf 37 Stunden zu reduzieren. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll von zehn auf mindestens elf Stunden erhöht werden, und der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen. Dieser Verbesserungen sollen dazu führen, dass der Beruf attraktiver wird und der Fachkräftemangel abnimmt. Außerdem pocht die Gewerkschaft auf deutlich mehr Investitionen in Infrastruktur und Personal.
Aus Sicht der Arbeitgeber sind Verdis Forderungen unbezahlbar und überzogen. Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen (KAV) weist darauf hin, dass die Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr erst im vergangenen Jahr Entgeltsteigerungen von 5,8 Prozent bekommen hätten.
"Würde man den Forderungen der Gewerkschaft nachkommen, wäre der Leistungsauftrag der Nahverkehrsunternehmen für die Bürgerinnen und Bürger im Ergebnis nachhaltig gefährdet", sagt KAV-Hauptgeschäftsführer Bernhard Langenbrinck. Die Tarifverhandlungen sollen am kommenden Montag fortgesetzt werden.